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Verpackungsabfallstatistik Eurostat legt neue Zahlen vor

Von Melanie Ehrhardt 3 min Lesedauer

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Das Recycling von Kunststoffverpackungen kommt in Europa voran. Neue Eurostat-Zahlen für das Jahr 2023 zeigen steigende Trends in vielen Mitgliedstaaten, wenn auch mit unterschiedlichem Tempo. 

Im Jahr 2023 fielen in der EU 79,7 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle an – das entspricht 177,8 kg pro Einwohner.(Bild:  EKM-Mittelsachsen /  Pixabay)
Im Jahr 2023 fielen in der EU 79,7 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle an – das entspricht 177,8 kg pro Einwohner.
(Bild: EKM-Mittelsachsen / Pixabay)

Ob aus Kunststoff, Papier oder Glas – Verpackungen werden in unserer Konsumgesellschaft vielfältig eingesetzt und landen doch oft kurze Zeit später im Müll. Im Jahr 2023 fielen nach Angaben von Eurostat in der Europäischen Union (EU) rund 79,7 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle an. 

Das entspricht einem Rückgang um 8,7 kg pro Kopf im Vergleich zu 2022. Der Großteil (40,4 %) entfiel dabei auf Papier und Pappe, gefolgt von Kunststoffen (19,8 %), Glas (18,8 %) sowie Holz (15,8 %).

In Irland, Italien, Deutschland und Luxemburg fielen mehr als 200 kg Verpackungsabfälle pro Einwohner an. Gleichzeitig haben die meisten dieser Länder auch die größten Mengen an Verpackungsabfällen pro Einwohner in der EU durch Recycling wiederverwendet.

Recycling: Deutschland bleibt in Spitzengruppe

In der Richtlinie über Verpackungsabfälle (PPWR) ist festgelegt, dass bis 2030 mindestens 55 % der Verpackungsabfälle aus Kunststoff (nach Gewicht) recycelt werden sollen. Belgien (59,5 %) und Lettland (59,2 %) waren die einzigen EU-Länder, die dieses Ziel 2023 erreichten. 

Das Bild zeigt die Recyclingquote von Kunststoffverpackungsabfällen in den EU-Ländern aus dem Jahr 2023 (in Prozent).
(Bild: Eurostat)

Recyclingquote von Kunststoffverpackungsabfällen in den EU-Ländern aus dem Jahr 2023 (in %).

Die Slowakei (54,1 %), Tschechien (52,4 %), Deutschland (52,2 %) und Slowenien (51,5 %) schlossen jedoch ebenfalls an. Weitere vier EU-Länder meldeten im Jahr 2023 Recyclingquoten zwischen 45 % und 50 % für Verpackungsabfälle aus Kunststoff.

Auch in Südeuropa bewegt sich etwas: Sowohl Spanien als auch Griechenland konnten ihre Recyclingquoten im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozentpunkte steigern. Im Durchschnitt über alle 27 Mitgliedstaaten verbessert sich die Recyclingquote EU-weit leicht auf 42 Prozent. 

Die niedrigsten Recyclingquoten für Kunststoffverpackungsabfälle verzeichneten Ungarn (23,0 %), Frankreich (25,7 %), Österreich (26,9 %) und Dänemark (27,8 %). Kroatien, Schweden, Finnland und Irland meldeten auch Recyclingquoten für Kunststoffverpackungsabfälle von weniger als 30 % im Jahr 2023. Diese Länder drohen, das EU-Ziel von 50 Prozent für das Recycling von Kunststoffverpackungen im Jahr 2025 klar zu verfehlen. 

IK empfiehlt Ansparphase für Rezyklate

„Die Eurostat-Daten zeigen: Trotz positiver Entwicklungen wird in Europa insgesamt noch zu wenig recycelt. Einige Länder müssen dringend nachziehen und mehr in ihre Abfallinfrastruktur investieren sowie die Deponierung von Kunststoffabfällen beenden“, kommentiert Dr. Isabell Schmidt, Geschäftsführerin der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK).

Das Potenzial für mehr Recycling sei gegeben. Die Recyclingfähigkeit der Verpackungen konnte in den letzten Jahren erheblich verbessert werden, sie liegt laut Angaben der IK in Deutschland bei 80 Prozent. „Die EU-Kommission sollte die neuen Zahlen zum Anlass nehmen, sofortige Anreize für Investitionen in das Recycling zu setzen“, fordert Schmidt.

Die IK schlägt dazu eine „Ansparphase“ für Rezyklate vor. Das Prinzip sei simpel: Unternehmen, die bereits vor 2030 freiwillig Rezyklate in Kunststoffverpackungen einsetzen, bauen ein Guthaben auf, welches sie später auf die verpflichtenden Quoten ab 2030 anrechnen können. Durch die kurzfristige Ankurbelung der Nachfrage lohnen sich mehr Investitionen in das Recycling. 

Belgien: 4 Tragetaschen aus leichtem Kunststoff pro Person

Einen besonderen Fokus legen die aktuellen Eurostat-Zahlen auf den Verbrauch von leichten Kunststofftragetaschen (LPCB). Im Jahr 2023 wurden demnach in der EU 65 LPCS pro Einwohner verbraucht. Das entspricht nur einen leichten Rückgang des Verbrauchs gegenüber dem Vorjahr (67 LPCB je Einwohner). 

Das Bild zeigt die Entwicklung des Verbrauchs von leichten Plastiktragetaschen innerhalb der EU von 2018–2023.
(Bild: Eurostat)

Entwicklung des Verbrauchs von leichten Plastiktragetaschen innerhalb der EU von 2018–2023.

Von der 2015 in der EU-Richtlinie für Plastiktüten festgelegten Zielsetzung, den Verbrauch leichter Kunststofftragetaschen bis Ende 2025 auf höchstens 40 Tüten pro Person und Jahr zu reduzieren, sind die meisten EU-Staaten aber weiterhin ein gutes Stück entfernt. Von den EU-Ländern, für die Daten verfügbar sind, meldeten Litauen (209), Lettland (196) und Tschechien (185) den höchsten Verbrauch an LPCBs pro Person im Jahr 2023, wobei der Großteil des Verbrauchs auf sehr leichte Kunststofftragetaschen (VLPCBs) entfiel. 

Im Gegensatz dazu meldeten Belgien (4 Beutel pro Person), Polen (7), Österreich und Portugal (beide14) den niedrigsten LPCB-Verbrauch. Das Ziel für 2025 konnten außerdem Schweden (22 LPCB), Dänemark (23 LPCB), Luxemburg (25 LPCB), die Niederlande und Deutschland (beide 31 LPCB) ebenfalls erreichen. 

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Kritik an den Zahlen

Es gibt aber kritische Töne bezüglich des neuen Eurostat-Berichts. „Einige der Daten stammen aus dem Jahr 2022. Damit wird die Einführung massiver systemischer Veränderungen, wie z. B. des ehrgeizigen rumänischen Pfandrückgabesystems (DRS) Ende 2023, völlig übersehen“, kommentiert beispielsweise Felix Hawkings, ESG Strategy Consultant bei Safone, auf LinkedIn. In den Daten werde zudem nicht zwischen Kunststoff unterschieden, der wirklich wiederaufbereitet wird, und Kunststoff, der einfach zu Ballen gepresst und exportiert wird.