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Industriestrompreis  Nur ein kleiner Mosaikstein 

Verantwortliche:r Redakteur:in: Melanie Ehrhardt 3 min Lesedauer

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Die deutsche Industrie beklagt Wettbewerbsverzerrungen durch die im internationalen Vergleich hohen Energiepreise. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche kündigt nun Entlastung an. Aber reicht das und profitieren wirklich alle energieintensiven Industrien davon? 

Nächstes Jahr soll die Industrie endlich einen Rabatt auf den Strompreis bekommen.(Bild:   /  Pixabay)
Nächstes Jahr soll die Industrie endlich einen Rabatt auf den Strompreis bekommen.
(Bild: / Pixabay)

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat sich für eine schnelle Einführung eines Industriestrompreises ausgesprochen. Darüber berichtet unter anderem die Tagesschau auf ihrer Homepage. „Ich gehe davon aus, dass wir den Industriestrompreis zum 1.1.2026 einführen werden“, sagte Reiche am Montagmorgen anlässlich einer Industriekonferenz in Berlin. „Wir sind in den letzten Zügen der Verhandlungen.“

Eine Megawattstunde Strom kostete für Industrieunternehmen mit einem jährlichen Verbrauch zwischen 20 und 70 Gigawattstunden (GWh) im Jahr 2024 rund 150 Euro – nach Abzug von Steuern und Abgaben. In Spanien lag der Preis bei 100 Euro, in den USA betrug der durchschnittliche Industriestrompreis sogar nur etwa 67 Euro.

Mit dem Industriestrompreis möchte die Regierung das Problem angehen. Die EU hatte im Juni generell grünes Licht für einen Industriestrompreis gegeben. Laut Reiche sei man nun in den letzten Zügen. Die Kommission muss zustimmen, weil es sich um eine Beihilfe handelt. Reiche sagte bei einer Industriekonferenz mit anderen EU-Ministern, Haushaltsmittel sollten rückwirkend 2027 eingesetzt werden.

Wie genau der Industriestrompreis aussehen soll, ist noch unklar. Der Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft hatte im August vorgerechnet: „Der Industriestrompreis darf – orientiert am Börsenstrompreis – auf bis zu 5 Cent pro Kilowattstunde gesenkt, maximal für die Hälfte des Jahresverbrauchs eines Unternehmens gewährt werden und über drei Jahre laufen.“

VCI: Nötiger Beitrag zur Standortrettung

Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), sagt dazu: „Gut, dass das Wirtschaftsministerium erkannt hat, dass die Hütte brennt und es die Einführung eines Industriestrompreises vorantreibt. Er muss schnell und bürokratiearm helfen. Und die Spielräume, die die EU einräumt, komplett ausschöpfen – ohne typisch deutschen Extraballast wie zusätzliche nationale Anforderungen. Die wirtschaftliche Lage spitzt sich aber so zu, dass das nur ein kleiner Mosaikstein einer Politikwende sein kann.“

Der Industriestrompreis könne keine grundlegende Sanierung des Standorts ersetzen, so der VCI-Hauptgeschäftsführer. Es brauche darüber hinaus viel tiefgreifendere Reformen – etwa bei den Systemkosten der Energiewende, der Bürokratie- und Steuerbelastung.

bvse: Kunststoffrecycler fordern Einbeziehung

Hohe Energiekosten und schwache Nachfrage setzen auch die Kunststoff-Recyclingbranche unter Druck. Die Unternehmen hoffen, dass die Bundesregierung den geplanten Industriestrompreis auch für sie öffnet.

„Unsere Unternehmen sind einem enormen Wettbewerb ausgesetzt. Die hohen Energiepreise verschlechtern unsere Konkurrenzfähigkeit sowohl gegenüber Neuprodukten als auch gegenüber Importen“, erklärt bvse-Vizepräsident Herbert Snell. 

Allerdings ist bislang unklar, ob die Branche tatsächlich in den Kreis der Begünstigten fällt. Entscheidend dafür ist die Einstufung der Betriebe in der Klassifikation der Wirtschaftszweige, die Grundlage für viele Förder- und Entlastungsentscheidungen ist. Nur wenn das Recycling von Kunststoffen als förderfähige, energieintensive Tätigkeit gilt, können Unternehmen der Branche von einem reduzierten Strompreis profitieren.

Debatte auf LinkedIn

Die Ankündigung, dass der Industriestrompreis kommt, kam kurz vor dem Stahlgipfel in Berlin. Gerade für diese Branche sei der Industriestrompreis ein wichtiger Baustein für die Wettbewerbsfähigkeit, so Reiche. Auf LinkedIn startete daraufhin eine Debatte darüber, wer die staatliche Förderung ebenfalls bräuchte.

Hier geht es zur Diskussion.

Der bvse fordert eine klare Empfehlung der Bundesregierung. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle könne – auf Weisung des Bundeswirtschaftsministeriums – entsprechende Entscheidungen im Sinne der Recyclingwirtschaft treffen. „Es wäre ein falsches Signal, wenn ausgerechnet die Branche, die im Zentrum der europäischen Kreislaufwirtschaftsstrategie steht, von der Entlastung beim Industriestrompreis ausgeschlossen bliebe“, warnt Snell.

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