Wie steht es um den Einsatz von Rezyklaten im Automobilbau?
Dr.-Ing. Michael Bosse, Gruppenleiter Materialentwicklung am SKZ: "In welchen Bauteilen und in welchem Umfang Rezyklate eingesetzt werden können, ist heute oft ein Spiel von „Wasch mich, aber mach mich nicht nass!“. Wenn ein etabliertes Bauteil ab sofort einen bestimmten Anteil Rezyklat enthalten soll, müssen hierfür „Freiheitsgrade“ geschaffen werden. Diese spiegeln sich in erlaubten Toleranzen der „in spec“-Werkstoffkennwerte wider oder erfordern eine Anpassung der Konstruktion (hier helfen vielleicht Extra-Verrippungen an hoch belasteten Stellen). Rezyklateinsatz unterscheidet sich im Zusammenwirken von Material, Prozess und Konstruktion nicht von Neuware. Ein wichtiger Unterschied ist jedoch die Berücksichtigung von Eigenschaftstoleranzen – aber auch diese sind mit den konstruktiven „Abminderungsfaktoren“ bekannt und handhabbar. Wenn im Innenraum Materialien unzulässig sind, weil sie Geruch oder Fogging verursachen, dann gilt das für Rezyklate ebenso wie für Neumaterialien. Ist jedoch ein Material durch die Lieferbedingungen fest vorgegeben oder werden keine Spielräume zugelassen, dann ist auch kein Freiheitsgrad für den Einsatz von Alternativen vorhanden. Hier müssen sich Kunden und Lieferanten auf Augenhöhe begegnen und gemeinsam mit den Forschungseinrichtungen neue Wege bereiten und sichere Lösungen finden." (Bild: SKZ) 1/10 Zurück zum Artikel