Viele Jahrzehnte galt Kunststoffrezyklat als billiges Ersatzmaterial, um teure Kunststoffneuware zu sparen. Dabei wurden in vielen Kunststofferzeugnissen – vor allem in jenen mit geringen Ansprüchen – Rezyklate eingesetzt, um das Produkt günstiger zu produzieren und damit die Marge der Verarbeiter zu erhöhen.
Jede Charge durchläuft eine strenge Qualitätskontrolle, wodurch selbst kleinste Verunreinigungen festgestellt werden.
(Bild: LH-Plastics)
Das Image der Rezyklate bei den Kunststoffverarbeitern war lange Zeit geprägt von Feuchtigkeit im Material, Farb- oder Fließschwankungen und nach dem Verarbeiten von Stippen im Folienprodukt. Deshalb wurden beispielsweise in den Rezepturen der Folienhersteller Rezyklate lediglich zu einem geringen Anteil eingesetzt. Außerdem wurden aufbereitete Kunststoffabfälle trotz steter Verbesserung mit verminderter Qualität assoziiert und widersprachen so dem Qualitätsverständnis vieler Verarbeiter. Der zuvor beschriebene Blickwinkel besteht heute glücklicherweise nur noch zum Teil, denn das Image von recyceltem Kunststoff wandelt sich langsam. Einerseits getrieben vom gestiegenen Nachhaltigkeitsbewusstsein der Verbraucher in ihren Kaufentscheidungen, andererseits durch gesetzliche Vorgaben, die einen verstärkten Einsatz von Rezyklaten in Kunststoffprodukten fordern, um den Einsatz von Neuware zu reduzieren. Die Frage, die sich daraus ergibt, lautet: Können sich Kunststoffrezyklate mit Neuware messen und ist der Austausch von Neuware gegen Rezyklat möglich? Große Brandowner – zum einen getrieben von freiwilliger Selbstverpflichtung oder zum anderen durch gesetzliche Vorgaben in bestimmten Bereichen – verändern die Anforderungen an ihre Zulieferer drastisch. Sie fordern den Nachweis von Nachhaltigkeit durch Zertifikate, die sich zunehmend in der Kunststoffbranche durchsetzen. So fordert beispielsweise das Nachhaltigkeitssiegel „Blauer Engel“ einen Mindesteinsatz von 80 % Kunststoffrezyklat aus dem Post-Consumer-Feedstock. Dieser Ursprung wird von den Recyclern durch Zertifikate wie zum Beispiel Eucertplast oder Rezyclass nachgewiesen.
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Dem Anspruch gerecht werden
Der inzwischen erhöhte Anspruch an ein Kunststoffrezyklat, welches über 80 % eines Produktes ausmacht, unterscheidet sich drastisch zu den Zeiten, in denen es lediglich zu 30 % oder auch nur 20 % in der Rezeptur enthalten war. Denn bei einem geringen Rezyklatanteil können Qualitätsschwankungen deutlich besser kompensiert werden, als wenn das Rezyklat den Großteil der Rezeptur ausmacht. Die verbleibenden Rezepturanteile stehen für Farbbatch, Additive oder spezielle, die Siegelfähigkeit verbessernde Rohstoffe. Des Weiteren werden nicht nur unkritische Kunststoffprodukte aus der Baubranche oder Landwirtschaft aus Rezyklaten hergestellt, sondern beispielsweise in der Automobil- oder Verpackungsindustrie deutlich anspruchsvollere Projekte umgesetzt. Um allen qualitativen Anforderungen sowie dem Nachhaltigkeitsanspruch gerecht zu werden, entwickeln Hersteller von Kunststoffprodukten inzwischen Rezepturen, die als „Rocket Science“ bezeichnet werden können. So wird beispielsweise in der Folienextrusion mittels Coextrusionsverfahren das Rezyklat zwischen Funktionsschichten aus Neuware und Sonderrohstoffen eingeschlossen. Gerade im Coextrusionsverfahren kommt es darauf an, die unterschiedlichen Polymere in den einzelnen Kunststoffschichten im Herstellungsprozess aufeinander abzustimmen. Auftretende Rohstoffschwankungen können zu unterschiedlichen Störungen im Extrusionsprozess führen. Im schlechtesten Fall erhöht sich die Abfallquote, die ja gerade kontraproduktiv zum eigentlichen Grundgedanken des Einsatzes von Rezyklaten steht. Eine gleichbleibende und homogene Zusammensetzung der Rezyklate ist also zwingend anzustreben.
Der Recycler stellt mit seinem Maschinenpark, der technisch auf dem neuen Stand gehalten wird, jährlich bis 12.000 t PE oder PP Rezyklate her.
(Bild: LH-Plastics)
Warum der Recycler umdenken muss
Wenn Rezyklate in der Zukunft immer weiter die Kunststoffe aus Neuwarenursprung verdrängen, sind die Recycler gefordert, sich noch mehr in die Prozessstrukturen der Kunststoffverarbeiter hineinzudenken: Die Frage nach dem Handling von Granulaten, ob als Sackware, abgefüllt in Big Bags oder Silofahrzeugen, ist hier nur ein Aspekt. Hinzu kommen unter anderem noch die Homogenität von Produktionschargen, der Reinheitsgrad, die Filtrationsgüte und die Frage nach dem Ursprung der recycelten Kunststoffabfälle. Die Berücksichtigung der Herkunft und ursprünglichen Anwendung der Abfälle ermöglicht neue Unterkategorien der Recyclingprodukte: Wenn beispielsweise der Rezyklatanteil in einer Stretchfolie erhöht werden soll, ist es wichtig, als Feedstock Stretchfolienabfälle zu verarbeiten. Doch noch ist dieser Feedstock nicht in ausreichender Menge vorhanden, da die entsprechenden Sammelstrukturen fehlen.
Weitere Einblicke in den Alltag des Recyclers
Kunststoffabfälle werden als Ballen oder Rollen gelagert, bevor es in die Aufbereitung geht.
(Bild: LH-Plastics)
Flüssige Kunststoffschmelze wird durch die Lochplatte der Recyclingmaschine gedrückt, bevor die Granulierung geschlossen wird.
(Bild: LH-Plastics)
Dunkles PCR PE-Rezyklat direkt nach der Granulierung wird mit Wasser abgekühlt.
(Bild: LH-Plastics)
Ein Mitarbeiter bei der regelmäßigen Sichtkontrolle der Rezyklate.
(Bild: LH-Plastics)
LH-Plastics produziert PIR- sowohl PCR-Rezyklate für verschiedene Branchen.
(Bild: LH-Plastics)
Granulate werden kundenspezifisch abgefüllt und auch lastzugweise ausgeliefert. Saisonale Produkte werden im 5.000 m² großen Logistiklager zwischen gelagert.
(Bild: LH-Plastics)
Um den heutigen Ansprüchen der Verarbeiter gerecht zu werden, reicht das Sortieren einzig nach Kunststofftypen oder Farbfraktionen nicht mehr aus. Die Investitionen in Prüftechnik, gerade für die Wareneingangskontrolle, sind rapide gestiegen. Messtechnik zum Bestimmen des MFI (Melt Flow Index), der relativen Restfeuchte oder der Dichtebestimmung bilden die absolute Grundlage einer Qualitätssicherung. Ergänzt werden diese Prüfungen mit Laborextruder oder Laborspritzgussautomaten, Farbspektrometer, DSC-Analyse bis hin zu Festigkeitsprüfgeräten. Diese Prüfverfahren sind im Alltag der LH-Plastics, einem Recycler von Folienabfällen, mit Sitz in Werdau nicht mehr wegzudenken, um den wachsenden Ansprüchen der Rezyklatverarbeiter gerecht zu werden. Nicht selten müssen darüber hinaus Materialien zusätzlich in akkreditierte, externe Prüflabore geschickt werden, um spezielle und individuelle Konformitäten nachzuweisen. Weiterhin ist sowohl auf der Wareneingangsseite als auch auf der Warenausgangsseite des Recyclingprozesses ein hohes und tiefgründiges Verständnis für die Lieferanten und Kunden bis auf Produktebene gefordert. Hierbei gilt es, saisonale Produkte wie zum Beispiel aus der Landwirtschaft, aber auch Besonderheiten wie das Schützen der Eingangs- und Ausgangsware der Recycler gegen Wettereinflüsse bei der Planung zu berücksichtigen.
Stand: 16.12.2025
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Die Kunststoffballen werden im Schredder vorzerkleinert, bevor sie als Flakes der Recyclingmaschine zugeführt werden.
(Bild: LH-Plastics)
Gemeinsam den Kreislauf schließen
Um diesen Wandel vom ‚einfachen Abfallrecycler‘ hin zum nachhaltigen Rohstoffproduzenten für hochwertige Rezyklate zu vollziehen, müssen in der gesamten Lieferkette Partnerschaften aufgebaut und vertieft werden. Kreisläufe können entstehen, indem Hersteller über ihre belieferten Kunden Abfälle zurückgewinnen, diese an die Recycler abgeben und deren Produkte erneut einsetzen, um sich der großen Vision der Klimaneutralität einen Schritt zu nähern. Die Partnerschaft zwischen der LH-Plastics als Recycler und Manupackaging Deutschland als Hersteller von Stretchfolien ist ein gutes Beispiel für solch einen Kreislauf. Beim Folienhersteller in Schkopau wird Rezyklat aus Stretchfolie ohne Qualitätsverlust dieser eingearbeitet.
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Damit Kunststoffverarbeiter ihre bisherige Marktstellung weiter beibehalten oder ausbauen können, unterstützt das Recyclingunternehmen aus Werdau individuell beim Erstellen und Umsetzen von Nachhaltigkeitskonzepten und entwickelt individuelle Lösungen für anspruchsvolle Kunststoffprodukte. Dazu ist es auch notwendig, sich vom alten Credo ‚Rezyklate müssen grundsätzlich billiger sein als Neuware‘ zu verabschieden. Neben den reinen Herstellkosten für die Produktion von Rezyklaten muss sich zwingend auch die individuelle Partnerschaft inklusive aller Servicekompetenz im Preis wiederfinden. Erst nachdem sich diese Kreisläufe eingespielt haben, kann durch Skaleneffekte die preisliche Wettbewerbsfähigkeit von Rezyklaten gesteigert werden. Es ist an der Zeit, die aktuellen Herausforderungen anzunehmen und neue, partnerschaftliche Wege zu denken und diese vor allem auch zu gehen. Quelle: LH-Plastics