Vom Kochgeschirr bis zu Medizinprodukten: Die Pläne der EU, den Einsatz von Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) zu beschränken, würden zahlreiche Produkte und Prozesse betreffen. Wir zeigen Ihnen, welche Produkte es nach einem Verbot von Fluorpolymeren in ihrer jetzigen Form so nicht mehr geben würde.
Welche Konsequenzen hätte ein PFAS-Verbot? Welche Produkte wären davon betroffen? Wir geben einen Ausblick.
(Bild: Dalle 3 / OpenAI)
Die EU-Kommission plant ein nahezu vollständiges Verbot von PFAS, also Per- und Polyfluoralkylsubstanzen. Bei der Europäischen Chemikalienagentur ECHA wurde dazu ein Beschränkungsvorschlag eingereicht. Das vorgeschlagene Verbot wurde im Rahmen der EU-Chemikalienverordnung REACH von Behörden aus Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Norwegen und Schweden ausgearbeitet. Betroffen ist demnach die gesamte Stoffgruppe mit rund 10.000 unterschiedlichen Verbindungen.
Verboten werden sollen das Herstellen, das Einführen, das Inverkehrbringen sowie das Verwenden von Per- und Polyfluoralkylsubstanzen. Am 22. März startete eine sechsmonatige öffentliche Konsultation. Während dieser Zeit können Informationen eingereicht werden, um etwa die Aufnahme weiterer Ausnahmeregelungen in dem Beschränkungsvorschlag zu begründen. Die wissenschaftlichen Ausschüsse der ECHA wollen diese Informationen dann beim Erstellen ihrer Stellungnahme berücksichtigen und bewerten.
Was Sie über PFAS wissen müssen
Fluorpolymere und weitere fluorhaltige Substanzen sollen verboten werden. Eine ihrer herausragenden Eigenschaften – die Beständigkeit – könnte ihr Verbot bedeuten. Für Sie haben wir das Thema PFAS aus verschiedenen Blickwinkeln während der Widerspruchsfrist beleuchtet und halten Sie künftig zu PFAS-Alternativen auf dem Laufenden. Alles, was Sie zum Thema wissen sollten, erfahren Sie hier.
Wo Fluorpolymere eingesetzt werden und warum
Das Eigenschaftsprofil von Fluorpolymeren ist in bestimmten Anwendungen unverzichtbar. Da diese aber technisch meist sehr aufwendig hergestellt werden, haben diese auch ihren Preis. Sie werden dort verwendet, wo alle anderen Kunststoffe versagen. Also überall dort, wo beispielsweise eine hohe Reinheit aber auch Beständigkeit gegenüber aggressiven Chemikalien und hohen Temperaturen erforderlich ist.
Fluorpolymere verfügen außerdem über besonders gute elektrische Eigenschaften und eine geringe Entflammbarkeit. Daher sind sie auch für einige Branchen derzeit alternativlos.
Was sind PFAS?
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat 2021 per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) neu definiert:PFAS sind fluorierte Stoffe, die mindestens ein fluoriertes Methyl- oder Methylen-Kohlenstoffatom (ohne ein daran gebundenes H/Cl/Br/I-Atom) enthalten, das heißt, mit einigen wenigen Ausnahmen ist jede Chemikalie mit mindestens einer perfluorierten Methylgruppe (-CF3) oder einer perfluorierten Methylengruppe (-CF2-) ein PFAS. [1]
[1] https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acs.est.1c06896, abgerufen am 13.04.202
Was die Branche zu einem möglichen PFAS-Verbot sagt
Ein PFAS-Verbot hätte weitreichende Folgen, nicht nur für den Industriestandort Deutschland. Wir haben uns in der Branche einmal umgehört. Doch lesen Sie selbst:
Ein mögliches Verbot stellt auch die Spritzgießmaschinenbauer vor neue Aufgaben. PLASTVERARBEITER sprach hierzu mit Guido Frohnhaus, Geschäftsführer Technik bei Arburg. Lesen Sie hier das Interview.
Das Kunststoffland NRW spricht sich gegen den Regulierungsvorschlag der europäischen Chemikalienagentur Echa für die chemische Stoffgruppe der per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS) aus, doch lesen Sie selbst.
Moderne Verchromungsprozesse kommen ohne fluorierte oder teilfluorierte Netzmittel aus. Beim Konditionieren der Kunststoffe für den Beschichtungsprozess sieht das anders aus. Warum das so ist und mögliche Auswirkungen eines PFAS-Verbots, kommentiert Dr. Markus Dahlhaus, Vorstandsvorsitzender des FGK.
Ein mögliches PFAS-Verbot bringe die gesamte Lieferkette in Zwang, alternative Werkstoffe auszuwählen und laufe Gefahr auch solche Bereiche zu schädigen, in den das Risiko von PFAS nicht belegt ist, so Prof. Dr. rer. nat. Rainer Dahlmann in seinem Kommentar.
Deutschland ist bezüglich medizintechnischer Produkte gut aufgestellt – noch. Würden die seitens der Echa geplanten PFAS-Beschränkungen vollumfänglich greifen, so wäre die medizinische Versorgung in der momentanen Weise nicht mehr möglich. Ein Kommentar von Dr. Martin Leonhard, Vorsitzender Medizintechnik im Deutschen Industrieverband Spectaris
Stand: 16.12.2025
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Fluorpolymere sind von dem PFAS Beschränkungsverfahren ebenso betroffen wie Beschichtungen, Hydrauliköl, Löschmittel und vieles weitere mehr. Diese Hochleistungswerkstoffe sind unverzichtbar, so Ralf Olsen in seinem Kommentar.
Fünf Europäische Behörden, darunter die Deutsche Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) unter Mitarbeit von UBA und BFR, haben bei der Echa (Europäische Chemikalienagentur) einen Vorschlag zum Verbot aller perfluorierten, organischen Substanzen vorgelegt. Eine Einordnung von Dr. H.-Martin Issel ist Managing Director bei Unimatec Chemicals Europe in Weinheim und Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Kautschuk Gesellschaft in Frankfurt.