Ob in der Landwirtschaft oder auf dem Sportplatz: Nachhaltige Materialinnovationen eröffnen neue Perspektiven. Der Biopolymer Innovation Award 2026 würdigte Entwicklungen, die Funktionalität mit Umweltverträglichkeit verbinden und neue Maßstäbe setze – auch beim Preis.
Auf dem Siegertreppchen ganz oben: Tecnaro belegte mit seinem mirkoplastikfreien Kunstrasen den ersten Platz beim Biopolymer Innovation Award 2026.
(Bild: PXN/me)
Der BIOPOLYMER Kongress zählt zu den führenden internationalen Veranstaltungen für biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe. Am 15. und 16. Juni 2026 trafen sich in der Georg-Friedrich-Händel-Halle in Halle (Saale) Entscheidungsträger, Fachanwender, Wissenschaftler und Entwickler aus mehr als 40 Ländern, um aktuelle Entwicklungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette nachhaltiger Kunststoffe zu diskutieren.
Ein besonderer Höhepunkt des ersten Kongresstages war die Verleihung des Biopolymer Innovation Award 2026. Der bereits zum siebten Mal ausgelobte Preis zeichnet wegweisende Produkte, Anwendungen und Technologien aus dem Bereich biobasierter und biologisch abbaubarer Kunststoffe (Biokunststoffe) aus. Der Award soll die Verbreitung nachhaltiger Kunststofflösungen fördern und den branchenübergreifenden Austausch zwischen Entwicklern, Herstellern, Verarbeitern und Anwendern stärken.
Die Gewinner wurden vor einem internationalen Fachpublikum vorgestellt und erhielten die Möglichkeit, ihre Innovationen im Rahmen des Kongresses zu präsentieren. Dieser Pitch floss in Jurybewertung ein. Bis dahin war offen, welche drei der fünf Finalisten auf dem Treppchen stehen.
Platz 3: Kompostierbare Netze als Alternative zu fossilen Kunststoffen (Plastrans)
Den dritten Platz belegte in diesem Jahr die österreichische Plastrans Technologies GmbH. Das Unternehmen wurde für sein Produkt „Bio-Net“ – eine vollständig kompostierbare Netzlösung für Verpackungs- und Agraranwendungen – ausgezeichnet.
Entwickelt wurde die Innovation gemeinsam mit dem US-Unternehmen BiologiQ und der deutschen Mesh Pack GmbH. Grundlage bildet eine thermoplastische Stärke-Technologie, die erstmals die Herstellung extrem feiner Netzstrukturen mit Filamentstärken von nur vier Mikrometern ermöglicht. Die Netze erreichen dabei vergleichbare Festigkeiten und Verarbeitungseigenschaften wie konventionelle fossile Kunststoffnetze.
Besonders interessant ist die Möglichkeit, die Produkte nach Gebrauch gemeinsam mit organischen Abfällen zu kompostieren. Darüber hinaus könnten die Netze beispielsweise bei der Verpackung von Bäumen herkömmliche Kunststofflösungen ersetzen und so Mikroplastikeinträge in die Umwelt vermeiden.
(Bild: PXN/sl)
Von links: Dr. Rudi Eswein (Director of Sustainability) und Dr. Günther Gratz (Co-Managing Director) waren für Plastrans in Halle vor Ort.
Platz 2: Biologisch abbaubare Kunststoffe aus industriellen Reststoffen (Snow Polymers)
Das israelische Unternehmen Snow Polymers verfolgt das Ziel, biologisch abbaubare Kunststoffe zu Kosten herzustellen, die mit konventionellen erdölbasierten Materialien konkurrieren können. Dafür entwickelt das Unternehmen die neuen Polymerfamilien TPSx und TPC und belegte damit den zweiten Platz beim Biopolymer Innovation Award 2026.
Als Rohstoffbasis dienen industrielle organische Reststoffe aus der Lebensmittel- und Kartonagenproduktion. Mittels eines proprietären reaktiven Extrusionsverfahrens werden diese Nebenströme in thermoplastisch verarbeitbare Werkstoffe umgewandelt.
Die Materialien können auf bestehenden Kunststoffverarbeitungsanlagen verarbeitet werden und erfordern keine zusätzlichen Investitionen in neue Produktionsinfrastruktur. Demonstriert wird die Technologie aktuell anhand einer vollständig biologisch abbaubaren Mulchfolie für die Landwirtschaft.
(Bild: PXN/sl)
Alex Braun als Vertreter von Snow Polymers freute sich sichtlich über die Platzierung.
Einen ausführlichen Artikel über den Ansatz von Snow Polymers lesen Sie hier.
Platz 1: Mikroplastikfreier Kunstrasen aus Biopolymeren (Tecnaro)
Der große Gewinner beim Biopolymer Innovation Award 2026 kam aus Ilsfeld angereist. Mit „NaKura“ hat die Tecnaro GmbH den ersten mikroplastikfreien Kunstrasensportplatz auf Basis biobasierter Materialien entwickelt. Kern der Innovation ist der Werkstoff Arboblend aus dem sowohl die Kunstrasenfasern als auch das Infill hergestellt werden.
Kern der Innovation ist der Werkstoff Arboblend aus dem sowohl die Kunstrasenfasern als auch das Infill hergestellt werden. Das pflanzenbasierte Infill ist biologisch abbaubar und ersetzt vollständig konventionelles Kunststoffgranulat, das bislang als wesentliche Quelle von Mikroplastikemissionen gilt.
Stand: 16.12.2025
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Ergänzt wird das Konzept durch langlebige biobasierte Kunstrasenfasern mit hoher UV- und Witterungsbeständigkeit. Eine Elastikschicht aus sortenreinen Kunststoffrezyklaten rundet den kreislauforientierten Ansatz ab.
(Bild: PXN/sl)
So sehen Sieger aus: Dirk Schawaller (l.) und Michael Häberle von der Firma Tecnaro.
Info
Im Finale des Biopolymer Innovation Award 2026 standen außerdem:
IBEC Barcelona: Das spanische Institut für Bioengineering of Catalonia (IBEC) verfolgt einen völlig neuen Ansatz für biobasierte Materialien. Die Forscher entwickelten ein Chitosan-Nickel-Material, das bei Kontakt mit Wasser nicht an Festigkeit verliert, sondern mechanisch sogar stärker wird.
Synthomer: Die Synthomer Deutschland GmbH aus Marl wurde für einen technischen Ansatz zur Verbesserung von Stärke-PLA-Blends nominiert. Im Mittelpunkt steht die Integration des natürlichen Harzes Foral AX-E in biobasierte Kunststoffformulierungen.
Save the Date
Der nächste Biopolymer Kongress findet am 14. Und 15. Juni 2027 in Halle (Saale) statt.
Weitere Informationen dazu sowie zur Bewerbungsphase für den Biopolymer Innovation Award 2027 finden Sie hier.