Das Umweltbundesamt meldet für das Jahr 2024 eine Kunststoffrecyclingquote von rund 70 Prozent. Für den bvse sind die Zahlen jedoch kein Beleg für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft, sondern Anlass zu einer dringend notwendigen Einordnung.
Das Umweltbundesamt (UBA) und die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) haben auf ihrer Jahrespressekonferenz am 27. Januar die neuesten Zahlen zum Verpackungsrecycling präsentiert. Demnach wurden im Jahr 2024 erneut rund 5,5 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle aus der Sammlung der dualen Systeme verwertet. Fünf von acht Recyclingquoten wurden erreicht, teilweise auch übererfüllt.
Recyclingquote für Kunststoffverpackungen bei 70 Prozent
UBA und ZSVR widerlegten in der Pressekonferenz mit aktuellen Zahlen und Fakten weitverbreitete Mythen zum Verpackungsrecycling. Eine zentrale Fehlannahme: Deutschland recycelt nur sehr wenige Kunststoffverpackungen.
Fakt sei jedoch: Die Quote für die werkstoffliche Kunststoffverwertung ist seit 2018 von 42 Prozent auf 70 Prozent gestiegen. „Diese Entwicklung freut uns besonders. Das sind fast 30 Prozentpunkte mehr als 2018. Erstmals wurden mehr als 70 Prozent der Kunststoffverpackungen dem werkstofflichen Recycling zugeführt“, sagt Dr. Bettina Rechenberg, Fachbereichsleiterin Kreislaufwirtschaft beim UBA.
(Quelle: ZSVR)
Recyclingquoten: Im Jahr 2024 wurden erneut rund 5,5 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle aus der Sammlung der dualen Systeme verwertet. Fünf von acht Recyclingquoten wurden erreicht, teilweise auch übererfüllt.
* Bei der Quote „Kunststoffe gesamt“ handelt es sich im Gegensatz zu den anderen Quoten um die Verwertungsquote. Das umschließt die werkstoffliche und die energetische Verwertung. „Kunststoffe werkstofflich“ bezieht sich auf werkstoffliche Verwertung
Sortieranlagen trennen Verpackungen gezielt
Ein weiteres Ergebnis: Moderne Sortieranlagen können den Inhalt aus dem Gelben Sack bzw. der Gelben Tonne systematisch sortieren. Nicht recyclingfähige Verpackungen und Fehlwürfe werden überwiegend der energetischen Verwertung zugeführt und in der Verbrennung zur Energieerzeugung genutzt.
„So leistungsfähig Sortier- und Recyclinganlagen auch sind – sie können nicht ausgleichen, was beim Verpackungsdesign versäumt wird. Mit der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) verschärfen sich die Anforderungen an die Recyclingfähigkeit“, kommentiert Gunda Rachut, Vorstand der ZSVR, die Zahlen.
bvse warnt vor falscher Interpretation
Es gibt jedoch auch Kritik an den vorgelegten Zahlen. „Die ausgewiesenen Recyclingquoten wirken auf den ersten Blick eindeutig, sie spiegeln jedoch nicht die tatsächliche Situation der Branche wider“, erklärt beispielsweise Dr. Dirk Textor, Vorsitzender des bvse-Fachverbandes Kunststoffrecycling.
Vielmehr handele es sich Zuführquoten. „Dass Material in eine Anlage gelangt, heißt noch lange nicht, dass daraus ein marktfähiger Sekundärrohstoff entsteht oder dieser auch tatsächlich eingesetzt wird“, so Textor weiter.
Rezyklate liegen auf Halde
Der bvse weißt zudem auf die sich weiterhin verschärfende Lage vieler Kunststoffrecycler. In Deutschland und Europa haben in den vergangenen zwei Jahren zahlreiche Unternehmen aufgegeben oder ihre Kapazitäten erheblich reduziert. Gleichzeitig sind die Lager der verbliebenen Recycler überfüllt.
(Quelle: ZSVR)
Verwertungsmengen 2024: Die Verwertung von LVP-Verpackungen hat im Vergleich zu 2023 um rund 2,1 % zugenommen.
Innerhalb dieser Materialfraktion wurden etwa 4,1 % Kunststoffverpackungen mehr werkstofflich verwertet als im Vorjahr.
Positiv zu bewerten, ist die Zunahme der verwerteten sonstigen Verbundverpackungen um mehr als 9,3 %. Zugleich bestehen weiterhin erhebliche Defizite.
Stand: Dezember 2025
Zehntausende Tonnen hochwertiger Rezyklate warten auf Abnehmer, obwohl formal hohe Recyclingquoten ausgewiesen werden. „Recycling ohne Nachfrage ist kein Kreislauf“, so Textor. „Wenn Rezyklate auf Halde liegen, erzeugen wir Statistik, aber keine Ressourcenschonung.“
Deutlich werde dieses Missverhältnis auch bei flexiblen Polyolefin-Verpackungen. Für den PO-Flex-Strom existieren weiterhin zu wenig belastbare Absatzmärkte. Um ihre gesetzlichen Quoten zu erfüllen, zahlen Sortieranlagen Recyclern höhere Zuzahlungen als die Verbrennung erfordert, damit diese das Material überhaupt abnehmen.
Kein Grund zum Feiern
„Wir verlieren derzeit Anlagen und Know-how, die künftig dringend benötigt werden“, warnt Textor. „Diese Kapazitäten lassen sich bis zum Wirksamwerden der PPWR mit ihren Rezyklateinsatzquoten nicht einfach wieder aufbauen.“ Ohne verlässliche Abnahmen und einen konsequenten Einsatz von Rezyklaten durch Markeninhaber und Handel, drohe die Kunststoffkreislaufwirtschaft weiter auszuhöhlen.
Stand: 16.12.2025
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Der bvse-Fachverband Kunststoffrecycling mahnt daher zu einem realistischen Blick auf die Zahlen. „Wir sollten die Lage nicht schlechter reden, als sie ist – aber bitte auch nicht schöner“, so Textor. Eine steigende Quote allein sei kein Grund zum Feiern. „Die strukturelle Krise des Kunststoffrecyclings ist real und sie ist mit diesen Zahlen nicht gelöst“, fasst es Textor abschließend zusammen.