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BIOPOLYMER Kongress 2026  Darum kommen Biokunststoffe nur langsam in den Markt 

Das Gespräch führte Melanie Ehrhardt 4 min Lesedauer

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Trotz Klimavorteil gewinnen Biokunststoffe nur langsam Marktanteile. Hohe Kosten und unreife Verfahre bremsen den breiten Einsatz. Um das zu ändern, nimmt Dr. Aliaksandra Shuliakevich von Plastics Europe Deutschland im Interview aber auch den Gesetzgeber in die Pflicht. 

Dr. Aliaksandra Shuliakevich, Leiterin Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft bei Plastics Europe Deutschland (PED)(Bild:  PED)
Dr. Aliaksandra Shuliakevich, Leiterin Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft bei Plastics Europe Deutschland (PED)
(Bild: PED)

Mit der EU-Bioökonomiestrategie 2025 positioniert die Europäische Kommission biobasierte Kunststoffe als industriepolitischen Hebel für Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und strategische Autonomie. Ziel ist nicht allein eine „grünere“ Materialbasis, sondern ein systemischer Umbau: Europa soll Abhängigkeiten von fossilen Rohstoffen und Importen reduzieren, Wertschöpfungsketten im Binnenmarkt stärken und Innovationen schneller in den industriellen Maßstab überführen.

Aber wo stehen Biokunststoffe heute tatsächlich im Markt? Wo werden ihre Möglichkeiten unterschätzt – aber auch überschätzt? Darüber sprach PlastXnow mit Dr. Aliaksandra Shuliakevich, Leiterin Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft bei Plastics Europe Deutschland, am Rande des diesjährigen BIOPOLYMER Kongresses in Halle (Saale).

PlastXnow: Sie analysieren in ihrem Vortrag die aktuelle Marktsituation von Biopolymeren. Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Entwicklung, die die Branche derzeit prägt?

Dr. Aliaksandra Shuliakevich: Im Moment sehen wir in der Produktion von biobasierten Kunststoffen einen positiven Trend – sowohl global als auch in Europa. Aber wir sehen auch unterschiedliche regionale Entwicklungen. China dominiert im Moment. Die Volksrepublik produziert knapp 45 Prozent der weltweiten Biokunststoffe. Europa liegt mit knapp 15 Prozent auf Platz zwei, was gut ist. 

Was heißt das in Zahlen?

Wir sprechen hier von insgesamt rund 300 Kilotonnen. Wenn wir das auf die Gesamtheit von Kunststoffen in Europa beziehen, ist das natürlich nicht viel. Das ist immer noch ein Nischenmarkt und beträgt circa 2 Prozent. 

Wo stehen Biopolymere heute tatsächlich im Markt – und wo werden ihre Möglichkeiten vielleicht überschätzt?

Das ist schwierig zu sagen. Insbesondere, weil ich ein Fan biobasierter Lösungen bin. 

Dann anders formuliert: Wo unterschätzt man sie?

Das ist bei der Rolle als nicht fossiler Kohlenstoff. Dabei wissen wir, um Klimaneutralität zu erreichen und die Abhängigkeit fossiler Rohstoffe zu reduzieren, brauchen wir auch Biokunststoffe. Im Moment fokussiert man sich dabei vor allem auf das Recycling. Das ist richtig und wichtig.

Aber?

Der Bedarf an Kunststoffen ist deutlich höher. Angesichts der aktuellen Regularien, die auch einen Mindesteinsatz von Rezyklaten fordern, werden wir diesen Bedarf nur mithilfe des Recyclings nicht stemmen. Und hier könnten biobasierte Lösungen tatsächlich eine sehr große Rolle einnehmen.

Welche Faktoren werden in den kommenden Jahren darüber entscheiden, ob Biopolymere stärker in den Massenmarkt vordringen können?

Wahrscheinlich Quoten. Natürlich ist das für die Industrie erst einmal herausfordernd. Es müssen neue Märkte erschlossen und neue Verträge abgeschlossen werden. Zudem wird sie an manchen Stellen umdenken müssen. Aber Quoten schaffen auch Klarheit. Und diese Klarheit bekommen wir jetzt zunehmend für Europa, unter anderem im Verpackungsbereich, im Automobilbereich sowie perspektivisch auch im Elektronikbereich. 

Könnten Sie das etwas ausformulieren?

Aktuell haben wir nur eine Einsatzquote für Rezyklate. Aber es gibt auch Überlegungen, eine biobasierte Quote einzuführen. Diese kann zusätzlich oder äquivalent sein. Dass wir darüber nachdenken, ist schon mal ein guter Anfang. Und es passt auch sehr gut in die europäische Bioökonomiestrategie. Sie verfolgt ebenfalls das Ziel, dass mehr biobasierte Lösungen in die Breite kommen. 

Geht es denn wirklich nur mit Druck?

Nein! Wir brauchen darüber hinaus viel mehr Förderung und viel mehr Investitionen. Es braucht Hilfsangebote für die Skalierung entsprechender Anwendungen.

Wenn Sie mit einem internationalen Blick auf die Branche schauen: Wo sehen Sie aktuell die größten Chancen für Europa im Bereich Biopolymere?

Europa ist tatsächlich sehr innovativ. Allerdings ist die Regulatorik nicht an innovativen Lösungen abgepasst; sie erkennt deren Nutzen nicht an. Das führt dazu, dass wir zwar viele Pilotanlagen haben, aber es kaum eine neue Technologie in die Skalierung schafft. Und ohne industrielle Anlagen wird es schwierig, den breiten Markt zu bedienen. Diese Lücke sollte die Europäische Kommission schließen. 

Aus einer Idee wird ein Produkt. Aus einem Produkt wird ein Geschäft. 

Genau! Wichtig ist für mich, wir sprechen über biogenen Kohlenstoff, da gibt es natürlich sehr viele Quellen. Manche davon sind bereits gut erschlossen, zum Beispiel Primärbiomasse, alte Öle oder auch Restbiomasse. Aber es gibt noch unerschlossene Quellen.

Zum Beispiel?

Biokunststoffe aus Algen, die unter direkter Nutzung industrieller Emissionen hergestellt werden. Statt CO₂ in die Atmosphäre abzugeben, fungieren sie als Kohlenstoffsenke. Das ist eine Win-Win-Situation, aber solche Lösungen, sie finden eben noch keinen breiten Einsatz. Das ist schade. Ich hoffe, die Gesetzgebung zieht hier bald nach.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Melanie Ehrhardt (links) und Dr. Aliaksandra Shuliakevich (rechts) im Gespräch auf dem Biopolymer Kongress 2026
(Bild: PXN)

Dr. Aliaksandra Shuliakevich im Videointerview

Über die aktuelle Marktsituation Biopolymere sprach Dr. Aliaksandra Shuliakevich auch auf dem BIOPOLYMER Kongress 2026, der am 15. und 16. Juni in Halle (an der Saale) stattfand. Melanie Ehrhardt, leitende Online-Redakteurin, traf sie nach ihrem Vortrag zum Interview. Ein Video davon finden Sie auf unserem LinkedIn-Kanal.

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