Mit innovativen polymeren Additiven für die Kunststoffverarbeitung richtet Polytives seinen Fokus verstärkt auf den japanischen Markt. Das Unternehmen sieht dort großes Potenzial für technologische Partnerschaften und nachhaltige Anwendungen.
Ein Teil der Delegation, die nach Japan reisen durfte, um sich ein Bild von Land, Industrie und Kultur zu machen. Viktoria Rothleitner, Mitgründerin und CEO bei Polytives, Dritte von links.
(Bild: Polytives)
Manchmal muss man weit reisen, um seinen Zielen näherzukommen. Für Polytives, ein Technologieunternehmen aus Thüringen, das polymere Additive zur Prozessoptimierung entwickelt, war der Schritt nach Japan genau. Mit einem jährlichen Marktvolumen von 9 Mio. t ist Japan zwar kein Volumenmarkt wie China oder Nordamerika, aber als Technologiestandort mit starker Spezialisierung und hoher Technologie-Affinität für das Unternehmen von strategischer Bedeutung und bietet aufgrund seiner Innovationsdichte ein überdurchschnittlich hohes Wertschöpfungspotenzial. Weiterhin entfallen mehr als 45 % der verarbeiteten Kunststoffe in Japan auf technische Anwendungen (Elektronik, Automotive, Maschinenbau). Weltweit liegt dieser Anteil nur bei etwa 25 %.
Die Entscheidung, in den japanischen Markt hineinzuhorchen, war für uns gleichermaßen strategisch wie persönlich. Denn auch wenn die Welt vernetzt ist: Erfolgreiche Zusammenarbeit basiert oft auf direktem Kontakt. Und eine Kultur wie die japanische lässt sich nicht aus der Ferne verstehen – man muss sie erleben.
Daher habe ich im Frühjahr die Gelegenheit genutzt, an einer Delegationsreise teilzunehmen; begleitet von intensiver Vorbereitung. Wir knüpften bereits im Vorfeld Kontakte und bahnten Gespräche an, um die zehn Tage vor Ort in Tokio, Osaka und Kyoto bestmöglich zu nutzen. Ein Highlight war die Teilnahme an der Innovation Leaders Summit (ILS) – ein Format, das gezielt Start-ups mit etablierten Industriepartnern zusammenbringt, inklusive Dolmetschen und straffer Agenda. Allein dafür hat sich die Reise gelohnt.
Japan tickt anders – und das ist gut so
In dieser kurzen, intensiven Zeit gewannen wir tiefgehende Eindrücke. Nicht nur, weil Gespräche mit Firmen wie Sanyo Trading zu belastbaren Partnerschaften führten oder erste Treffen mit Unternehmen wie Mitsubishi stattfanden. Vielmehr zeigte schon die Art und Weise der Gesprächsführung, wie viel wir voneinander lernen können.
Ein Highlight war die Teilnahme an der Innovation Leaders Summit (ILS) – ein Format, das gezielt Start-ups mit etablierten Industriepartnern zusammenbringt, inklusive Dolmetschen und straffer Agenda.
(Bild: Polytives)
Ein Beispiel: Während in Deutschland ein erstes Kennenlernen oft 15 bis 30 Minuten dauert, eher locker verläuft und stark auf die Vorstellung der Personen fokussiert ist, geht es in Japan häufig deutlich strukturierter zu. Es wurden vorab Präsentationen geteilt und Fragen formuliert; eine Stunde Gesprächszeit ist fest eingeplant. Der Austausch ist klar, direkt und faktenbasiert - wer mitreden will, muss inhaltlich liefern. Der Vorteil: Man kommt schnell zum Punkt. Und: Die Rückmeldequote liegt bei gut 90 %. Allein das zeigt den hohen Stellenwert gegenseitiger Wertschätzung.
Was uns besonders beeindruckt hat, war der Mix aus Höflichkeit und Klarheit. Fragen wurden teils sehr fordernd gestellt – aber stets mit Respekt. Kritik, falls notwendig, wurde sachlich geäußert, ohne je an der Form zu rütteln. Die Kommunikation war effizient, zielgerichtet und voller technischer Substanz.
Ein Nachmittag war für ein themenspezifisches „Matchmaking“ angesetzt. Kaum hatte die Uhr die letzte Minute der offiziellen Agenda geschlagen, wurden wir – typisch japanisch höflich, aber bestimmt – aus dem Meeting-Raum geleitet. Was in Deutschland als unhöflich empfunden würde – Gäste so pünktlich zum Gehen zu bitten, insbesondere bei einer Abendveranstaltung und vor allem, wenn Bier & Snacks Teil dessen sind –, ist in Japan Ausdruck von Höflichkeit und Respekt gegenüber der klar kommunizierten Zeit. Eine Lektion, die uns buchstäblich „hinausbegleitete“.
Besonders faszinierend war auch, wie breit viele japanische Unternehmen aufgestellt sind. Oft werden unter einem Firmendach unterschiedlichste Werkstoffe entwickelt und vermarktet – und das in ganz verschiedene Zielmärkte hinein. Die Diversität der Produktportfolios ist dabei teils deutlich ausgeprägter als bei deutschen Unternehmen. So entsteht ein breites Kompetenzspektrum, das innerhalb der Organisation vielfältige Synergien ermöglicht, aber in der Organisation und Strukturierung auch entsprechende Herausforderungen birgt. Zugleich bietet dieser Ansatz viel Raum für technologische Innovation.
Hochtechnologie auf dem Weg zur Nachhaltigkeit
Beim Thema Nachhaltigkeit spürte man: Der Fokus darauf ist vergleichsweise jung – aber umso entschlossener. In Gesprächen wurde deutlich, wie zielgerichtet an nachhaltigen Lösungen gearbeitet wird. Von Kunststoffen mit Eierschalenmehl bis zu neuen Oberflächenformulierungen: Die Ideen sind ausgefeilt, die Umsetzung strukturiert. Hochwertige Materialien mit nachhaltigem Anspruch gelten hier nicht als Widerspruch, sondern als Marktchance.
Stand: 16.12.2025
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Warum wir jetzt ernst machen
Wir bei Polytives sehen in Japan einen strategisch relevanten Markt. Unsere Plattformtechnologie basiert auf erklärungsbedürftigen Additiven, die Kunststoffverarbeitung effizienter, energiesparender und flexibler machen – und genau dafür ist das japanische Geschäftsumfeld wie gemacht: offen für Neues, technisch orientiert, klar in der Kommunikation. Gleichzeitig ist Japan ein wichtiger Produktionsstandort für technische Kunststoffe – eine Schnittstelle von enormer Relevanz für uns.
Japans starke Kunststoffindustrie – geprägt von Premium-Anwendungen, hoher Affinität zu Performance-Additiven und traditionell langfristigen Geschäftsbeziehungen – macht einen Markteintritt schon in unserer jetzigen Unternehmensphase strategisch sinnvoll. Wir starten daher einen klar umrissenen Pilotversuch mit definierten Ressourcen, messbaren Erfolgskriterien und einem belastbaren Vertriebspartner vor Ort. Damit testen wir Skalierung, Supply-Chain-Fit und kulturelle Passung zugleich.
Wir hatten das Glück, vor Ort nicht nur potenzielle Kunden kennenzulernen, sondern auch mit Distributoren ins Gespräch zu kommen, die inzwischen unsere Interessen im Markt vertreten. Mittlerweile laufen mehrere Erstprojekte – mit erfreulich positiven Ergebnissen. Besonders auffällig: Sobald die Technologie verstanden war, lief die Umsetzung reibungslos. Die Bereitschaft zur systematischen Zusammenarbeit war herausragend, genau wie die Professionalität in der Kommunikation.
Was bleibt?
Japan hat uns vieles gezeigt: Wie effizient internationale Zusammenarbeit sein kann, wenn man sie sorgfältig vorbereitet. Wie viel technologische Neugierde dort spürbar ist – gepaart mit Respekt, Klarheit und Detailverliebtheit. Und wie wichtig es ist, sich auf neue Märkte nicht nur mit Produkten, sondern auch mit der richtigen Haltung einzulassen.
Natürlich funktioniert nicht jeder Markt gleich – aber Prozesse lassen sich überall optimieren. Unsere Plattformtechnologie ist dafür gemacht. Dass sie auch in Japan überzeugt, macht uns stolz und demütig zugleich. Denn auch wir haben viel gelernt: über den Umgang mit Technik, mit Menschen und mit Erwartungen. Genau das macht globale Zusammenarbeit so wertvoll.
Viktoria Rothleitner, Mitgründerin und CEO bei Polytives Viktoria entwickelt und produziert mit ihrem jungen Unternehmen Polytives hochwertige Kunststoffadditive. Gemeinsam mit Oliver Eckardt und Prof. Felix Schacher gründete sie im März 2020 das Unternehmen Polytives. Das Unternehmen hat eine revolutionäre Technologie zur Herstellung von maßgeschneiderten Zusatzstoffen entwickelt, die selbst als Polymere fungieren. Diese bahnbrechenden Substanzen sind einzigartig, weil sie die chemischen Eigenschaften von Kunststoffen unverändert lassen.Das Produkt hat bereits Marktreife erlangt und Polytives erschließt nun internationale Vertriebswege.