Endlich im industriellen Maßstab: Traceless hat in Hamburg seine erste industrielle Produktionsanlage eröffnet. Darin werden pflanzliche Reststoffe zu einem Naturpolymer verarbeitet, das erdölbasierte Kunststoffe in ausgewählten Anwendungen ersetzen soll.
Von links: Traceless Gründerin und CEO Dr. Anne Lamp; Hamburgs Senatorin für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft; Carsten Schneider, Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit
(Bild: Jonas Walter)
Traceless hat vergangene Woche in Hamburg-Harburg seine erste Großproduktionsanlage eingeweiht. In der Anlage werden pflanzliche Reststoffe der Agrarindustrie zu einer neuen Art von Biokunststoffen verarbeitet. Mit der Eröffnung der Demonstrationsanlage erreicht das Unternehmen einen wichtigen Meilenstein bei der Skalierung seiner Materialtechnologie.
„Mit dieser Anlage geht unsere Mission in eine neue Phase. Wir betreten hier buchstäblich Neuland: Wir schaffen die weltweit ersten industriellen Produktionskapazitäten für thermoplastische Naturpolymere, die direkt als Plastikersatz genutzt werden können“, so Gründerin und Geschäftsführerin Dr.-Ing. Anne Lamp.
Auch Carsten Schneider, Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, war bei der feierlichen Eröffnung anwesend. „Solche Ideen brauchen wir für erfolgreichen Klima- und Umweltschutz: Ein innovatives Biomaterial, das ohne Erdöl auskommt, aus pflanzlichen Reststoffen besteht und vollständig biologisch abbaubar ist, löst gleich mehrere Probleme“, so der Minister. Die Industrieanlage sei eine von vielen Erfolgsgeschichten made in Germany, die mit Umwelttechnologien für Innovation und neue Wirtschaftskraft sorgen.
(Bild: Jonas Walter)
Eröffnungszeremonie vor der Traceless Produktionsanlage mit dem Inbetriebnahme-Team und Gästen: Dr. Boris Ewenstein, Jakob Röskamp, Katharina Fegebank, Dr. Anne Lamp, Carsten Schneider, Sina Spingler, Dr. Michael Otto, Marko Schuster, Jonna Clasen (v.l.n.r.)
Naturpolyemere – eine neue Art von Material
Naturpolymere – etwa Cellulose, Lignin, Stärke oder Proteine – sind langkettige Moleküle natürlichen Ursprungs und bilden die Basis für bekannte Produkte wie Papier und Baumwolle. Dank wegweisender Technologien entsteht aktuell eine neue Materialgeneration, die das Einsatzspektrum von Naturpolymeren deutlich erweitert.
Die patentierte Technologie von Traceless setzt auf ein spezielles Extraktionsverfahren. Dieses nutzt Naturpolymere aus pflanzlichen Reststoffen, ohne deren natürliche chemische Struktur zu verändern. Die daraus resultierenden Granulate sind biobasiert, heimkompostierbar und per Definition kein „Plastik“.
Die thermoplastischen Eigenschaften des Materials ermöglichen eine Weiterverarbeitung mit industriellen Standardtechnologien. So kann das Material Kunststoffe da ersetzen, wo technisches Recycling schwierig ist oder Produkte leicht in die Umwelt gelangen - wie in Einwegprodukten, Verpackungen, Papierbeschichtungen oder Klebstoffen.
Der Produktionsprozess basiert auf nachwachsenden Rohstoffen, ist ressourceneffizient und ermöglicht lokale Lieferketten. Im Vergleich zu herkömmlichen Kunststoffen werden in Herstellung und Entsorgung 91 Prozent CO2-Emissionen gespart*.
8. InternationaleR BIOPOLYMER Kongress
(Bild: PlastXnow/Polykum)
Der internationale Kongress zur Zukunft der Kunststoffwirtschaft findet am 15. und 16. Juni 2026 in der Georg-Friedrich-Händel-Halle in Halle (Saale) statt und gilt als führende Plattform für biobasierte und bioabbaubare Kunststoffe. Die Veranstaltung bringt Entscheidungsträger, Fachanwender und Experten aus Industrie und Forschung zusammen, um aktuelle Entwicklungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu diskutieren. Teilnehmende profitieren von einem internationalen Networking mit Akteuren aus über 40 Ländern sowie Fachvorträgen führender Branchenexperten, die zeigen, wie nachhaltige Werkstoffe und Technologien heute bereits erfolgreich eingesetzt werden – nicht als Zukunftsvision, sondern als reale Lösungen für industrielle Anwendungen. Darüber hinaus bietet der Kongress einen erstklassigen Wissens- und Erfahrungsaustausch und eine begleitende Exkursion, bei der die Verarbeitung, Herstellung und Anwendung von Biopolymeren direkt vor Ort erlebbar wird.
Auf rund 4.000 Quadratemeter vereint der neue Hauptsitz am Standort Hamburg-Harburg Produktion, Vertrieb, Produkt- und Technologieentwicklung sowie Logistik und Verwaltung. Mit der Kapazität von rund 3.000 Tonnen Traceless-Material pro Jahr werden zukünftig namhafte Pionierkunden bedient, beispielsweise der Papier- und Verpackungshersteller Mondi, der Versandhändler Otto sowie der Distributionspartner Biesterfeld.
Alle zentralen Bereiche der Anlage sind bereits erfolgreich in Betrieb genommen worden, die Produktion wird in den kommenden Monaten schrittweise hochgefahren. Die Anlagentechnik wurde vom Team, das aktuell rund 110 Mitarbeitende umfasst, intern entwickelt. Auch die Pilotanlage des Unternehmens, die seit 2022 in Buchholz in der Nordheide betrieben wird, soll an den Standort umgezogen werden.
Das Investitionsvolumen für die Anlage beträgt mehr als 20 Millionen Euro. Das Vorhaben wurde mit Mitteln in Höhe von 5.128.401 Euro aus dem Umweltinnovationsprogramm des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert. Um seine Produktionskapazitäten in Zukunft weiter auszubauen, plant Traceless bereits den Bau einer größeren Industrieanlage.
Stand: 16.12.2025
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