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„So geht das nicht!“ BASF verlagert Arbeitsplätze von Berlin nach Indien

Verantwortliche:r Redakteur:in: Melanie Ehrhardt 3 min Lesedauer

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BASF will Arbeitsplätze in Berlin ab- und in Indien aufbauen. Die Chemie-Gewerkschaft ist empört. „Die Karawane zieht weiter, hinterlässt Enttäuschung und beendet gute Karrieren“, so IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis.

(Bild:  BASF)
(Bild: BASF)

Die BASF will ihren Standort in Berlin verkleinern und Stellen von dort an einen neu geplanten globalen Hub in Indien verlagern. Die Initiative sei Teil einer umfassenderen Transformation, die darauf abzielt, das Serviceportfolio zu schärfen, Standardisierung und Automatisierung weiter voranzutreiben und verstärkt kosteneffiziente Standorte zu nutzen, teilte das Unternehmen mit.

„Mit diesem Schritt planen wir, den Bereich Global Business Services systematisch weiterzuentwickeln, um unsere Unternehmensstrategie mit möglichst wettbewerbsfähigen Servicestrukturen zu unterstützen“, so Dr. Dirk Elvermann, Finanzvorstand und Chief Digital Officer der BASF SE. Die Bündelung von Services in globalen Hub-Strukturen solle ein zentraler Baustein für eine verlässliche interne Serviceerbringung sein und zugleich unsere langfristige Kostenwettbewerbsfähigkeit sichern.

IGBCE kündigt Gegenmaßnahmen an

Die Chemie-Gewerkschaft IGBCE kritisiert die angekündigte Verlagerung scharf und kündigt Gegenmaßnahmen an. „Mit diesem beschäftigungspolitischen Schlag führt BASF ein tarifliches Vorzeigeprojekt zu einem Ende, mit dem wir Tausende gute Arbeitsplätze in der Bundeshauptstadt geschaffen haben“, sagte der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis, der auch Aufsichtsratsmitglied der BASF SE ist.

Angesichts dieser Verlagerungspläne des Konzerns sieht die Gewerkschaft keine Perspektiven für eine Weiterführung des unternehmensbezogenen Verbandstarifvertrags für die BASF Services Europe. „Die Karawane zieht weiter, hinterlässt Enttäuschung und beendet gute Karrieren“, so Vassiliadis. „Das ist die Währung dieser Maßnahmen. So geht das nicht!“

„Das ist verantwortungslos“

IGBCE und Chemie-Arbeitgeber hatten 2005 mit einem speziellen Tarifvertrag möglich gemacht, dass die BASF ihre konzerninternen Dienstleistungen wie Finanzen, Personal oder IT-Aufgaben in Berlin konzentrierte, statt sie wie ursprünglich geplant in die Slowakei auszulagern. Dazu wurden beispielsweise spürbar niedrigere Gehälter und längere Arbeitszeiten vereinbart als im Flächentarifvertrag der Chemieindustrie gelten.

„Die Beschäftigten haben nicht über Jahre ihren Beitrag zur Weiterentwicklung des Standorts geleistet, nur um jetzt abserviert zu werden“, ergänzte die Leiterin des IGBCE Landesbezirks Nordost, Stephanie Albrecht-Suliak. „Das ist verantwortungslos und trifft auf unseren entschiedenen Widerstand.“ 

Die Kolleginnen und Kollegen am Prenzlauer Berg seien fassungslos, berichtete die Betriebsratsvorsitzende Judith Nolten-Bertucco. „Sie haben zahlreiche bedeutende Projekte für die BASF umgesetzt und damit wettbewerbsfähige Services für den Konzern erbracht, die wesentlich zur Kostensenkung beigetragen haben.“

Weitere Arbeitsplätze bundesweit betroffen

Neben dem Berliner Service Hub sind auch weitere Hunderte Arbeitsplätze der BASF Digital Solutions an mehreren Standorten bundesweit von der Verlagerungswelle betroffen. „Es kann nicht sein, dass der Konzern am Heimatstandort Scheibchen für Scheibchen Arbeitsplätze abschneidet, während in Asien Milliarden investiert werden“, kritisierte Albrecht-Suliak. Das treffe nicht nur die Beschäftigten hart, es schade auch der Resilienz der BASF in Europa.

BASF-Verbundstandort in Zhanjiang in Südchina (Symbolbild)
(Bild: BASF)

Anfang Januar nahm der Chemiekonzern am neu errichteten Verbundstandort in Zhanjiang (Bild) in Südchina den Steamcracker termingerecht in Betrieb. Es ist der erste Cracker weltweit, der zum Betrieb seiner Hauptkompressoren Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen verwendet.

Zhanjiang wird der weltweit drittgrößte Verbundstandort der BASF nach Ludwigshafen und Antwerpen sein. Dessen Produkte versorgen überwiegend Kunden im chinesischen Markt, dem laut Aussage des deutschen Chemiekonzerns größten und am schnellsten wachsenden Chemiemarkt der Welt.

Quelle: PlastXnow kompakt – KW 2

Der Konzern selbst sieht das anders. „Unser Bereich Global Business Services zeichnet sich seit jeher durch einen starken Unternehmergeist aus. Wir finden pragmatische Lösungen, reagieren schnell und unterstützen die BASF mit einem ausgeprägten Serviceverständnis“, so Tobias Dratt, President Global Business Services.

Gerade deshalb sei eine frühe und transparente Kommunikation wichtig. „Das Projekt eröffnet uns die Chance, eine agilere, noch zielgerichtetere Organisation zu etablieren, die auch weiterhin Wert für die BASF-Geschäfte schafft“, erklärt Dratt abschließend.

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