Asiens Kunststoffindustrie steht vor einem strategischen Wandel, der durch den Beginn des 15. chinesischen Fünfjahresplans geprägt ist. Während europäische Maschinenbauer auf „Local-to-Local“-Strategien setzen, forcieren verschärfte Recyclingvorgaben und Chinas „AI+“-Initiative den Übergang zu einer intelligenten und zirkulären Produktion.
Über 4.900 Aussteller auf rund 390.000 m² Ausstellungsfläche: Die Chinaplas 2026 findet dieses Jahr vom 21. bis 24. April im National Exhibition and Convention Center (NECC) in Shanghai statt.
(Bild: NECC)
Die Fachmesse Chinaplas 2026, die vom 21. bis 24. April im National Exhibition and Convention Center (NECC) in Shanghai stattfindet, fungiert als zentrales Schaufenster für die industrielle Transformation Asiens. Mit über 4.900 Ausstellern auf rund 390.000 m² steht die Veranstaltung unter dem Leitmotiv „Transformation, Collaboration, Sustainability“. Sie markiert den Aufbruch in Chinas 15. Fünfjahresplan, der strategische Cluster in den Bereichen neue Energien, nachhaltige Materialien sowie die Implementierung von künstlicher Intelligenz in der Fertigung priorisiert.
Für Kunststoffverarbeiter bedeutet diese politische Agenda eine verstärkte Integration digitaler Lösungen, den Einsatz nachhaltiger Materialien und hocheffizienter Maschinen. Die Messe fungiert dabei als „Living Laboratory“ für die praktische Umsetzung der neuen industriepolitischen Ziele Chinas.
Ein prägender Trend im asiatischen Markt ist die „Local-to-Local“-Strategie führender Maschinenbauer und Materialhersteller. Dahinter steht die lokale Produktion. Das Ziel ist die Verknüpfung globaler Technologieplattformen mit lokaler Produktion für den lokalen Markt, mit Expertise direkt in den Zielmärkten. Unternehmen wie Arburg, Wittmann, Engel oder Hennecke produzieren mittlerweile Schlüsseltechnologien vor Ort, um Lieferketten zu verkürzen und regionale Anforderungen schneller umzusetzen.
Kevin Wang, Geschäftsführer von Wittmann im chinesischen Werk Kunshan: „Wir können lokale Anforderungen noch schneller und zielgerichteter umsetzen.“
(Bild: Wittmann)
„Die Chinaplas ist die wichtigste Plattform, um asiatischen Kunden unsere Local-to-Local-Strategie zu präsentieren“, erläutert Zhao Tong, Geschäftsführer der Arburg-Organisationen in China. Kevin Wang, Geschäftsführer von Wittmann in Kunshan, betont: „Wir können lokale Anforderungen damit noch schneller und zielgerichteter umsetzen.“ Auch Hennecke folgt diesem Pfad. Das Unternehmen bietet Maschinen für die PUR-Verarbeitung mit weltweit identischen Leistungsdaten an, passt die technische Ausführung aber gezielt an regionale Standards an.
Vorteile der Local-to-Local Strategie
Die „Local-to-Local“-Strategie bietet Kunststoffverarbeitern vor Ort eine Reihe von strategischen und operativen Vorteilen. Im Kern geht es darum, globale Technologieplattformen mit lokaler Produktion und Expertise zu verknüpfen.
Ein entscheidender Faktor sind deutlich verkürzte Lieferketten und Lieferzeiten. Durch die Produktion direkt in den Zielmärkten – wie etwa im Arburg-Werk in Pinghu oder im Wittmann-Werk in Kunshan – können Maschinen und Peripheriegeräte schneller bereitgestellt werden. Dies ermöglicht Verarbeitern eine höhere Flexibilität bei der Planung ihrer Produktionskapazitäten und eine schnellere Reaktion auf Marktveränderungen.
Arburg setzt auf der Chinaplas ein Ausrufezeichen mit der Asien-Premiere des Allrounder Trend. „Die Chinaplas ist die wichtigste Plattform, um asiatischen Kunden unsere Local-to-Local-Strategie zu präsentieren“, erläutert Zhao Tong, Geschäftsführer der Arburg-Organisationen in China.
(Arburg)
Durch die lokale Fertigung und den Einsatz von lokal verfügbaren Qualitätskomponenten, die den regionalen Standards entsprechen, können Hersteller attraktivere Preise anbieten. Dies senkt die Investitionshürden für Verarbeiter, ohne dass dabei Kompromisse bei der Produktqualität eingegangen werden müssen. Zudem entfallen oder reduzieren sich komplexe Logistikkosten und Importzölle. Trotz lokaler Umsetzung basieren die Lösungen auf der Technologieplattform und dem Know-how der Mutterkonzerne.
Arburg rückt auf der Chinaplas 2026 seine „Local-to-Local“-Strategie sogar in den Mittelpunkt. Ein zentraler Pfeiler des Angebots ist die Arburg Technology Factory (ATF) in Pinghu. Dort werden nicht nur Allrounder mit Automation von lokalen Partnern komplettiert, sondern seit Neuestem auch die Maschinen der Serie Allrounder Trend direkt für den asiatischen Markt montiert.
Zukunftsmarkt „Low-Altitude Economy“
Ein zukünftiges Wachstumsfeld in China ist die Low-Altitude Economy, die Drohnen und elektrische vertikal startende Flugzeuge (eVTOLs) umfasst. Die Zivilluftfahrtbehörde Chinas prognostiziert für diesen Markt bis zum Jahr 2035 ein Volumen von ca. 438 Mio. Euro. Da für diese Fluggeräte Leichtbau, Sicherheit und Reichweite entscheidend sind, braucht es Kunststoffe und Hochleistungs-Verbundwerkstoffe.
Ein völlig neues Wachstumsfeld in China ist die Low-Altitude Economy, die Drohnen und elektrische Lufttaxis umfasst. Covestro und GAC arbeiten zusammen, Lufttaxis in den Alltag zu bringen.
(Bild: GAC)
In tragenden Strukturen kommen Kohlenstofffaser- und Glasfaserverbundwerkstoffe zum Einsatz. Thermoplastische Composites auf Basis von modifiziertem Polyamid (PA) und Polyetheretherketon (PEEK) werden verstärkt für Verbindungsbauteile nachgefragt. Für den Brandschutz und das Batteriemanagement sind Spezialkunststoffe wie Polyphenylensulfid (PPS) essenziell.
Stand: 16.12.2025
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Im Bereich der Verarbeitung verkürzen Technologien wie Fiberform von Krauss Maffei die Fertigungszeit komplexer Strukturen. Fiberform kombiniert das Thermoformen von Organoblechen mit dem Spritzgießen: „Diese Methode reduziert die Fertigungszeit auf etwa zwei Minuten bei gleichbleibender struktureller Festigkeit und Sicherheit“, erklärte ein Sprecher von Krauss Maffei. Zuvor erforderten metallische Rippenstrukturen über 100 Stunden Bearbeitungszeit.
Nachhaltigkeit in Verpackung und Bauwesen
Der 15. Fünfjahresplan Chinas fordert die umfassende Umsetzung einer „grünen Transformation“. Damit steht auch der chinesische Verpackungssektor vor einer neuen Phase der Nachhaltigkeit. Monomaterial-Designs, insbesondere aus PE und PP, entwickeln sich zum Standard, um die Recyclingfähigkeit zu erhöhen. Dies führt zu massiven Investitionen in mechanische und chemische Recyclingkapazitäten sowie in Hochleistungssortieranlagen und PCR-Kunststoffe, die in ihren Eigenschaften Neuware nahekommen.
So präsentiert Coperion auf der Chinaplas 2026 gemeinsam mit Herbold Meckesheim umfassende Lösungen für das Kunststoff-Recycling, wobei ein besonderer Fokus auf einem neuen System für das PET-Recycling liegt.
Der Verpackungssektor in China steht in einer neuen Phase der Nachhaltigkeit. Mit neuen Recycling-Lösungen von Coperion lassen sich hochwertige PET Recompounds zu einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis herstellen.
(Coperion)
Auch im Bausektor gewinnen Rezyklate an Boden. Getrieben durch nationale Nachhaltigkeitsziele werden PCR-Kunststoffe verstärkt in Außenverkleidungen, Fassaden und der städtischen Infrastruktur eingesetzt. Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffe (WPC) erleben aufgrund ihrer Langlebigkeit und geringen Wartungskosten einen Nachfrageschub.
Wachstumsmärkte Vietnam und Indonesien
Die Wachstumsmärkte Vietnam und Indonesien haben sich zu zentralen strategischen Partnern und Absatzmärkten für die chinesische Kunststoffindustrie entwickelt. Während Vietnam als der am schnellsten wachsende Plastics-Hub Südostasiens gilt, positioniert sich Indonesien als größte Volkswirtschaft innerhalb der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN).
Die Chinaplas dient als strategische Drehscheibe für den ASEAN-Markt. 4.900 globale Aussteller nutzen die Plattform, um neue Lösungen für die schnell expandierenden Industrien in Südostasien zu präsentieren. Damit fungiert die Chinaplas 2026 weniger als reine Verkaufsshow, sondern vielmehr als „Living Laboratory“ für die industrielle Transformation der gesamten ASEAN-Region unter chinesischer Federführung.
Vietnam entwickelt sich zum am schnellsten wachsenden Kunststoffmarkt Südostasiens. Die Produktion stieg 2025 auf 11,84 Mio. Tonnen und soll bis 2030 mit einer jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 8,44 % auf über 17 Mio. Tonnen anwachsen. Massive ausländische Direktinvestitionen von Konzernen wie Samsung, LG und Microsoft treiben die Nachfrage nach technischen Kunststoffen.
Auch im Verpackungssektor entwickelt sich das Land sehr dynamisch. Tetra Pak hat sein Werk in Binh Duong erweitert, um die Kapazität für Lebensmittelverpackungen 12 auf 30 Milliarden Einheiten zu steigern. SCG Packaging (SCGP) hat durch die vollständige Übernahme von Duy Tan Plastics seine Präsenz im ASEAN-Markt massiv ausgebaut. „Vietnam ist unser wichtigster strategischer Markt nach Thailand, und diese Übernahme zielt darauf ab, unsere Präsenz bei Konsumgüterverpackungen in der ASEAN-Region zu vertiefen“, erklärte ein Vertreter von SCGP.
Ein weiterer Schwerpunkt in Vietnam liegt auf dem Ausbau der Recyclingkapazitäten, getrieben durch Gesetze zur erweiterten Herstellerverantwortung (EPR). Chemetall (BASF) liefert hierfür innovative PET-Waschlösungen für eine Recyclinganlage in Vung Tau.
Auch Indonesien, die größte Volkswirtschaft Südostasiens, verzeichnet ein stabiles Wachstum des Kunststoffmarktes von jährlich ca. 6 %. Bis 2033 soll der Marktwert auf 14 Mrd. US-Dollar steigen. Besonders im Bereich der Elektromobilität setzt das Land ehrgeizige Ziele: Bis 2030 sollen 2 Mio. E-Autos und 12 Mio. elektrische Zweiräder auf den Straßen sein. Dies befeuert die Nachfrage nach leichten Kunststoffmaterialien, die Metalle ersetzen können.
Technologietreiber aus dem DACH-Raum
Die Unternehmen aus Deutschland und Österreich nutzen die Chinaplas 2026 als Bühne für technologische Spitzenleistungen, wobei der Fokus klar auf der Prozessintegration, Effizienzsteigerung und spezialisierten Materiallösungen liegt.
Im Maschinenbau setzt Arburg ein Ausrufezeichen mit der Asien-Premiere des elektrischen „Allrounder Trend“. Die Spritzgießmaschine, die in vier Baugrößen von 500 bis 2.000 kN Schließkraft verfügbar ist, zeichnet sich durch die neue Steuerung Gestica Lite aus, die auf intuitive Bedienung und ein modernes Dashboard setzt. Ein weiterer Höhepunkt ist eine Turnkey-Anlage um einen Allrounder 1600 T, die vollautomatisch Hochspannungsmodule für Automotive-Stecker fertigt, indem Metalleinleger mit glasfaserverstärktem PBT umspritzt werden.
Mit der Gasinjektion hergestellte Hohlkörperstrukturen
(Bild: Engel)
Die Engel Gruppe demonstriert ihre Kompetenz in der Oberflächenveredelung mit der Clearmelt-Technologie. Auf einer Duo 700 Spritzgießmaschine wird eine B-Säulenverkleidung aus PC gefertigt und direkt im Werkzeug mit Polyurethan überflutet, was zusätzliche Lackierschritte überflüssig macht. Für Leichtbauanwendungen zeigt Engel die Fluidmelt-Technologie, die durch Gasinjektion Hohlkörperstrukturen erzeugt und so Materialeinsatz und Gewicht reduziert. Im Bereich Packaging präsentiert das Unternehmen eine E-Mac 380, die mit einem 48-fach-Werkzeug Flip-Top-Closures in Zykluszeiten von knapp über 10 Sekunden produziert.
Wittmann fokussiert sich auf Präzision im kleinen Maßstab. Das Micropower-Konzept ermöglicht die Fertigung von Kleinstteilen auf nur 2 m² Stellfläche. Auf der Messe werden Venenklemmen aus POM mit einem Einzelteilgewicht von nur 0,003 g in einer Reinraumzelle der Klasse 7 produziert. Zudem feiert der neue Linearroboter Primus 118 seine Premiere, der nun eine erhöhte Traglast von bis zu 8 kg für Maschinen bis 250 t Schließkraft bietet.
Spezialisierte Medizintechnik-Lösungen stehen bei Dr. Boy im Mittelpunkt. Auf einer Boy XS E entstehen resorbierbare Gewebeklammern aus PPDO für chirurgische Eingriffe mit einem Artikelgewicht von lediglich 0,105 g. Die hohe Maßhaltigkeit wird zudem bei der Produktion von Gewindestangen für Insulin-Injektionsstifte auf einer Boy 25 E unter Beweis gestellt.
In der Aufbereitungstechnik zeigt Coperion den Doppelschneckenextruder ZSK 58 Mc18 mit einem transparenten Verfahrensteil, das direkte Einblicke in das Misch- und Dispergierverhalten bei Durchsätzen von bis zu 2.500 kg/h ermöglicht. Für das Recycling stellt das Unternehmen ein neues System für PET-Re-Compounds vor, das Durchsatzbereiche bis zu 10 t/h abdeckt und flexibel für Anwendungen von Bottle-to-Bottle bis Tray-Recycling angepasst werden kann.
Eine neue TPU-Laufsohle reduziert den Product Carbon Footprint (PCF) um mehr als 40 % im Vergleich zu herkömmlichen Gummisohlen.
(Bild: BASF)
Auf der Materialseite präsentiert BASF die neue TPU-Serie Elastollan Griptec für die Sportartikelindustrie. Dieses Laufsohlen-Materialsystem bietet nicht nur eine verbesserte Designfreiheit von transparent bis schwarz, sondern reduziert den Product Carbon Footprint (PCF) in der Fertigung um 41 % im Vergleich zu herkömmlichen Gummisohlen.
Mocom ergänzt das Werkstoff-Portfolio mit innovativen Infrarot-Lösungen. Das Portfolio Alcom LIR ermöglicht eine hohe Transmission im Nahinfrarotbereich bei gleichzeitig tiefschwarzer Optik. Dies erlaubt es, Sensoren und Kameras unsichtbar hinter Bauteiloberflächen zu integrieren, ohne das Fahrzeugdesign zu beeinträchtigen. Der Distributor Albis rundet den Auftritt mit einem breiten Spektrum an technischen Kunststoffen ab, die speziell auf die hohen regulatorischen Anforderungen im Healthcare-Sektor und die thermischen Belastungen in der Elektromobilität zugeschnitten sind.
Fazit für Verarbeiter
Die Entwicklungen im asiatischen Raum zeigen deutlich: Der Fokus verschiebt sich weg von reinem Mengenwachstum hin zu High-Tech-Lösungen und Kreislaufwirtschaft. Für europäische Verarbeiter und Erzeuger bietet die Chinaplas 2026 eine Gelegenheit, sich über neue Werkstoffentwicklungen, effiziente Maschinen und innovative Recyclingtechnologien zu informieren, die zunehmend auch die globalen Lieferketten beeinflussen werden. Die Messe fungiert dabei als „Living Laboratory“ für die praktische Umsetzung der neuen industriepolitischen Ziele Chinas.