Die Verschärfung der F-Gase-Verordnung sorgt in der Industrie für Unsicherheit. Fristen rücken näher, eine neue Kältemittelstrategie wird dringlicher. Doch was wie eine regulatorische Belastung wirkt, bietet Verarbeitern die Chance auf gesteigerte Effizienz und sinkende Betriebskosten.
Die Regeln für fluorierte Treibhausgase (F-Gase), die in Kältemitteln wie R134a verwendet werden, wurden massiv verschärft. Kälteanlagen mit natürlichen, nicht-halogenierten Kältemitteln bieten sich als zukunftssichere Lösung an.
(Bild: KI/Schiessl)
Die Zeit der synthetischen Kältemittel läuft unwiderruflich ab. Mit der im März 2024 in Kraft getretenen EU-Verordnung 2024/573 wurden die Regeln für fluorierte Treibhausgase (F-Gase) massiv verschärft. Ein zentrales Instrument ist der sogenannte „Phase-Down“, der die verfügbare Menge an teilfluorierten Kohlenwasserstoffen (HFKW) bis zum Jahr 2050 schrittweise auf null reduziert.
Das Ende der synthetischen Kältemittel
Für Betreiber von Bestandsanlagen hat dies bereits heute spürbare Folgen: Zwar dürfen vorhandene Anlagen rechtlich weiterbetrieben und gewartet werden, doch die Verknappung von Service-Kältemitteln wie R134a oder R407C führt unweigerlich zu steigenden Preisen und potenziellen Lieferengpässen. Die Instandhaltung wird somit zu einem volatilen und schwer kalkulierbaren Kostenfaktor im Lebenszyklus einer Anlage.
Die Verschärfungen der F-Gase-Verordnung werfen drängende Fragen nach der richtigen Kältemittel-Strategie auf. Auch international zieht die Regulierung an, etwa durch den AIM Act in den USA.
(Bild: Technotrans)
Die aktuelle F-Gase-Verordnung schafft eine unumkehrbare Realität
Karsten Revers, Teamleiter Technik bei Technotrans
Gleichzeitig setzt die Verordnung strikte Fristen für Neuanlagen. Ab 2027 gelten für viele Anwendungen bereits strenge Obergrenzen für das Global Warming Potential (GWP). Dieser Wert beschreibt die Klimaschädlichkeit eines Kältemittels im Vergleich zu CO2. Ab 2032 folgt ein weitreichendes Verbot für die meisten F-Gase. Auch international zieht die Regulierung an, etwa durch den AIM Act in den USA. „Die aktuelle F-Gase-Verordnung schafft eine unumkehrbare Realität“, erklärt Karsten Revers, Teamleiter Technik bei Technotrans. „Viele unserer Kunden suchen nach einer langfristig verlässlichen Lösung, die nicht in wenigen Jahren erneut von der Regulierung eingeholt wird. Genau hier bieten natürliche Kältemittel die geforderte Planungs- und Investitionssicherheit.“
Effizienzsprung durch Propan (R290)
Unter den natürlichen Kältemitteln hat sich insbesondere Propan (R290) als hocheffiziente Lösung für industrielle Thermomanagement-Systeme etabliert. Die thermodynamischen Eigenschaften von Kohlenwasserstoffen ermöglichen eine hohe spezifische Kälteleistung. Studien belegen, dass für R290 optimierte Systeme einen um rund 20 % höheren Coefficient of Performance (COP) erreichen können. In der Praxis führen leistungsgeregelte R290-Anlagen somit zu signifikanten Energieeinsparungen.
Natürliche Kältemittel sind eine langfristig verlässliche Lösung und bieten Unternehmen bereits heute Planungs- und Investitionssicherheit.
(Bild: Technotrans)
Zusätzlich zur operativen Ersparnis locken attraktive staatliche Förderungen. In Deutschland bezuschusst das BAFA ausschließlich Investitionen in Kälteanlagen mit natürlichen, nicht-halogenierten Kältemitteln. „Fördermittel sind für viele Unternehmen ein entscheidender Faktor, der die Investition noch attraktiver macht. Deshalb unterstützen wir unsere Kunden aktiv und senken mit dem Beratungsangebot die Einstiegshürden“, so Revers.
Mit einem GWP-Wert von nur 0,02 ist R290 von der F-Gase-Verordnung ausgenommen und bietet damit maximale Rechtssicherheit über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Gleichzeitig minimieren Anwender ihren ökologischen Fußabdruck.
Sicherheit und Handling im industriellen Umfeld
Trotz der Brennbarkeit von Propan ist der Einsatz in modernen Systemen unbedenklich. Hermetisch geschlossene Kältekreisläufe, minimale Füllmengen und eine integrierte Sicherheitssensorik minimieren das Gefahrenpotenzial. Bei der Installation folgen die Systeme klaren Regeln: In der Außenaufstellung müssen lediglich Sicherheitsabstände zu Gebäudeöffnungen und Zündquellen eingehalten werden. Bei einer Innenaufstellung wird durch das Verhältnis von Füllmenge zu Raumvolumen sichergestellt, dass die Konzentration im Leckagefall weit unter der unteren Zündgrenze (Lower Flammable Limit, LFL) bleibt.
Technotrans verfolgt den Ausbau natürlicher Kältemittel in seinen energieeffizienten Temperiergeräten der Baureihe teco ci.
(Bild: Technotrans)
„Sicherheit ist für unsere Kunden ein zentrales Thema“, betont Revers. „Deshalb endet unser Sicherheitskonzept nicht bei der Maschine. Wir begleiten die Installation und den Betrieb mit umfassenden Schulungen und individuellem Support. Das schafft Vertrauen und gewährleistet ein sicheres Handling natürlicher Kältemittel im anspruchsvollen Industrieumfeld.“
Flexible Lösungen für die Kunststoffverarbeitung
Technotrans hat bereits Anfang der 2020er-Jahre serienreife Lösungen mit R290 eingeführt und das Portfolio sukzessive ausgebaut. In der Kunststoffverarbeitung, Druck- und Laserindustrie sind diese Systeme bereits langjährig erprobt. Die Bandbreite reicht dabei von kompakten OEM-Baugruppen bis hin zu zentralen Container-Anlagen im Megawatt-Bereich.
Stand: 16.12.2025
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Geräte der modularen ECOtec.chiller xtend-Baureihe verfügen über eine hohe Leistungsdichte und können flexibel erweitert werden.
(Bild: Technotrans)
So bietet modulare Baureihe ECOtec.chiller xtend eine hohe Leistungsdichte und ist ideal für die Versorgung ganzer Produktionshallen geeignet. Optionen wie freie Kühlung und Wärmerückgewinnung steigern die Effizienz weiter. Der PRO300.chiller hingegen ist eine Lösung im 19-Zoll-Einschubformat, speziell für die Integration in OEM-Anlagen und die präzise Temperierung hochsensibler Anwendungen wie Laser oder Analysegeräte. Die p1000-Baureihe ist sogar noch kompakter: Basierend auf Miniatur-Kompressortechnik ermöglicht dieses System hohe Kühlleistung auf kleinstem Raum für dezentrale oder mobile Anwendungen.
Thermomanagement als strategische Entscheidung
Der Blick in die Zukunft zeigt, dass Thermomanagement zunehmend digital, modular und energieeffizient wird. Intelligente Steuerungen ermöglichen eine proaktive Überwachung und Optimierung der Betriebsparameter, was Ausfallrisiken minimiert und den Energieverbrauch weiter senkt. „Aus der täglichen Zusammenarbeit wissen wir, dass die Umstellung bei der Kältetechnik weit mehr als eine technische Entscheidung ist“, resümiert Karsten Revers. „So wird aus der regulatorischen Notwendigkeit eine echte Wettbewerbschance.“
Sandra Kraft Senior Managerin Group Marketing, Technotrans SE, Sassenberg