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Zahlen, Trends & Perspektiven Kunststoffproduktion in Deutschland

Verantwortliche:r Redakteur:in: Melanie Ehrhardt 6 min Lesedauer

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Kunststoffhersteller prägen maßgeblich die Wettbewerbsfähigkeit ganzer Industriezweige. Gleichzeitig stehen die Unternehmen unter massivem Druck. So entwickelt sich die Kunststoffproduktion in Deutschland – aktuelle Zahlen, Trends und Perspektiven. 

Steamcracker im BASF-Werk Ludwigshafen: In ihm entstehen im wesentlichen Ethylen und Propylen, beides unverzichtbare Grundstoffe für die Kunststoffproduktion in Deutschland.(Bild:  BASF)
Steamcracker im BASF-Werk Ludwigshafen: In ihm entstehen im wesentlichen Ethylen und Propylen, beides unverzichtbare Grundstoffe für die Kunststoffproduktion in Deutschland.
(Bild: BASF)

Die Kunststoffproduktion in Deutschland ist weit mehr als ein Teilsegment der chemischen Industrie – sie ist ein industrielles Rückgrat des Standorts. Ob Automobilbau, Maschinen- und Anlagenbau, Medizintechnik, Bauwirtschaft oder Verpackungsindustrie: Kaum eine Schlüsselbranche kommt ohne Hochleistungskunststoffe, technische Compounds oder spezialisierte Kunststoffe aus. 

Damit stehen die Kunststoffhersteller am Anfang zahlreicher Wertschöpfungsketten – und prägen maßgeblich die Wettbewerbsfähigkeit ganzer Industriezweige. Gleichzeitig stehen die Unternehmen unter massivem Transformationsdruck: hohe Energiepreise, verschärfte regulatorische Vorgaben, globale Überkapazitäten und die Notwendigkeit zur Dekarbonisierung verändern das Wettbewerbsumfeld grundlegend.

Produktionszahlen und Marktentwicklung

Die Kunststoffherstellung in Deutschland blickt auf ein durchwachsenes Jahr 2025 zurück. Nachdem im ersten Quartal wieder mehr Kunststoffe hergestellt wurden, sank die Produktion im weiteren Verlauf des Jahres wieder. Insbesondere im zweiten und dritten Quartal waren die schwache Nachfrage und der hohe Wettbewerbsdruck in der Kunststoffproduktion 2025 spürbar. 

Produktionsmenge der deutschen Kunststoffindustrie bis 2024
(Bild: Statista, Quelle: Statistisches Bundesamt)

In den Produktionszahlen sind auch Polymere für Leime, Harze, Lacke, Beschichtungen, Fasern und Ähnliches enthalten. Im Jahr 2024 lag die deutschlandweite Kunststoffproduktion bei rund 16,8 Millionen Tonnen.

Die Kunststoffproduktion in Deutschland ist trotz Produktionsrückgängen noch immer einer der führenden Standorte in Europa, mit Schwerpunkt auf Verpackungen, Bau und Automobil. Produziert werden hauptsächlich Massenkunststoffe wie Polyethylen (PE), Polypropylen (PP) und Polyvinylchlorid (PVC), wobei der Trend zu nachhaltigeren Rohstoffen und Kreislaufwirtschaft (Recycling) wächst.

Produktionsmenge von Kunststoffen in Deutschland nach Kunststoffart in den Jahren 2021 und 2023
(Bild: Statista; Quelle: Conversio)

Im Jahr 2023 wurden in Deutschland unter anderem rund 1,2 Millionen Tonnen PVC hergestellt.

Kunststoffproduktion in Deutschland – Struktur & Akteure 

Wer sind die wichtigsten Akteure?

Die Kunststoffindustrie in Deutschland umfasst sowohl die kunststofferzeugenden als auch die kunststoffverarbeitenden Unternehmen. Kunststoffmaschinenbauer und Recyclingunternehmen sind ebenso Teil dieser Industrie.

Die wirtschaftlichen Interessen der Kunststofferzeuger werden auf europäischer Ebene durch Plastics Europe vertreten. Der deutsche Ableger, Plastics Europe Deutschland e.V., hat seinen Sitz in Frankfurt am Main. Zu den Mitgliedern zählen unter anderem: BASF, Covestro, Dow, Evonik, Ineos, Lanxess, Otto Krahn sowie Röhm und Wacker.

Viele der Unternehmen stellen nicht ausschließlich Kunststoffe her. Die BASF ist in 93 Ländern vertreten und betreibt 234 Produktionsstandorte. Nach Umsatz ist die BASF damit der größte Chemiekonzern weltweit. Die politischen und wirtschaftlichen Interessen der chemischen Industrie in Deutschland werden vom VCI (Verband der Chemischen Industrie e.V.) vertreten. 

Wo sind die wichtigsten Standorte?

Die wichtigsten Standorte für die Kunststoffverarbeiter in Deutschland sind:

  • Nordrhein-Westfalen (NRW): Als größter Standort für die Kunststoffproduktion in Deutschland macht NRW etwa 36,5 % des nationalen Absatzwerts in dieser Branche aus. In der Region befindet sich eine hohe Konzentration an chemischen und kunststoffverarbeitenden Betrieben.
  • Baden-Württemberg: Bekannt für seine starke industrielle Basis, trägt Baden-Württemberg ebenfalls erheblich zur Kunststoffproduktion bei, insbesondere in der Automobil- und Maschinenbauindustrie.
  • Bayern ist ein weiterer bedeutender Standort, insbesondere in den Bereichen technische Kunststoffe und Spezialkunststoffe.
  • Mit seiner Nähe zu Automobilherstellern ist Niedersachsen ein wichtiger Standort für die Kunststoffproduktion, die eng mit der Automobilindustrie verzahnt ist.

Diese Regionen bieten eine gut ausgebaute Infrastruktur, eine hohe Dichte an Unternehmen und Forschungsinstituten sowie eine qualifizierte Arbeitskräfteschicht, die sie zu zentralen Drehkreuzen der Kunststoffproduktion in Deutschland machen.

Wie viele Unternehmen und Beschäftigte gibt es?

Die kunststoffverarbeitende Industrie in Deutschland ist ein bedeutender Wirtschaftszweig mit über 300.000 Beschäftigten in rund 2.900 Betrieben. Wobei die Anzahl der Beschäftigten innerhalb der Kunststoffproduktion im Jahr 2024 rund 56.900 betrug.

Anzahl der Beschäftigten in der Kunststofferzeugung in Deutschland in den Jahren 2006 bis 2024
(Bild: Statista, Quelle: Statistisches Bundesamt)

Im Jahr 2024 wurden etwa 56.900 Personen in der deutschen Kunststofferzeugung beschäftigt.

Herausforderungen: Kunststoffverarbeitung unter Druck

Obwohl die Nachfrage nach Kunststoffen international wächst, wurden in Deutschland 2023 rund 8,5 Prozent weniger Kunststoffe verarbeitet als 2021. Steigende Kosten für Energie und Produktion, häufige Änderungen der politischen Zielvorgaben und steigende Bürokratielasten verhindern häufig die für eine Kreislaufwirtschaft dringend erforderlichen Investitionen in die Modernisierung und den Ausbau von Anlagen in Deutschland.

Hinzu kommt: Die schwächelnde Wirtschaft belastet die Nachfrage sowohl in der Produktion als auch im Konsumbereich, was zu reduzierten Auftragseingängen führt. Zudem sieht sich Deutschland  zunehmend mit Wettbewerbern aus Ländern konfrontiert, die günstigere Produktionsbedingungen bieten.

Neue Wege: Nachhaltigkeit & Transformation

Wie hoch ist der Recyclinganteil?

Trotz oder gerade wegen der zahlreichen Herausforderungen befindet sich die Kunststoffproduktion in Deutschland im Wandel. Insbesondere wird das Kunststoffrecycling in Deutschland immer wichtiger. Der Einsatz von Rezyklaten ist in den letzten Jahren gestiegen, und es gibt verstärkte Anstrengungen, die Recyclingquoten zu erhöhen und geschlossene Kreislaufsysteme zu fördern. 

InfO

Wichtige Kennzahlen aus dem Jahr 2023:

  • Der Einsatz von Rezyklat (aus Post-Consumer- und Post-Industrial-Abfällen) stieg auf über 1,9 Mio. t.

  • Von 5,91 Mio. t gesammelten Kunststoffabfällen wurden 2,24 Mio. t mechanisch recycelt.

  • Die Hauptanwendungsbereiche für Rezyklate finden sich im Bauwesen, Verpackungsbereich und in der Landwirtschaft.

  • Trotz Steigerung des Recyclings wurden ca. 61,1 Prozent der Abfälle energetisch verwertet. 

Quelle: Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland 2023

Welche Rolle spielt chemisches Recycling?

Beim Recycling der Kunststoffabfälle ist in der Regel das mechanische Recycling der bevorzugte Weg. Doch auch das chemische Recycling spielt für die Kunststoffproduktion in Deutschland eine immer wichtigere Rolle. 

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Die Einführung und Skalierung des flächendeckenden chemischen Recyclings erfordern jedoch erhebliche Investitionen. Ein weiterer erheblicher Nachteil ist der extrem hohe Energiebedarf der Verfahren. 

Wie verändern Kreislaufwirtschaft und Dekarbonisierung die Produktion?

Die Nachhaltigkeit der Kunststoffproduktion in Deutschland wird durch mehrere Aspekte beeinflusst. Dazu zählen neben dem Recycling:

  • Kreislaufwirtschaft: Deutschland arbeitet aktiv an der Umsetzung von Konzepten der Kreislaufwirtschaft, um Kunststoffe effizienter zu nutzen und Abfall zu reduzieren. Dadurch wird versucht, Materialkreisläufe zu schließen und den Energieverbrauch zu senken.
  • Energieeffizienz: Die Industrie investiert in energieeffiziente Produktionstechnologien und Prozesse, um den CO2-Fußabdruck zu verringern.
  • Forschung und Innovation: Es gibt zahlreiche Forschungsinitiativen und Kooperationen zwischen Industrie und Wissenschaft, um nachhaltigere Kunststoffmaterialien und -verarbeitungsverfahren zu entwickeln.
  • Gesetzliche Vorgaben: Regulatorische Maßnahmen fördern die Reduzierung von Umweltauswirkungen und setzen Anreize für umweltfreundlichere Praktiken innerhalb der Industrie.

Ausblick: Zukunft & Perspektiven

Wie geht es mit den deutschen Kunststoffherstellern weiter? Wird es – wie befürchtet – zur großen Abwanderung kommen? Oder kann sich Deutschland als Industriestandort für die Branche zurückkämpfen? Diese Fragen lassen sich derzeit bisher nicht abschätzen.

Fest steht jedoch: Die Entwicklung wird von mehreren Trends und Herausforderungen geprägt werden. Dazu gehören:

  • Steigende Recyclingquoten: Es wird erwartet, dass die Recyclingquoten für Kunststoffe in Europa und Deutschland auf bis zu 65 Prozent ansteigen. Dies wird unterstützt durch den verstärkten Einsatz chemischer Recyclingverfahren.
  • Rezyklat-Bedarf: Es wird mit einer Rezyklat-Lücke von bis zu 30 Prozent gerechnet, da der Bedarf an recycelten Kunststoffen höher ist als das Angebot. Die Nachfrage wird besonders von gesetzlichen Vorgaben für die Verpackungsbranche und die Automobilindustrie angetrieben.
  • Zirkuläre Wirtschaft: Der Anteil zirkulärer Rohstoffe in der Produktion soll bis 2030 auf 25 Prozent steigen, mit dem Ziel, CO₂-Emissionen um 28 Prozent zu verringern.
  • Investitionen und Infrastruktur: Um diese Ziele zu erreichen, plant die Industrie erhebliche Investitionen in neue Recyclingtechnologien und die Verbesserung der Abfallinfrastruktur.
  • Biokunststoffe:  Der Markt für bio-basierte Polymere wie PP, PEF und PHA wird signifikant wachsen. Innovationen in diesem Bereich sollen den nachhaltigen Wandel der Industrie unterstützen.
  • Nachhaltigkeitsanforderungen: Die europäische Kunststoffstrategie fordert recycelbare Verpackungen und Einwegverbote, was die Design- und Produktionsstandards beeinflussen wird.

Zusammenfassend wird die deutsche Kunststoffindustrie bis 2030 verstärkt auf Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft setzen müssen, um den steigenden Recyclinganforderungen und Umweltnormen gerecht zu werden. Ein wichtiger Hebel wird auch die Digitalisierung sein. Der Einsatz von IoT, künstlicher Intelligenz und Automatisierung optimiert Produktionsprozesse, erhöht die Effizienz und verbessert die Qualitätskontrolle.

Quellen

Dieser Text verwendet Informationen und Materialien von Statista, Plastics Europe Deutschland, VCI und Conversio.

Transparenz: Der Beitrag entstand auch mithilfe von KI.