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Ehemalige Bayertochter Was von Covestro übrig bleibt

Verantwortliche:r Redakteur:in: Melanie Ehrhardt 3 min Lesedauer

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Covestro steht vor großen Veränderungen. Der neue Mehrheitseigentümer XRG plant den vollständigen Rückzug von der Börse, während CEO Markus Steilemann seinen Abschied ankündigt. Da rücken die aktuellen Zahlen fast in den Hintergrund.

(Bild:  Covestro)
(Bild: Covestro)

Volatile geopolitische Dynamiken, eine anhaltend schwache globale Nachfrage einhergehend mit intensivem Wettbewerbsdruck sowie die Auswirkungen des Brands im Chempark Dormagen haben im vergangenen Jahr die wirtschaftliche Lage von Covestro geprägt. „Insbesondere das erneut gesunkene Preisniveau in allen Regionen sowie Überkapazitäten in zentralen Produktgruppen wirkten sich deutlich auf Margen und Ergebnis aus“, so der Konzern in einer Pressemitteilung. 

Verluste weiten sich aus

Der Umsatz verringerte sich demnach im Geschäftsjahr 2025 um 8,7 Prozent auf 12,9 Milliarden Euro (Vorjahr: 14,2 Mrd. Euro). Maßgeblich für diese Entwicklung waren ein niedrigeres Verkaufspreisniveau in allen Regionen sowie Wechselkurseffekte. Das EBITDA lag mit 740 Mio. Euro (Vorjahr: 1,1 Mrd. Euro) innerhalb der im Oktober 2025 präzisierten Bandbreite von 700 bis 800 Millionen Euro. 

Der Produktionsstillstand in mehreren Betrieben in Folge eines Brands im Chempark Dormagen hat sich dabei im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich negativ auf das Gesamtjahr ausgewirkt. Der Free Operating Cash Flow belief sich auf –283 Millionen Euro (Vorjahr: 89 Mio. Euro) und lag damit ebenfalls im erwarteten Rahmen. Das Konzernergebnis betrug –644 Millionen Euro (Vorjahr: –266 Mio. Euro) und spiegele die anhaltend herausfordernden Marktbedingungen wider. 

Investitionen für neue Chancen

Trotz des anhaltend herausfordernden Umfelds hat Covestro laut eigener Aussage 2025 strategische Akquisitionen getätigt, um sein Portfolio in attraktiven Wachstumsmärkten weiter zu stärken. Mit der im August 2025 abgeschlossenen Übernahme der Pontacol AG erweitert der Konzern sein Foliengeschäft um hochspezialisierte Mehrschicht-Klebefolien, die neue Chancen in Bereichen wie Medizintechnik, Mobilität und Textilindustrie eröffnen.

Darüber hinaus hat Covestro im August 2025 eine Vereinbarung mit Vencorex zur Übernahme von zwei Produktionsstandorten für HDI-Derivate in Rayong (Thailand) und Freeport, Texas (USA), unterzeichnet. Sie solle möglichst im ersten Halbjahr 2026 abgeschlossen werden.

XRG-Übernahme: Ein Deal und seine Folgen

Unabhängig davon läuft das Sparprogramm weiter. Mit Strong will der Kunststoffhersteller bis Ende 2028 weltweit jährlich 400 Millionen Euro bei Sach- und Personalkosten umsetzen. Per Ende 2025 hat das Unternehmen rund 275 Mio. Euro eingespart.

Das Sparprogramm war 2024 einen Tag nach dem finalen Übernahmeangebot von XRG angekündigt worden. Lange war unklar, ob der Deal wirklich zustande kommt. Im Dezember letzen  Jahres hatte die Hängepartie schließlich ein Ende. Der Staatskonzern aus Abu Dhabi darf die ehemalige Bayertochter für fast 12 Milliarden Euro übernehmen.  

Seitdem geht es in Leverkusen Schlag auf Schlag. Der Werkstoffhersteller, der sich inmitten eines Squeeze-out-Verfahrens befindet, plant den Rückzug von der Börse. Währenddessen tritt CEO Markus Steilemann zurück, mehr dazu lesen Sie auf unserem LinkedIn-Kanal.

„Gestern hat Markus Steilemann angekündigt, seinen Vertrag als CEO von Covestro nicht über Mitte Mai 2028 hinaus zu verlängern. Gründe wurden öffentlich nicht genannt. Ebenfalls bis 2028 läuft – laut Handelsblatt – das Moratorium der neuen Eigentümer für Standortschließungen“, kommentiert Christian Schiller (ebenfalls auf LinkedIn). 

Meilenstein oder Ausverkauf?

Ist der Covestro-Deal der Beginn des Ausverkaufs der deutschen Wirtschaft? Auf diese Frage versuchen Wirtschaftsexperten, seitdem die Übernahme in trockenen Tüchern ist, eine Antwort zu finden. 

Die einen sagen: „Der Ausverkauf der deutschen Wirtschaft wird nicht mit Covestro, sondern mit anderen Aktien gemach.“ Sie spielen darauf an, dass bereits heute mehr als die Hälfte der DAX-Aktien in ausländischen Händen ist.

Andere Experten sehen in den aktuellen Entwicklungen durchaus Gründe zur Sorge. Wobei auch bei ihnen der Covestro-Deal mehr Symptom als Erreger ist. 

„Es gibt immer noch Unternehmen, die attraktiv genug sind für ausländische Investoren. Gleichzeitig müssen wir in Deutschland aufpassen, dass nicht der Ausverkauf bevorsteht“, so Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der niederländischen Großbank ING, gegenüber der Tagesschau. Andere Staaten seien protektionistischer unterwegs, wenn es um die unternehmerischen Kronjuwelen des Landes gehe. 

Ausblick 2026

Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet Covestro weiterhin ein anspruchsvolles Marktumfeld. Eine nachhaltige Erholung der globalen Nachfrage sei derzeit nicht absehbar, während das globale Wettbewerbsumfeld weiter durch Überkapazitäten, anhaltenden Preisdruck und eine zunehmende protektionistische Zollpolitik geprägt ist.

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