Silikone erfüllen insbesondere bei der Wundversorgung zwei Anforderungen, die eigentlich schwer zu vereinen sind: Sie haften stark und sind gleichzeitig sanft zur Haut, damit Wundpatienten beim Verbandswechsel möglichst keine Schmerzen erleiden. Zudem sorgen sie durch ihre Atmungsaktivität und den Schutz vor äußeren Einflüssen wie Bakterien und Feuchtigkeit für ein optimales Wundheilungsmilieu und einen ungestörten Heilungsverlauf.
Silikonbeschichtungen für atraumatische Wundauflagen, sind gleichzeitig sanft zur Haut und haften gut
(Bild: Wacker Chemie)
Weltweit steigt der Bedarf an Health Care- und medizinischen Produkten. Nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens Visiongain wächst der Markt mit durchschnittlich vier Prozent im Jahr, 2017 soll er bereits ein Volumen von knapp 400 Mrd. US-Dollar erreichen. Dabei ist insbesondere der Bedarf an modernen Wundpflegeprodukten groß, denn in den Industrienationen leben immer mehr Menschen mit chronischen Wunden.
Betroffen davon sind vornehmlich Zuckerkranke: Weltweit gibt es mehr als 360 Mio. Diabetiker, die zu besonders schlechter Wundheilung neigen – und ihre Zahl wird nach Schätzungen bis zum Jahr 2030 um 150 Prozent ansteigen. Zudem leben vor allem in den Industrienationen immer mehr alte Menschen, die überdurchschnittlich oft von chronischen Wunden betroffen sind. Gleichzeitig erhalten immer mehr Menschen Zugang zu moderner medizinischer Versorgung.
Silikon für die Wundversorgung
Wenn es um die Gesundheit geht, sind die Anforderungen an die verwendeten Materialien besonders hoch. Hochreine Silikone erfüllen diesen Anspruch und sind daher in der modernen Medizin unverzichtbar. Denn die Kunststoffe bieten enorme Vorteile: Silikone sind hochbeständig gegenüber Umwelteinflüssen wie Schweiß, Hitze oder UV-Strahlung und chemisch inert. Sie bieten gute mechanische Eigenschaften und sind in einem sehr breiten Shore-Härtespektrum verfügbar. Die Werkstoffe sind dampfsterilisierbar, unterstützen nicht das Wachstum von Mikroorganismen (Hydrophobie), enthalten keine Weichmacher oder Stabilisatoren, sind allergenarm und biokompatibel. Zudem sind sie atmungsaktiv und selbst bei längerfristigem Hautkontakt verträglich. Damit bieten Silpuran-Silikone von Wacker eine hohe Qualität und Sicherheit in medizinischen Anwendungen – von der Babypflege über die Medizintechnik und der Wundversorgung bis hin zu Orthopädie und Prothetik.
Mit dem zukunftsweisenden Produktionsstandard, der ausgewählte GMP-Kriterien berücksichtigt, wird sichergestellt, dass alle Silpuran-Produkte den steigenden Sicherheitsanforderungen in der modernen Medizin gerecht werden. Die Produkte werden nach dem herstellereigenen Standard produziert wie unter Reinraumbedingungen abgefüllt und verpackt. So wird vom Endprodukt bis zur Rohstoffquelle kontrollierte Reinheit garantiert.
Starker Halt bei Wundauflagen
Das Silikon sorgt dafür, dass die Haut beim Verbandswechsel weniger strapaziert wird.
(Bild: Wacker Chemie)
Verbandswechsel und Wundversorgung können für Patienten sehr schmerzhaft sein und Stress bedeuten. Denn herkömmliche Adhäsive haften oftmals so stark, dass beim Abziehen Hautzellen an der Auflage haften bleiben und mitgerissen werden können – die Wunde und die umgebende Haut wird traumatisiert. Um das zu vermeiden, entwickelte der Münchner Konzern Silikonbeschichtungen für atraumatische Wundauflagen, die gleichzeitig sanft zur Haut sind und gut haften.
Die neuesten Produkte haften intensiv, sodass die Verletzung gut geschützt ist. Gleichzeitig schafft die Silikon-Schutzhülle ein besonders gutes Heilklima, denn das Wundmilieu bleibt feucht, kann aber aufgrund der Gas- und Wasserdampfdurchlässigkeit der Beschichtung atmen. Der besondere Clou: Die Silikone verkleben nicht mit der Wunde. Mit herkömmlichen Klebern wird die adhäsivschicht von Wundauflagen oftmals als Kleberand ausgeführt, so dass die verletzte Haut nicht mit dem Adhäsiv in Kontakt kommt.
Ein Silikonadhäsiv hingegen darf auch direkt auf dem Wundgrund aufliegen, denn als hydrophobes Material haftet es nur auf trockener, nicht jedoch auf feuchter oder nasser Haut. Auch ein Verkleben mit der Wundflüssigkeit oder ein Verwachsen mit neugebildetem Gewebe ist somit ausgeschlossen. Zugleich verhindert die haftende Silikonschicht, dass Wundsekret auf die wundumgebende Haut gelangt und die Haut aufweicht. So lassen sich Wundkompressen ohne Zug und ohne Schmerzen entfernen und der Heilungsverlauf erfolgt ungestört. Das bedeutet eine enorme Erleichterung für Patienten, gerade bei chronischen oder großflächigen Wunden. Zudem verläuft auch die Narbenbildung deutlich unauffälliger und das Hautbild wird schöner.
Neue Konzepte für Medizinprodukte von morgen
Die Spezialsilikone werden unter Reinraumbedingungen abgefüllt und verpackt. So wird vom Endprodukt bis zur Rohstoffquelle kontrollierte Reinheit gesichert.
(Bild: Wacker Chemie)
Mit ihren herausragenden Eigenschaften werden Silikone auch zukünftigen Anforderungen der modernen Medizin gerecht und können bestehende Systeme ersetzen, die den gestiegenen Bedürfnissen nicht oder nur teilweise entsprechen.
Funktionale Wundauflagen für die Wundversorgung der Zukunft können beispielsweise mit integrierten Sensoren ausgestattet werden, die auf eine Vielzahl von Signalen des Patienten direkt reagieren. Sie könnten etwa den Status der Wundheilung melden oder Dehydrierung bei älteren Patienten messen. Denkbar sind auch Auflagen, die je nach Zustand des Patienten gezielt Medikamente abgeben und so die Heilung besser steuern und beschleunigen können. Auch hier ist diese Werkstoffklasse sehr gut geeignet, um Sensoren in einen Wundverband einzubetten.
Stand: 16.12.2025
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