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BIOPOLYMER – Processing & Moulding 2026 BIOPOLYMER-Kongress 2026: Internationale Plattform für nachhaltige Kunststoffe mit starkem Praxisbezug

Von Stefan Lenz 6 min Lesedauer

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Mit rund 100 Teilnehmern vor Ort in Halle (Saale) und weiteren 70 internationalen Teilnehmern im Livestream hat sich der internationale Kongress „BIOPOLYMER – Processing & Moulding“ erneut als wichtiger Treffpunkt für die Biopolymer-Branche erwiesen. Im Mittelpunkt standen neue Materialien, Verarbeitungsverfahren und nachhaltige Anwendungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Ein Höhepunkt war die Verleihung des BIOPOLYMER Innovation Award.

Dr. Aliaksandra Shuliakevich von Plastics Europe Deutschland gab einen Überblick über die aktuelle Marktsituation von Biopolymeren, die Rolle biogenen Kohlenstoffs sowie den Übergang von fossilen zu biobasierten Rohstoffen. Zudem beleuchteten sie globale Produktionskapazitäten und die regulatorischen Rahmenbedingungen für biobasierte Polymere.(Bild:  PlastXnow)
Dr. Aliaksandra Shuliakevich von Plastics Europe Deutschland gab einen Überblick über die aktuelle Marktsituation von Biopolymeren, die Rolle biogenen Kohlenstoffs sowie den Übergang von fossilen zu biobasierten Rohstoffen. Zudem beleuchteten sie globale Produktionskapazitäten und die regulatorischen Rahmenbedingungen für biobasierte Polymere.
(Bild: PlastXnow)

Der internationale Kongress „BIOPOLYMER – Processing & Moulding“ hat auch 2026 seine Bedeutung als Plattform für den fachlichen Austausch über biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe unterstrichen. Rund 100 Teilnehmer kamen nach Halle (Saale), weitere 70 Fachleute aus aller Welt verfolgten die Veranstaltung per Livestream. Gemeinsam organisiert von PlastXnow / PLASTVERARBEITER und der Fördergemeinschaft für Polymerentwicklung und Kunststofftechnik in Mitteldeutschland (POLYKUM e. V.), bringt die Veranstaltung seit Jahren Experten aus Industrie, Forschung und Anwendung zusammen.

Das Vortragsprogramm spannte dabei den Bogen über die gesamte Wertschöpfungskette. Im Fokus standen aktuelle Entwicklungen bei biobasierten und biologisch abbaubaren Kunststoffen, neue Additive, innovative Verarbeitungs- und Formgebungsverfahren sowie Anwendungen, Recyclingkonzepte und Fragen der biologischen Abbaubarkeit. Damit richtete sich der Kongress gezielt an Kunststoffverarbeiter, Materialhersteller, Anwender, Forschungseinrichtungen und Produktentwickler.

Praxisbezug und Networking prägen die Veranstaltung

Besonders geschätzt wurde von den Teilnehmern erneut der hohe Praxisbezug der Vorträge. Zahlreiche Referenten zeigten anhand konkreter Beispiele, wie sich Biopolymere bereits heute erfolgreich in industriellen Anwendungen einsetzen lassen. Die Beiträge machten deutlich, dass nachhaltige Kunststoffe längst den Schritt aus Forschung und Entwicklung in die Praxis geschafft haben und in immer mehr Branchen Einzug halten.

Neben dem Fachprogramm bot der Kongress vielfältige Möglichkeiten zum persönlichen Austausch. Teilnehmer aus unterschiedlichen Ländern und Disziplinen nutzten die Veranstaltung, um bestehende Kontakte zu vertiefen und neue Kooperationen anzustoßen. Gerade dieser internationale Dialog macht den besonderen Charakter des BIOPOLYMER-Kongresses aus. In den vergangenen Jahren haben Teilnehmer aus mehr als 40 Ländern die Veranstaltung zu einem der wichtigsten Branchentreffen im Bereich der Biopolymere gemacht.

Österreich setzte programmatischen Schwerpunkt

Mit Österreich als offiziellem Partnerland erhielt der Kongress 2026 einen klaren geografischen und thematischen Fokus. Insbesondere Niederösterreich hat sich in den vergangenen Jahren als dynamischer Standort für biobasierte Materialien und deren industrielle Anwendung profiliert.

Für die diesjährige Ausgabe des BIOPOLYMER-Kongresses konnten die Organisatoren ihre internationale Ausrichtung weiter stärken. Erstmals wurde eine umfassende Kooperation mit österreichischen Partnern realisiert – darunter Ecoplus - Wirtschaftsagentur Niederösterreich, die Deutsche Handelskammer in Österreich sowie die Technische Universität Wien.
(Bild: PlastXnow)

Vertreten wurde das Partnerland durch Andreas Eder von Ecoplus, der das Biopolymer-Team Österreich leitet. Ziel ist es, Innovationsansätze aus Forschung und Industrie sichtbar zu machen und den Wissenstransfer im D-A-CH-Raum weiter zu intensivieren.

Entsprechend brachten sich österreichische Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit Fachvorträgen und Best-Practice-Beispielen aktiv in das Programm ein und setzten damit inhaltliche Akzente.

BIOPOLYMER Innovation Award würdigt herausragende Entwicklungen

Ein Höhepunkt des ersten Kongresstages war die Verleihung des BIOPOLYMER Innovation Award. Die Auszeichnung prämiert seit mehreren Jahren innovative Entwicklungen im Bereich biobasierter und biologisch abbaubarer Kunststoffe sowie neue Technologien für deren Herstellung, Verarbeitung und Verwertung. Im Rahmen eines gemeinsamen Networking-Dinners erhielten die Teilnehmer die Gelegenheit, die prämierten Lösungen kennenzulernen und sich mit den Innovatoren auszutauschen.

Den ersten Platz beim BIOPOLYMER innovation Award sicherte sich die Tecnaro GmbH aus Ilsfeld mit dem Projekt „NaKura“. Stellvertretend für das Unternehmen nahmen Michael Häberle (rechts), Leiter Anwendungstechnik und Dr. rer. nat. Dirk Schawaller (2. v. rechts), Project Manager, den Preis entgegen.
(Bild: PlastXnow)

Den ersten Platz sicherte sich die Tecnaro GmbH aus Ilsfeld mit dem Projekt „NaKura“. Das Unternehmen hat einen mikroplastikfreien Kunstrasensportplatz auf Basis biobasierter Materialien entwickelt. Herzstück der Lösung ist der Werkstoff Arbo Blend, aus dem sowohl die Kunstrasenfasern als auch das Infill hergestellt werden. Das biologisch abbaubare Infill ersetzt konventionelle Kunststoffgranulate und trägt dazu bei, Mikroplastikeinträge in die Umwelt zu vermeiden. Ergänzt wird das Konzept durch langlebige biobasierte Fasern und eine Elastikschicht aus sortenreinen Kunststoffrezyklaten.

Platz 2 sicherte sich das Unternehmen Snow Polymers aus Israel. Alex Braun (rechts) als Vertreter des Unternehmens freute sich sichtlich über die Platzierung.
(Bild: PlastXnow)

Der zweite Platz ging an das israelische Unternehmen Snow Polymers Ltd. Die Entwickler verfolgen das Ziel, biologisch abbaubare Kunststoffe zu Kosten herzustellen, die mit konventionellen erdölbasierten Werkstoffen konkurrieren können. Grundlage der Polymerfamilien TPSx und TPC sind industrielle organische Reststoffe aus der Lebensmittel- und Kartonagenproduktion. Mithilfe eines proprietären reaktiven Extrusionsverfahrens werden diese Nebenströme in thermoplastisch verarbeitbare Materialien umgewandelt, die sich auf bestehenden Kunststoffverarbeitungsanlagen ohne zusätzliche Investitionen einsetzen lassen. Als Anwendungsbeispiel präsentierte das Unternehmen eine vollständig biologisch abbaubare Mulchfolie für die Landwirtschaft.

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Über den dritten Platz freute sich die österreichische Plastrans Technologies GmbH mit ihrer Lösung „Bio-Net“. Thomas Hartung (rechts), Geschäftsführer von Mesh Pack, Dr. Günther Gratzl (2. V. rechts), Geschäftsführer bei Plastrans Technologies GmbH und Dr. Rudi Eswein, (3. v. rechts), Director of Sustainability, nahmen den Preis entgegen.
(Bild: PlastXnow)

Den dritten Platz belegte die österreichische Plastrans Technologies GmbH mit „Bio-Net“, einer vollständig kompostierbaren Netzlösung für Verpackungs- und Agraranwendungen. Gemeinsam mit BiologiQ (USA) und der Mesh Pack GmbH (Deutschland) entwickelte das Unternehmen eine thermoplastische Stärke-Technologie, die die Herstellung extrem feiner Netzstrukturen mit Filamentstärken von nur vier Mikrometern ermöglicht. Die Netze weisen vergleichbare Eigenschaften wie konventionelle fossile Kunststoffnetze auf und können nach Gebrauch gemeinsam mit organischen Abfällen kompostiert werden. Darüber hinaus bieten sie Potenzial, beispielsweise bei der Verpackung von Bäumen herkömmliche Kunststofflösungen zu ersetzen und so Mikroplastikeinträge zu vermeiden.

Bereits vor der Preisverleihung präsentierten die Finalisten ihre Entwicklungen dem internationalen Fachpublikum. Damit unterstrich die Veranstaltung einmal mehr ihren Anspruch, Innovationen sichtbar zu machen und den Austausch zwischen Forschung, Materialentwicklung, Verarbeitung und Anwendung zu fördern. Die erstmalige Verleihung des Awards am Vorabend des eigentlichen Kongressbeginns wurde von den Teilnehmern sehr positiv aufgenommen.

Wissenschaft trifft auf Praxis

Am zweiten Tag des Biopolymer Kongresses verwandelte sich die Georg-Friedrich-Händel-Halle in einen internationalen Austausch für eine biopolymere Kunststoffwelt. Experten aus Wissenschaft und Industrie diskutierten über den Übergang von fossilen zu biogenen Kohlenstoffquellen.

Den Auftakt machten zwei hochkarätige Keynotes. Prof. Dr. Michael Sander (ETH Zürich) präsentierte einen ganzheitlichen Blick auf den biologischen Abbau von Polymeren und schlug die Brücke von molekularer Grundlagenforschung zur praktischen Relevanz in natürlichen und technischen Umgebungen. Dr. Aliaksandra Shuliakevich (Plastics Europe Deutschland) analysierte daraufhin die aktuelle Marktsituation und betonte die zentrale Rolle biogenen Kohlenstoffs bei der Skalierung globaler Produktionskapazitäten für Biopolymere.

Im zweiten Block präsentierte das Partnerland Österreich Innovationen aus den Alpen Österreich. Simon Riepler und Andreas Weinberger (IFG Asota) beleuchteten die anspruchsvolle Substitution fossiler Stapelfasern durch biobasierte Alternativen. Ergänzend dazu stellte Dr. Rudi Eswein (Plastrans) industriell skalierbare, kompostierbare Netzlösungen vor, die persistentes Mikroplastik in der Landwirtschaft vermeiden. Ivana Burzic (Wood K plus) demonstrierte mit PHA-basierten Kompositen für Pflanztöpfe, wie nachhaltige Begrünungskonzepte im modernen Urban Design Fuß fassen.

Im Bereich neuer Biopolymere zeigte Dr. Gerd Unkelbach (UPM), wie die Bioraffinerie in Leuna holzbasierte Monomere und Füllstoffe für die Compoundierung nutzbar macht. Dr. Sakshi Gumber beeindruckte mit der Entwicklung antimikrobieller Nanokomposite für Verpackungen, welche die Haltbarkeit verderblicher Waren aktiv verlängern.

Den glanzvollen Schlusspunkt des Kongresses setzte Prof. Dr. Ramani Narayan (Michigan State University). Der weltweit renommierte Experte referierte über maßgeschneiderte biologische Abbaubarkeit für den Agrar- und Verpackungssektor. Er präzisierte, dass Abbaubarkeit kein bloßes Attribut, sondern ein präzise auf die End-of-Life-Umgebung (Boden, Kompost oder Marine) abgestimmter Prozess sein muss, um einen echten ökologischen Mehrwert zu stiften.

Mit Narayans Keynote endete der Kongress mit einem transatlantischen Impuls. Die USA stehen bereits als neues Partnerland für den Biopolymer Kongress 2027 fest. 

Brücke zwischen Forschung und industrieller Praxis

Ein zentrales Anliegen des Kongresses ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse und industrielle Anwendungen zusammenzuführen. Entsprechend standen nicht nur neue Materialien und Technologien im Mittelpunkt, sondern auch deren wirtschaftlich tragfähige Umsetzung in der Praxis. Die Diskussionen zeigten, dass Themen wie Kreislaufwirtschaft, Recyclingfähigkeit, biobasierte Rohstoffe und nachhaltige Produktentwicklung weiterhin zu den wichtigsten Innovationstreibern der Branche gehören. Gleichzeitig steigt der Bedarf an belastbaren Praxisbeispielen und wirtschaftlich tragfähigen Lösungen kontinuierlich.

BIOPOLYMER-Kongress 2027 bereits terminiert

Nach dem erfolgreichen Kongress richtet sich der Blick bereits auf die nächste Veranstaltung. Der 9. Internationale BIOPOLYMER-Kongress findet am 14. und 15. Juni 2027 statt. Dann werden erneut internationale Experten, Unternehmen und Forschungseinrichtungen erwartet, um über aktuelle Entwicklungen, neue Materialien und innovative Anwendungen im Bereich der Biopolymere zu diskutieren. Damit bleibt die Veranstaltung eine wichtige Plattform für den Wissenstransfer und die Weiterentwicklung nachhaltiger Kunststoffe. Das Partnerland 2027 wird, wie schon erwähnt, die USA, mit ihrem Trägerverband Society of Plastics Engineers (SPE), sein.

Die Anmeldung für kommendes Jahr ist bereits mit einem „Super Early Bird-Tarif“ möglich. Mehr dazu finden Sie hier.