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Fraunhofer IWM und Glice entwickeln synthetisches Eis Das haben Schlittschuhlaufen und Gleitschienen gemein

Verantwortliche:r Redakteur:in: Simone Fischer 2 min Lesedauer

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Eislaufbahnen zu betreiben ist energieintensiv. Das Eislaufen auf Kunststoffplatten ist eine Alternative, brachte bisher aber noch wenig Freude. Das könnte sich nun ändern.

Glice aus Luzern gelang mit dem Fraunhofer IWM in Freiburg eine Kunststoffeis-Entwicklung, deren Gleiteigenschaften denen von Wassereis in nichts nachstehen. (Bild:  © Irina Mikhailichenko – stock.adobe.com)
Glice aus Luzern gelang mit dem Fraunhofer IWM in Freiburg eine Kunststoffeis-Entwicklung, deren Gleiteigenschaften denen von Wassereis in nichts nachstehen.
(Bild: © Irina Mikhailichenko – stock.adobe.com)

Zum perfekten Gleiterlebnis auf einer Eisbahn gehören viele Zutaten: Der Start ins Gleiten aus dem Stand, die Gleitfähigkeit für den Spaß, aber auch ein Minimum an Reibung für die Pirouetten und das Bremsen sowie die Härte für das Eisfeeling. All diese Faktoren galt es in einem Forschungs- und Entwicklungsprojekt in einem Modell des Gleitkontakts Stahl-Kunststoff berechenbar zu machen und aufeinander abzustimmen.

Prof. Dr. Matthias Scherge leitete das Projekt(Bild:  Fraunhofer IWM/Kai Wudtke)
Prof. Dr. Matthias Scherge leitete das Projekt
(Bild: Fraunhofer IWM/Kai Wudtke)

"Der erste Moment ist beim Schlittschuhlaufen besonders kritisch. Ein hoher Anfangswiderstand behindert den sicheren Start ins Gleiten der Eisläufer", erläutert Projektleiter Prof. Dr. Matthias Scherge vom Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM. Daher richtete die Forschung ihr Hauptaugenmerk zunächst auf die ersten Sekunden des Gleitens. Neben den Reibungskräften wurde auch die Einsinktiefe der Kufe untersucht – ein Parameter, der entscheidend zur Beurteilung des Gleitverhaltens beiträgt. "Erst wenn die Kufe möglichst widerstandslos ›pflügt‹, stellt sich das leichte und schwebende Gleitgefühl ein", ergänzt der Leiter des Geschäftsfelds Tribologie am Fraunhofer IWM.

Deshalb wurde ein Eisgleitsimulator entwickelt

Aus einer Kunsteisplatte wird ein Prüfkörper hergestellt, dessen Gleitverhalten im Eisgleitsimulator gemessen und bewertet wird.(Bild:  Glice)
Aus einer Kunsteisplatte wird ein Prüfkörper hergestellt, dessen Gleitverhalten im Eisgleitsimulator gemessen und bewertet wird.
(Bild: Glice)

Um das Zusammenspiel von Schlittschuhkufen und Kunsteis systematisch aufzuklären, hat das Fraunhofer IWM einen speziellen Eisgleitsimulator entwickelt und aufgebaut. Damit werden die Start-Stopp- und die Gleitsituation zwischen verschiedenen Schlittschuhkufen und synthetischen Eisvarianten im Labormaßstab nachgestellt und die wirkenden Kräfte sowie weitere Materialkennwerte erfasst.

Nach zahlreichen Optimierungen in der Materialzusammensetzung, der Anpassung der Reinigungsprozesse der Kunsteisoberfläche aus Polyethylen und der Einführung spezieller Konditionierungsverfahren konnte eine Qualität erreicht werden, die dem Gleiten auf gefrorenem Wasser ebenbürtig ist. Die Laborergebnisse zeigen Reibungskoeffizienten von etwa 0,035 – Werte, die bei niedrigen Gleitgeschwindigkeiten sogar leicht unter denen von gefrorenem Eis liegen. Zum Vergleich: Bei einem Reibungskoeffizienten von 1 ist Gleiten unmöglich, bei 0,5 fühlt es sich an, als sei Sand gestreut. Erst unter 0,1 setzt Gleitfreude ein – und bei 0,05 beginnt das Vergnügen.

Aus diesem Kunststoff besteht das synthetische Eis

Der Gleiteffekt basiert auf einer Materialkombination aus einem ultrastabilen Grundkörper aus veredeltem Polyethylen sowie einer hochmobilen Oberflächenschicht, deren Polymerketten der Kufe kaum Widerstand entgegensetzen. Die Schlittschuhkufen tragen natürlich ebenfalls zum Erfolg bei – geeignete Schleiftechniken verbessern das Ergebnis zusätzlich.

Die hohen tribologischen Anforderungen, die das entwickelte Polyethylen erfüllt, machen dieses auch für Anwendungen im Maschinenbau – etwa in Gleitschienen, Lagern, Dichtungen oder Zahnrädern – interessant. Es könnte künftig fluorierte Polymere (PFAS) ersetzen.

"Die Platten haben eine Verwendungsdauer von 10 Jahren. Danach kann die Rückseite für weitere 10 Jahre verwendet werden. Weder Wasser noch Kühlmittel werden für den Betrieb einer solchen Bahn benötigt", erklärt Viktor Meier, CEO von Glice.
Quelle: Fraunhofer IMW

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