Zwei Welten. Ein Ziel.

Alle Inhalte von plastverarbeiter.de jetzt auf plastxnow.de.

Interview EU-Altfahrzeugverordnung: Welche Chancen und Herausforderungen gibt es?

Von Stefan Lenz 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Im Interview beleuchtet Dr. Christine Bunte die Rolle von Kunststoffen in der Automobilindustrie im Kontext der EU-Altfahrzeugverordnung. Kunststoffe sind essenziell für Leichtbauweise, Sicherheit und Design. Die Verordnung fordert einen erhöhten Einsatz von recycelten Materialien, was sowohl Herausforderungen als auch Chancen für die Branche birgt. Eine klimaneutrale Kreislaufwirtschaft erfordert zudem innovative Recyclingtechnologien, Partnerschaften und regulatorische Anpassungen.

Die EU-Altfahrzeugverordnung sieht vor, dass perspektivisch 25 Prozent des Kunststoffanteils in Neufahrzeugen aus sogenannten Post-Consumer-Rezyklaten stammen.(Bild:  PlasticsEurope)
Die EU-Altfahrzeugverordnung sieht vor, dass perspektivisch 25 Prozent des Kunststoffanteils in Neufahrzeugen aus sogenannten Post-Consumer-Rezyklaten stammen.
(Bild: PlasticsEurope)

PlastXnow: Frau Dr. Bunte, die EU-Altfahrzeugverordnung stellt die Automobilindustrie vor neue Herausforderungen. Welche Rolle spielen Kunststoffe in diesem Kontext?

Dr. Christine Bunte: Kunststoffe sind in der Automobilindustrie unverzichtbar. Sie bieten zahlreiche Vorteile wie geringes Gewicht, hohe Festigkeit und Flexibilität in der Gestaltung. Diese Eigenschaften tragen zur Reduzierung des Fahrzeuggewichts und damit zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs und der CO2-Emissionen bei. Zudem ermöglichen Kunststoffe innovative Lösungen in Bereichen wie Sicherheit, Komfort und Design.

Dr. Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin von PlasticsEurope Deutschland.
(Bild: PlasticsEurope)

PlastXnow: Welche Herausforderungen bringt die neue EU-Altfahrzeugverordnung für die Kunststoffindustrie mit sich?

Bunte: Der vorliegende Entwurf der EU-Altfahrzeugverordnung enthält Rezyklateinsatzziele für Neufahrzeuge.  Der Entwurf sieht vor, dass Fahrzeughersteller perspektivisch einen Mindestanteil an recycelten Kunststoffen in Höhe von 25 Prozent in ihren Produkten verwenden. Das stellt die Branche vor große Herausforderungen, bietet aber auch die Chance, die Kreislaufwirtschaft in der Automobilindustrie maßgeblich voranzutreiben.

PlastXnow: Wie positioniert sich die Kunststoffindustrie zu diesen neuen Anforderungen?

Bunte: Für die Erreichung einer klimaneutralen Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen ist eine sukzessive Defossilisierung der Rohstoffbasis notwendig. Deshalb sieht Plastics Europe die Notwendigkeit, flankierend zum Rezyklateinsatz auch den Einsatz weiterer zirkulärer Rohstoffe, wie Biomasse und CO2 anzureizen. Denn langfristig kann der Bedarf an Kunststoffen auf kreislaufwirtschaftlicher Basis nicht allein durch Rezyklate bedient werden.  Dies kann durch die Nutzung von Rezyklat, Biomasse und CO2 als Kohlenstoffquellen für die Erzeugung von Kunststoffen erreicht werden. Das bedeutet aus Sicht der Kunststofferzeuger konkret: An die Stelle des 25 Prozent-Mindestrezyklateinsatzziels im Entwurf der Altfahrzeugverordnung sollten zwei Zielgrößen treten: Erstens ein Mindestrezyklateinsatzziel in Höhe von 20 Prozent und zweitens eine zusätzliche Fünf-Prozent-Zielquote für den Einsatz von Rezklat, Biomasse und CO2

Für die Erreichung einer klimaneutralen Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen ist eine sukzessive Defossilisierung der Rohstoffbasis notwendig.

PlastXnow: Das ist ambitioniert. Kann dies allein durch Zielquoten erreicht werden?

Bunte: Zur Erfüllung dieser ambitionierten Ziele ist zusätzlich die komplementäre Nutzung aller Recyclingtechnologien erforderlich, das heißt Verfahren des mechanischen, lösemittelbasierten und chemischen Recyclings. Hierfür braucht es geeignete regulatorische Rahmenbedingungen, wie die Anerkennung des chemischen Recyclings zur Erfüllung Rezyklateinsatzquoten und geeignete Massenbilanzansätze.  Ebenso braucht es die Zusammenarbeit der Kreislaufwirtschaftspartner.

PlastXnow: Können Sie ein konkretes Beispiel für eine solche Zusammenarbeit nennen?

Bunte: Ein gutes Beispiel ist die Entwicklung von Recyclingtechnologien, die es ermöglichen, Kunststoffe effizienter und in höherer Qualität zu recyceln. Hier arbeiten Branchenunternehmen mit Fahrzeugherstellern und Recyclingunternehmen zusammen, um innovative Lösungen zu finden.

Bei Plastics Europe ist uns der Dialog auf Augenhöhe mit Politik, Medien und Gesellschaft sowie mit der gesamten Wertschöpfungskette und unseren Partnern aus der Industrie sehr wichtig, um ein gemeinsames Verständnis für die Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft zu finden, und gemeinsam an einem Strang ziehen zu können.

PlastXnow: Welche Chancen sehen Sie für die Zukunft der Kunststoffe in der Automobilindustrie?

Bunte: Die EU-Altfahrzeugverordnung kann als Katalysator für Innovationen und Investitionen in nachhaltige Technologien dienen. Die Automobilindustrie hat die Möglichkeit, durch den verstärkten Einsatz von recycelten Kunststoffen und die Entwicklung neuer Materialien einen wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft zu leisten. Dies erfordert jedoch eine enge Zusammenarbeit zwischen Fahrzeugherstellern, Kunststoffproduzenten und Recyclingunternehmen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung