Nach weiteren Rückgängen 2024 hofft die kunststoffverarbeitende Industrie auf eine Wende. Der Umsatz sank auf 69,4 Mrd. Euro, die Beschäftigtenzahl auf 313.000. GKV-Präsidentin Dr. Helen Fürst sieht 2025 Chancen für Wachstum – doch nötig sind Entlastungen bei Energiekosten und Bürokratie.
"Die Voraussetzung für einen Aufschwung sind aus Sicht der Unternehmen der Kunststoff verarbeitenden Industrie insbesondere eine Entlastung von hohen Energiekosten und ein konsequenter Bürokratieabbau", sagt GKV-Präsidentin Dr. Helen Fürst.
(Bild: PlastXnow/Stefan Lenz)
Der Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie e.V. (GKV) zog anlässlich seiner Jahres-Wirtschaftspressekonferenz am Aschermittwoch wie bereits im Vorjahr ein durchwachsenes Bild der Wirtschaftslage des Industriezweigs.
Nach Rückgängen im Jahr 2023 setzte sich der Abwärtstrend der Kunststoff verarbeitenden Industrie 2024 fort. Der Umsatz der Branche ging von 72,5 Mrd. Euro auf 69,4 Mrd. Euro zurück. Die Zahl der Beschäftigten verringerte sich von mehr als 319.000 auf nur noch ca. 313.000. Für 2025 sieht GKV-Präsidentin Dr. Helen Fürst die Chance auf ein Ende der Talfahrt. „Unsere Industrie hat das Potential für Wachstum. Der sprichwörtliche Silberstreif am Horizont wird nach zwei für die Kunststoff verarbeitende Industrie herausfordernden Jahren allmählich sichtbar.“, sagte Fürst in Frankfurt am Main. Die Voraussetzung für einen Aufschwung sind aus Sicht der Unternehmen der Kunststoff verarbeitenden Industrie jedoch insbesondere eine Entlastung von hohen Energiekosten und ein konsequenter Bürokratieabbau.
Aus Sicht der Branche gehört eine Senkung der Stromkosten auf einen verlässlichen Produktionsstrompreis für die gesamte Industrie, kein weiterer Anstieg der Lohnnebenkosten und ein Abbau von Bürokratie, insbesondere von Berichtspflichten, ganz nach vorn auf die Agenda der künftigen Bundesregierung.
(Bild: GKV)
Struktureller Druck seit Jahren existent
Die Kunststoffverpackungsindustrie steht seit Jahren unter strukturellem Druck, wie der kontinuierliche Beschäftigungsrückgang zwischen 2019 und 2023 von 96.100 um 4 Prozent auf 92.300 Mitarbeiter zeigt. Dieser Trend begann bereits vor der Corona-Pandemie und beschleunigte sich u.a. durch eine gesunkene Nachfrage und die Energiekostenexplosion. Paradoxerweise stieg der nominelle Umsatz – ein trügerischer Effekt, der auf Preisanpassungen bei Energie und Rohstoffen basiert, während die Produktionsmenge seit 2018 um 15 Prozent auf 3,8 Mio. Tonnen im Jahr 2023 schrumpfte. Damit folgen die Kunststoffverpackungen dem Trend in Deutschland zu insgesamt weniger Verpackungen, der auch Verpackungen aus Papier, Glas oder Metall betrifft. Bei Kunststoffverpackungen tragen auch eine bessere Mehrweg-Nutzung und die weitere Reduktion des Verpackungsgewichts zum Produktionsrückgang bei.
Einzelne Branchen bleiben eine Herausforderung
Das Branchenbild der Kunststoffverpackungsindustrie in Deutschland ist laut IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen aktuell von unterschiedlichen Nachfrageentwicklungen geprägt: Während die Nachfrage nach Verpackungen für Lebensmittel und Pharmaprodukte stabil ist, kämpfen Hersteller von EPS-Verpackungen und Getränkeflaschen mit stark schwankenden Bestellungen. Die Schwäche im Bau- und Möbelsektor sowie der Automobilindustrie bleiben eine Herausforderung. Dabei bleibt das Exportgeschäft ein wichtiger Stabilisator für die Branche: Mit 47 Prozent Auslandsumsatzanteil 2024 gehört die Branche zu den Top-10-Exporteuren des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland. Trotzdem aller Herausforderungen konnte die Branche ihre Innovationskraft durch eine Steigerung des Rezyklateinsatzes um 24 Prozent seit 2021 demonstrieren.
Die weitaus überwiegende Zahl der befragten Betriebe der GKV-Umfrage, verzeichnete 2024 einen Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahr. Bei den Erwartungen für das Jahr 2025 überwiegt mittlerweile die Zuversicht, dass es wieder aufwärts gehen könnte. Immerhin 42 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit steigenden Umsätzen in diesem Jahr.
(Bild: GKV)
Anspruchsvoll, aber alles in allem stabil
Die im pro-K vertretenen Hersteller langlebiger Kunststoffprodukte und Mehrwegsysteme verzeichneten im Mittel Umsatzrückgänge aufgrund gestiegener Rohstoff-, Energie- und Logistikkosten, bei einem gleichzeitig zurückgehenden privaten Konsum. Insgesamt zeigte sich das Jahr 2024 anspruchsvoll, aber alles in allem stabil. Nachholeffekte aus der Corona-Zeit ebbten weiter ab, positiv stellte sich dagegen der Mehrwegtrend dar, der einzelnen Segmenten neue Märkte und Chancen eröffnet. Einige Bereiche verzeichneten allerdings auch starke Nachfragerückgänge, insbesondere in der Bau- und Automobilbranche. Auch für deutsche Konsumgüter-Hersteller ist die Luft in den vergangenen Jahren rauer geworden; ihre Zahl sinkt hierzulande. Immerhin zeigten sich die im pro-K organisierten Firmen mit der im Februar in Frankfurt zu Ende gegangenen Konsumgüter-Leitmesse Ambiente zufrieden und erwarten sich hiervon neue Wachstumsimpulse. Ein anhaltendes Problem für den Standort Deutschland sind die hohen bürokratischen Belastungen der Unternehmen, die als unnötig zeitaufwändig und lähmend eingeschätzt werden. Als relativ neue Herausforderung wird mittlerweile gesehen, dass Produktivitätsentwicklung nicht mit den Lohnsteigerungen Schritt hält. Die bereits seit einiger Zeit schwächelnde Konjunktur in Deutschland wirkt sich negativ auf das Konsumklima aus und sorgt so bei den Unternehmen für einen verhaltenen Ausblick auf das laufende Jahr.
Besorgniserregend ist, dass es vielen Kunststoffverarbeitern 2024 nicht oder lediglich teilweise gelang, die gestiegenen Kosten für Energie sowie für Löhne und Gehälter an die Kunden weiterzugeben.
Dr. Oliver Möllenstädt
Durch Unsicherheit der Märkte geprägt
Im Jahr 2024 war die wirtschaftliche Kraft der Polyurethan- und Schaumkunststoff-Industrie erheblich durch die Unsicherheit der Märkte geprägt und beeinträchtigt, so der FSK Fachverband Schaumkunststoffe und Polyurethane. Darüber hinaus haben fehlgeleitete bzw. fehlgeschlagene politische Entscheidungen und Maßnahmen, die bereits in 2023 eingeleitet wurden, bis in das Jahr 2024 ausgestrahlt und für Spannung gesorgt. Der rückläufige Absatz von Wärmepumpen und der Förderstopp für E-Fahrzeuge dämpften die Umsätze des Industriezweigs. Die Situation hat sich daher für die Branche gegenüber dem Vorjahr nochmals eklatant verschärft. Die Lage war zwischenzeitlich für zahlreiche Unternehmen nicht mehr zu kompensieren und hat in Insolvenzen geendet. Der Consumer-Markt, z.B. der Markt für Polstermöbel, litt in 2024 außerordentlich. Die Kaufkraft ist nochmals gesunken, was die Lage der Industrie in allen Zweigen, aber auch insbesondere in den Bereichen Automotive und E-Mobility sowie die vorgeschalteten Zulieferindustrien massiv beeinflusst hat. Die Bauwirtschaft blieb weiterhin auf niedrigem Niveau. Der Einbruch im Bereich des Eigenheimbaus ist deutlich eingebrochen. Fehlende Förderung und gestiegene Finanzierungskosten im Privatbereich sowie die ausgebliebene Umsetzung des Wohnungsbaus durch die öffentliche Hand haben die Bauwirtschaft massiv belastet und einen entsprechenden Einbruch für die Marktzweige Bauzubehör und Dämmung nach sich gezogen.
Stand: 16.12.2025
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Die Wirtschaftsdaten sind deutliche Warnsignale an die Politik in Deutschland und Europa, dass es ein „Weiter so“ definitiv nicht geben kann.
Dr. Helen Fürst
Abwärtstrend konnte 2024 nicht gestoppt werden
Die Europäische Composites-Industrie kann auch 2024 den Abwärtstrend nicht stoppen. Bereits im dritten Jahr in Folge geht das europäische Produktionsvolumen deutlich zurück, so die Industrievereinigung Verstärkte Kunststoffe (AVK). 2024 sinkt der Markt um 5,6 Prozent, auf ein Gesamtvolumen von 2,4 Millionen Tonnen, wohingegen der Weltmarkt für Composites 2024 eine erneute Zunahme von etwa 4 Prozent auf insgesamt 13,5 Millionen Tonnen verzeichnet. Diese Entwicklung ist nicht zuletzt auch den derzeit ungleichen Wettbewerbsbedingungen, insbesondere im Vergleich zu Asien, geschuldet. Deutschland kann seine starke Position im europäischen Kontext weiterhin behaupten, und bleibt mit einem Anteil von über 19 Prozent am europäischen Gesamtmarkt nach wie vor das Land mit dem höchsten Marktvolumen. Insgesamt ist aber auch hier das Produktionsvolumen zurückgegangen, und zwar um knapp 10 Prozent. Der Anteil Deutschlands in Europa ist um 0,4 Prozent gesunken. In Deutschland decken sich die Rückgänge mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, die hier derzeit schwächer ist als im gesamteuropäischen Durchschnitt - ein weiteres Indiz für die hohe Abhängigkeit der Composites-Industrie von der Gesamtwirtschaft.