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IFAT Munich 2026 Zirkularität als Schlüssel für Rohstoffsicherheit 

Verantwortliche:r Redakteur:in: Melanie Ehrhardt 5 min Lesedauer

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Selten war die IFAT Munich in ihrer 60-jährigen Geschichte so eng mit weltwirtschaftlichen und geopolitischen Entwicklungen verknüpft wie heute. Vor dem Hintergrund globaler Lieferkettenkrisen rücken zentrale Themen der Messe verstärkt in den Fokus von Politik und Industrie. 

Abfall und Sekundärrohstoffe sind ein Schwerpunktthema der IFAT Munich.(Bild:  Messe München)
Abfall und Sekundärrohstoffe sind ein Schwerpunktthema der IFAT Munich.
(Bild: Messe München)

Zirkularität gewinnt angesichts geopolitischer Spannungen, fragiler Lieferketten und steigender Rohstoffpreise zunehmend an Bedeutung. Das Veranstaltungsprogramm der IFAT Munich belegt eindrucksvoll, wie Recycling, Digitalisierung und neue Kooperationen dazu beitragen können, Ressourcen effizienter zu nutzen und wirtschaftliche Resilienz zu stärken. Die Weltleitmesse für Umwelttechnologien findet vom 4. bis 7. Mai 2026 in München statt.

Konsequent umgesetzte Zirkularität gilt zunehmend als entscheidender Faktor, um Rohstoffabhängigkeiten zu reduzieren und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen wie europäischen Wirtschaft zu sichern. Auch politisch erhält dieser Ansatz Rückenwind. So stellte die Europäische Kommission im Dezember 2025 den Aktionsplan RESourceEU vor. 

Neben Förderprogrammen für eine effizientere Ressourcennutzung sieht er unter anderem Exportbeschränkungen für bestimmte Abfallströme, um Recyclingkapazitäten innerhalb Europas zu stärken. Ergänzend sollen neue Kennzeichnungspflichten sowie zusätzliche Recyclinganreize für Batterien eingeführt werden.

Rohstoffsicherung im Fokus der IFAT

„Rund sechs Wochen vor Messestart zeichnet sich deutlich ab, dass unsere Aussteller wertvolle Impulse und Innovationen für mehr Rohstoffsicherheit nach München bringen“, sagt Exhibition Director Philipp Eisenmann. Beispiele dafür seien neue Verfahren zum Recycling von Lithium-Ionen-Batterien, innovative Ansätze im Autorecycling sowie digitale Technologien zur präziseren Sortierung von Wertstoffen.

IM detail

Vecoplan: Vom Zerkleinern bis zur Reinigung

VEZ 3300 e-mobil feiert Premiere auf der IFAT 2026.
VEZ 3300 e-mobil feiert Premiere auf der IFAT 2026.
(Bild: Vecoplan)

Mit dem neuen VEZ 3300 e‑mobil erweitert Vecoplan sein Portfolio um eine Lösung, die dem steigenden Bedarf nach variablen Einsatzszenarien in der Kreislaufwirtschaft entspricht. Die mobile Maschine verfügt über modernste Antriebstechnik und ist dank "Plug-and-Play" ohne Installationsaufwand sofort einsatzbereit. 

Mit der mobilen Lösung wird zudem sichtbar, wie Vecoplan seinen flexiblen und kundenorientierten Ansatz in der Praxis umsetzt. Getreu dem Motto „Ready where you are – just add what you need“ holt das Unternehmen Betreiber genau an dem Punkt ab, an dem sie stehen, und stellt für jeden Prozessschritt die passende Lösung bereit. Anlagen lassen sich durch die modulare Bauweise schrittweise erweitern und bedarfsgerecht kombinieren.

Wie Vecoplan diesen Ansatz in weiteren Prozessschritten umsetzt, zeigt das Unternehmen mit weiteren Maschinen und Technologien. Der VAZ 1700, ein Einwellen-Zerkleinerer für die stoffliche Verwertung, überzeugt durch das elektrische HiTorc-Antriebskonzept und seine modulare Bauweise. Ergänzend präsentiert Vecoplan seinen Trockenreiniger. 

Ein weiterer Schwerpunkt des Messeauftritts liegt auf dem Service-Bereich, den Vecoplan deutlich ausgebaut hat. Im Zentrum stehen neue Service-Level-Agreements (SLAs), die eine planbare Grundlage für den Anlagenbetrieb bieten. Das Ziel besteht darin, ungeplante Stillstände zu reduzieren, die Verfügbarkeit zu erhöhen und Wartungsprozesse effizienter zu gestalten. 

Vecoplan auf der IFAT 2026: Halle B5/ Stand 229 + Außengelände

Auch im Veranstaltungsprogramm spielen dieses Thema eine zentrale Rolle. Auf der Orange Stage in Halle A5 widmen sich gleich mehrere Podiumsdiskussionen den Chancen und Strategien einer zukunftsfähigen Kreislaufwirtschaft. Organisiert werden sie unter anderem vom Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE), von Germany Trade & Invest (GTAI), der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) sowie vom Bundesumweltministerium.

Automobilindustrie: Materialkreisläufe noch umfassender schließen

Eine Branche mit besonders hohem Ressourcenbedarf ist die Automobilindustrie. Die Europäische Union verfolgt deshalb das Ziel, deutlich mehr Materialien zurückzugewinnen, hochwertig zu recyceln und möglichst innerhalb der EU im Kreislauf zu halten. 

Gleichzeitig soll die Abhängigkeit von Importen reduziert und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Lieferkettenstörungen gestärkt werden. Diese Ziele spiegeln sich auch in der neuen europäischen Altfahrzeug-Verordnung (End-of-Life Vehicles Regulation, ELV-R) wider, die sich derzeit im finalen Gesetzgebungsverfahren befindet. Sie verschärft Recyclingquoten, fordert einen höheren Einsatz von Recyclingkunststoffen und führt einen digitalen Fahrzeugpass ein, der Demontage und Verwertung erleichtern soll.

Vor diesem Hintergrund greifen mehrere Veranstaltungen auf der Orange Stage das Thema auf. Fachleute aus Automobilindustrie und Recyclingwirtschaft diskutieren dort unter anderem über Urban Mining, geschlossene Materialkreisläufe und neue Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette.

Weitere Programmpunkte befassen sich mit erweiterten Herstellerverantwortungen, etwa beim Recycling von Altreifen, sowie mit industriellen Verfahren zur Rückgewinnung kritischer Rohstoffe aus Lithium-Ionen-Batterien. Zu den Veranstaltern zählen der BDE, das Ressourceneffizienz-Zentrum Bayern (REZ), der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) sowie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

KI, Robotik und Digitalisierung als Innovationstreiber

Zu den wichtigsten Innovationstreibern der Kreislauf- und Abfallwirtschaft zählen derzeit künstliche Intelligenz (KI), Robotik und digitale Technologien. Von ihnen erwartet die Branche bessere Sortierergebnisse, effizientere Betriebsabläufe, höhere Arbeitssicherheit sowie geringere Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Auch in der kommunalen Abfallwirtschaft eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten: KI kann etwa helfen, Fehlwürfe zu minimieren oder die Tourenplanung der Sammelfahrzeuge zu optimieren. Konkrete Anwendungen, Herausforderungen bei der Implementierung sowie strategische Potenziale für Städte und kommunale Betriebe stehen im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) auf der Orange Stage.

Die Orange Stage wartet 2026 wieder mit einem vielseitigen Veranstaltungsprogramm auf.
Die Orange Stage wartet 2026 wieder mit einem vielseitigen Veranstaltungsprogramm auf.
(Bild: Messe München)

Der VDMA stellt auf der IFAT Munich zudem eine Initiative vor, die den Datenaustausch sensorgesteuerter Sortieranlagen standardisieren soll, um intelligentere und effizientere Recyclingprozesse zu ermöglichen. In einer weiteren Veranstaltung widmet sich der Verband der Frage, welche Rolle digitale Produktpässe künftig für ein hochwertigeres Recycling spielen können.

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Chancen und Grenzen neuer Technologien

Am letzten Messetag wirft die International Solid Waste Association (ISWA) einen kritischen Blick auf den Einsatz von KI und Robotik in der Abfallwirtschaft. Neben innovativen Technologien – etwa kollaborativen Robotern zur Demontage komplexer Elektronik, KI-gestützter Materialrückgewinnung oder digitaler Materialflussverfolgung – werden dabei auch Herausforderungen und mögliche Nebenwirkungen diskutiert. 

Hintergrund: KI-Systeme sind auf hochwertige, standardisierte Daten und eine stabile digitale Infrastruktur angewiesen. Abfallströme sind jedoch häufig heterogen und stark verunreinigt. Modelle, die unter Laborbedingungen gut funktionieren, stoßen in der Praxis daher oft an ihre Grenzen. 

Gleichzeitig sind viele Systeme mit hohen Investitionskosten verbunden – ein Hindernis insbesondere für kleinere Recyclinganlagen sowie für Betriebe in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen. Gerade dort wird in den kommenden Jahrzehnten jedoch der stärkste Anstieg der Abfallmengen erwartet. Nach Einschätzung der ISWA besteht deshalb eine zentrale Herausforderung darin, digitale Innovationen mit praktikablen und langfristig tragfähigen Systemlösungen zu verbinden.