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Brancheninterview auf dem Weg zur K 2025 “Wir müssen Recycling von Anfang an mitdenken”

Von Dominik Bechlarz 4 min Lesedauer

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Dr. Friedrich Kastner, CEO Britas-Recyclinganlagen, spricht im VDMA-Interview über die Rolle von Kunststoffen, Herausforderungen im Recycling, neue Technologien und die Bedeutung durchdachter Produktentwicklung für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft.

Der VDMA spricht mit der Interviewreihe "Way2K" wieder bekannte Persönlichkeiten aus der Branche an.(Bild: Dalle 3/ OpenAI)
Der VDMA spricht mit der Interviewreihe "Way2K" wieder bekannte Persönlichkeiten aus der Branche an.
(Bild: Dalle 3/ OpenAI)

Brancheninterview auf dem Weg zur K 2025

“Wir müssen Recycling von Anfang an mitdenken”

Herr Dr. Kastner, Welche Rolle spielt der Werkstoff Kunststoff heute?

Dr. Kastner: Kunststoff ist als Werkstoff nicht mehr wegzudenken. Er hat sich in allen Bereichen des Lebens bewährt. Nehmen wir zum Beispiel den Bereich Medizintechnik. Niemand möchte vom Arzt eine Injektion mit einer Mehrfachspritze aus Glas bekommen, weil die Gefahr bestünde, dass sie schlecht sterilisiert wurde. Jeder ist froh, eine Injektion mit einer Einmal-Spritze aus Kunststoff zu bekommen. Kunststoff spielt heute eine herausragende Rolle in den meisten Industrien, gerade auch solchen, die für die Energiewende unverzichtbar sind, zum Beispiel in der Windkraft- und Photovoltaikbranche. Viele denken bei Kunststoff nur an die Plastiktüte oder den Strohhalm. Das ist viel zu kurz gedacht. Kunststoff hat unsere Gesellschaft durchdrungen. Und warum? Weil seine Eigenschaften wie Beständigkeit, Leichtigkeit, Sterilisierbarkeit unübertroffen sind. Kunststoff gehört neben Aluminium und Stahl zu den Werkstoffen, die den Fortschritt in unserer Zivilisation überhaupt erst ermöglichen.

Dann wird es in Zukunft eher mehr Kunststoff geben als weniger?

Dr. Kastner: Ich denke ja, wichtig ist natürlich ein verantwortungsvoller Einsatz von Kunststoff. Das beginnt schon bei der Entwicklung eines Produkts. Bereits an diesem Punkt ist es notwendig, sich Gedanken über den End-of-Life-Cycle zu machen. Von Anfang an muss der später folgende Recyclingprozess mitgedacht werden. Der Trend geht hier zu mehr Sortenreinheit und weniger Mischmaterialien – zu dieser Thematik gibt es viele gute Ansätze in Europa. Wenn man all diese Punkte berücksichtigt, bin ich überzeugt, dass Kunststoff immer breiteren Einsatz findet. Die Alternativen fehlen einfach. Es gibt zwar Bereiche, etwa den Verpackungsbereich, wo der Einsatz von Kunststoffen rückläufig ist, aber im Großen und Ganzen wird der Einsatz von Kunststoff zunehmen.

Interview auf dem Weg zur K 2025 mit Dr. Friedrich Kastner, CEO Britas-Recyclinganlagen.(Bild: Britas-Recyclinganlagen)
Interview auf dem Weg zur K 2025 mit Dr. Friedrich Kastner, CEO Britas-Recyclinganlagen.
(Bild: Britas-Recyclinganlagen)

Welche Entwicklungen gab es zuletzt im Recycling?

Dr. Kastner: Schon auf der K 2016 konnte man sehen, dass aus gesammeltem Altkunststoff Gartenbänke und Blumenkästen produziert werden können. Es ging darum zu zeigen, dass das grundsätzlich funktioniert. Jedoch ist es nicht sinnvoll, aus hochwertigem Material im Ausgangsprodukt ein minderwertiges Recycling-Produkt zu machen. Seither hat sich das mechanische Recycling technologisch weiterentwickelt, wodurch nun ermöglicht wird, dass nach der Rohstoffrückgewinnung wieder ein gleichwertiges Material entsteht. Seit ein paar Jahren nimmt außerdem die Bedeutung des chemischen Recyclings zu. Das Ganze geht immer einher mit der Wettbewerbsfähigkeit dieser Materialien. Die Frage ist, was es kostet, Kunststoff aufzubereiten, zu reinigen, zu filtrieren und welcher Aufwand an Energie sowie Rohstoffen nötig ist. Diese Kosten stehen dann dem Preis für Virginmaterial gegenüber. Wenn Neuware billiger ist, wird der Markt sie kaufen, solange gesetzliche Rahmenbedingungen dies nicht verhindern.

Wie müssten die Rahmenbedingungen denn aussehen?

Dr. Kastner: Es muss sichergestellt werden, dass wir unsere Wettbewerbsfähigkeit nicht verlieren. Wir haben in Europa hohe Produktionskosten und eine erhebliche Überregulierung. Darum sehen wir, dass Produktionen nach Asien abwandern und in Zukunft wahrscheinlich auch vermehrt in die USA. Hier muss gegengesteuert werden. Der Gesetzgeber muss auch Anreize schaffen, damit Konsumenten in größerem Umfang Kunststoffabfall sammeln und mehr wiederverwertet wird. Recycling braucht Energie, die Energiekosten sollten so gesteuert werden, dass die Wiederaufbereitung auch wirtschaftlich sinnvoll ist. Bei den aktuell hohen Energiekosten fällt die Rückführung in den Kreislauf schwer.

Welche neuen Technologien gibt es in der Kunststoffverarbeitung?

Dr. Kastner: Ich glaube, dass viele Technologien entweder schon etabliert sind oder in den Startlöchern stehen. Aktuell wird ein verstärktes Augenmerk daraufgelegt, weniger Material zu brauchen und gleichzeitig eine höhere Integration von Eigenschaften zu erzielen. Bei Verpackungen, zum Beispiel, geht es darum, sie dünner sowie beständiger zu machen und mit mehr Funktionen auszustatten. Bei Maschinentechnologien wiederum zielt alles darauf ab, Gewicht zu reduzieren, um Energiekosten zu sparen und damit effizienter zu werden. Bei BritAS stellen wir fest, dass die recycelten Mengen größer werden. Damit werden auch die Recycling-Anlagen immer größer. Ein weiterer Trend ist die Vorwärtsintegration in den Recycling-Anlagen – anstatt Material nach dem Aufschmelzen zu granulieren und dieses Granulat dann später wieder aufzuschmelzen, um ein recyceltes Produkt daraus zu machen, geht man vermehrt dazu über, die Stufe der Granulierung wegzulassen. Aus dem aufgeschmolzenen Material wird direkt im Anschluss ein Produkt hergestellt, beispielsweise Preforms für PET-Flaschen. Dadurch werden gewaltige Mengen an Energie eingespart, zugleich ergibt sich eine höhere Qualität, da die Zwischenaufbereitungsprozesse ausfallen.

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Britas ist Teil der NGA-Gruppe. In allen Unternehmen der Gruppe geht es um Kunststoff. Wie hängen die Unternehmen zusammen?

Dr. Kastner: In der NGA Gruppe bilden wir den kompletten Lifecycle der Kunststoffindustrie ab. Wir beginnen bei der NGA mit Simulationen und Tests, bei Collin entwickeln und fertigen wir Extrusionsanlagen zur Herstellung von Kunststoffprodukten und Anlagen zur Qualitätskontrolle von Kunststoffen. Comelt fertigt Werkzeuge für Spritzguss und Extrusionsdüsen für Produktionsprozesse. Und schließlich kümmern wir uns bei Britas um das Recycling.