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Kunststoffrecycling und Kreislaufwirtschaft im Fokus Versorgungslücke bei Rezyklaten bis 2030

Von Stefan Lenz 2 min Lesedauer

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Eine neue Studie im Auftrag der BKV GmbH prognostiziert eine deutliche Unterversorgung mit Post-Consumer-Rezyklaten (PCR) bis zum Jahr 2030 – sowohl in Deutschland als auch europaweit. Plastics Europe fordert angesichts aktueller EU-Beschlüsse zur Altfahrzeugverordnung (ELVR) mehr Tempo bei der regulatorischen Umsetzung, um Recyclingpotenziale schneller zu erschließen.

Vor dem Hintergrund neuer EU-Vorgaben – insbesondere der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) und der Altfahrzeugverordnung (ELVR) – gewinnt der Einsatz von Rezyklaten in industriellen Anwendungen zunehmend an Bedeutung. (Bild:  © Elnur/stock.adobe.com)
Vor dem Hintergrund neuer EU-Vorgaben – insbesondere der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) und der Altfahrzeugverordnung (ELVR) – gewinnt der Einsatz von Rezyklaten in industriellen Anwendungen zunehmend an Bedeutung.
(Bild: © Elnur/stock.adobe.com)

Kunststoffe bleiben zentrale Werkstoffe in Verpackung, Bauwesen, Fahrzeug- und Elektroindustrie. Besonders in den Bereichen Verpackung und Bau hat sich der Einsatz von Rezyklaten bereits etabliert – in anderen Sektoren, wie der Automobilbranche oder Elektro/Elektronik, ist er bislang gering.

Vor dem Hintergrund neuer EU-Vorgaben – insbesondere der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) und der Altfahrzeugverordnung (ELVR) – gewinnt der Einsatz von Rezyklaten in industriellen Anwendungen zunehmend an Bedeutung. Eine im Auftrag der BKV GmbH durchgeführte Studie der Conversio Market & Strategy GmbH analysiert daher die aktuelle Lage sowie Prognosen zur Rezyklatverfügbarkeit bis 2030.

Status Quo und Prognose: Versorgungslücken trotz Recyclingfortschritten

Im Jahr 2022 wurden in der EU-27+3 rund 32,3 Mio. t Kunststoffabfälle gesammelt, von denen etwa 7,7 Mio. t als Post-Consumer-Rezyklate erzeugt wurden. In Deutschland lag der PCR-Ausstoß bei etwa 1,7 Mio. t, wovon über 80 % aus Verpackungsabfällen stammten.

Für das Jahr 2030 ergibt sich laut Studie ein PCR-Gesamtbedarf von 13,1 Mio. Tonnen in der EU-27+3. Im „Business-as-usual“-Szenario entsteht dabei eine Versorgungslücke von 3,5 Mio. Tonnen, selbst im ambitionierteren „Advanced“-Szenario bleibt eine Differenz von 788.000 t. In Deutschland fehlen im ungünstigeren Fall 861.000 t, im günstigeren immer noch rund 310.000 t.

Besonders kritisch: Diese Prognosen berücksichtigen nicht die benötigten Rezyklatqualitäten. In vielen Anwendungen ist eine Substitution von Neuware mit heutigen Rezyklaten nur eingeschränkt möglich – die reale Versorgungslücke dürfte also noch größer sein.

Wir sind überzeugt, dass eine Zielvorgabe von mindestens 25 % recyceltem Kunststoff in Fahrzeugen, unter Einbeziehung aller Recyclingtechnologien und bis zu 5 % biobasierter Materialien, realistisch und erreichbar ist.

Dr. Katharina Schlegel, Direktorin für Kreislaufwirtschaft bei Plastics Europe

Plastics Europe fordert: EU muss Recyclingziele schneller umsetzen

Angesichts dieser Entwicklung begrüßt Plastics Europe zwar die Fortschritte im EU-Rat zur Altfahrzeugverordnung – fordert jedoch eine zügigere Umsetzung der angestrebten Ziele. Dr. Katharina Schlegel, Direktorin für Kreislaufwirtschaft bei Plastics Europe, erklärt: „Wir sind überzeugt, dass eine Zielvorgabe von mindestens 25 % recyceltem Kunststoff in Fahrzeugen, unter Einbeziehung aller Recyclingtechnologien und bis zu 5 % biobasierter Materialien, realistisch und erreichbar ist.“

Die Industrie sei bereit, in neue Kreislauftechnologien zu investieren, brauche dafür aber klare rechtliche Rahmenbedingungen. Dass der Ministerrat eine Umsetzungsfrist von 120 Monaten statt der von der EU-Kommission vorgeschlagenen 72 Monate vorsieht, sei aus Sicht von Plastics Europe ein Rückschritt.

Auch die Integration biobasierter Kunststoffe müsse früher erfolgen. Die aktuell diskutierte Verzögerung von 95 Monaten bis zu deren offizieller Anerkennung im Artikel 55 der ELVR sei zu lang. Der Verband fordert daher, diese Frist deutlich zu verkürzen.

Rezyklatpotenziale aus Haushalts- und Gewerbeabfällen noch ungenutzt

Die Dringlichkeit dieser Forderungen wird auch durch die Conversio-Studie unterstrichen: Allein in Deutschland werden laut Erhebung jährlich rund 2 Mio. t Kunststoffe aus Haushalts- und Gewerbeabfällen ungenutzt verbrannt – eine Menge, die der aktuellen Gesamtrezyklatproduktion entspricht.

Ohne klare politische Impulse und Investitionen in neue Recyclingkapazitäten bleibt die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit bestehen – mit Folgen für Industrie, Umwelt und das Erreichen der Klimaziele.

Die vollständige Studie gibt es hier zum Download.

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