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Tecpart-Wirtschaftsdaten 2025 erschienen Technische Kunststoffteile verlieren 500 Millionen Euro Umsatz

Verantwortliche:r Redakteur:in: Matthias Gutbrod 3 min Lesedauer

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Deutschlands Kunststoffbranche stagniert 2025 auf gefährlichem Niveau. Technische Teile brechen deutlich ein, während der Nahost-Konflikt Hoffnungen auf Erholung dämpft und die Energiekosten treibt. Der Mittelstand kämpft mit schwindenden Gewinnen und einem schleichenden Personalabbau.

Ausbleibender Aufschwung: Der Umsatz der deutschen Kunststoffverarbeiter sank 2025 um 0,9 %. Besonders hart trifft es die Hersteller technischer Kunststoffprodukte mit einem Minus von 2,4 %.(Bild:  stock.adobe.com - Igor Tichonow)
Ausbleibender Aufschwung: Der Umsatz der deutschen Kunststoffverarbeiter sank 2025 um 0,9 %. Besonders hart trifft es die Hersteller technischer Kunststoffprodukte mit einem Minus von 2,4 %.
(Bild: stock.adobe.com - Igor Tichonow)

Die Stimmung in der Branche ist sichtlich gedrückt. Als der Verband TecPart Ende März 2026 seine Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 vorstellt, wird deutlich: Die erhoffte kraftvolle Trendwende nach dem Krisenjahr 2024 ist ausgeblieben. Stattdessen bestimmen wirtschaftliche Erosion und geopolitische Brandherde den Alltag der Verarbeiter. Besonders der Blick auf die technischen Bauteile – das technologische Herzstück der deutschen Industrie – offenbart eine Schwächephase, die weit über eine rein konjunkturelle Delle hinausgeht.

Stagnation im Schatten geopolitischer Krisen

Die Kunststoffverarbeitung tritt auf der Stelle. Mit einem Gesamtumsatz von 69 Mrd. EUR verzeichnete der Markt 2025 ein Minus von 0,9 %. Besonders hart trifft es die Hersteller technischer Kunststoffprodukte: Das Segment büßte 2,4 % seines Umsatzes ein – ein Verlust von rund einer halben Milliarde Euro. Doch die rein wirtschaftlichen Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte. Über der Branche braut sich ein „perfekter Sturm“ zusammen, da der aufflammende Nahost-Konflikt die gerade erst begonnene Stabilisierung der Lieferketten und Energiepreise massiv gefährdet.

Umsatzentwicklung in der deutschen Kunststoffverarbeitung 2023–2025 (Betriebe ab 20 Beschäftigte)
(Bild: TecPart)

„Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland erodieren die Produktionsbasis immer weiter“, mahnt Felix Loose, Vorstandsvorsitzender bei TecPart. Er warnt davor, dass ohne wettbewerbsfähige Energiepreise und einen radikalen Bürokratieabbau die industrielle Substanz unwiederbringlich verloren gehe. Die Unsicherheit an den Ölmärkten durch die geopolitischen Spannungen wirkt wie ein Brandbeschleuniger auf die ohnehin hohen Standortkosten in der DACH-Region.

Felix Loose, Vorstandsvorsitzender TecPart: Ohne wettbewerbsfähige Energiepreise und einen spürbaren Bürokratieabbau geht die industrielle Substanz verloren.(Bild:  TecPart)
Felix Loose, Vorstandsvorsitzender TecPart: Ohne wettbewerbsfähige Energiepreise und einen spürbaren Bürokratieabbau geht die industrielle Substanz verloren.
(Bild: TecPart)

Kernmärkte zwischen Resilienz und Rezession

In den Abnehmersektoren zeigt sich ein zerklüftetes Bild. Die Bauindustrie liefert mit einem zarten Plus von 0,5 % zwar ein erstes Lebenszeichen, kann die Verluste in anderen Bereichen aber nicht kompensieren. Im Automobilsektor hat sich der tiefe Pessimismus zwar leicht abgeschwächt, doch die Abrufe der OEMs bleiben volatil und unvorhersehbar.

Besonders dramatisch stellt sich die Situation in der chemischen Industrie dar: Hier ließen verbesserte Aussichten kurzzeitig auf eine Bodenbildung hoffen – bis der Nahost-Konflikt diese Erwartungen jäh beendete. Die Branche fürchtet nun erneut steigende Preise für Primärkunststoffe bei gleichzeitig sinkender Nachfrage.

Die wirtschaftliche Not frisst sich tief in die Betriebsstrukturen. Nur noch 16 % der Unternehmen konnten ihre Gewinne steigern, während die Mehrheit mit schrumpfenden Margen kämpft. In der Folge ist die Zahl der Beschäftigten bereits auf 305.000 gesunken, was einem Rückgang von 2,6 % entspricht. Viele Betriebe sehen sich gezwungen, Kapazitäten abzubauen oder Investitionen in neue Maschinenparks und Peripheriegeräte bis auf Weiteres einzufrieren.

Kreislaufwirtschaft als Herkulesaufgabe

Trotz der widrigen Umstände stemmt sich die Branche gegen den Stillstand beim Umweltschutz. Der Rezyklatverbrauch stieg 2025 minimal um 1,0 % auf 2,4 Mio. Tonnen. Doch für den großen technologischen Sprung, den etwa die kommende Altfahrzeugverordnung (ELV) oder neue REACH-Beschränkungen erfordern, fehlen dem Mittelstand die finanziellen Mittel. Geopolitische Unsicherheiten und hohe Zinsen lassen Investitionen in moderne Werkzeugtechnik und Kreislaufkonzepte oft in weite Ferne rücken.

TecPart-Geschäftsführer Michael Weigelt: Ohne politischen Flankenschutz fehlt den Verarbeitern die Liquidität, um die geforderte Recyclingfähigkeit ihrer Produkte umzusetzen.(Bild:  TecPart)
TecPart-Geschäftsführer Michael Weigelt: Ohne politischen Flankenschutz fehlt den Verarbeitern die Liquidität, um die geforderte Recyclingfähigkeit ihrer Produkte umzusetzen.
(Bild: TecPart)

Michael Weigelt, Geschäftsführer des TecPart, findet deutliche Worte für die notwendige Transformation: „Wenn Europa Kreislaufwirtschaft für Fahrzeuge und Elektrogeräte verbindlich macht, braucht es einen Kurs, der in der Praxis funktioniert: Strompreis runter, Anreize für Rezyklateinsatz hoch, Berichtspflichten kürzen oder vertagen.“ Ohne diesen politischen Flankenschutz fehle den Verarbeitern die Liquidität, um die geforderte Recyclingfähigkeit ihrer Produkte technisch umzusetzen.

Energiekosten trüben Ausblick auf 2026 

Für das laufende Geschäftsjahr 2026 bleibt die Prognose defensiv. Zwar hoffen 35 % der befragten Unternehmen auf steigende Umsätze, doch dem stehen 31 % gegenüber, die mit weiteren Rückgängen rechnen. In der Investitionsplanung zeigt sich das ganze Ausmaß der Verunsicherung: Die Hälfte der Betriebe plant lediglich die Beibehaltung des Status quo oder sogar weitere Kapazitätskürzungen. Nur etwa jeder dritte Verarbeiter wagt es derzeit, Erweiterungsinvestitionen in Erwägung zu ziehen.

Umsatzerwartung für 2026 nach Anzahl der befragten Unternehmen(Bild:  TecPart)
Umsatzerwartung für 2026 nach Anzahl der befragten Unternehmen
(Bild: TecPart)

Die Personalplanung wirkt auf den ersten Blick robust: 62 % der befragten Unternehmen planen, ihre Mitarbeiterzahl im kommenden Jahr stabil zu halten. Dennoch bereitet sich bereits jeder vierte Betrieb auf einen weiteren Stellenabbau vor, sollte die globale Lage nicht zeitnah deeskalieren. Eine echte Erholung wird somit erst für das Jahr 2027 greifbar, sofern die Energiekosten sinken und die geopolitischen Risiken abnehmen.

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