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Hohe Systemrelevanz bei Kunststoffen Das übersehene Krisenrisiko

Quelle: Pressemitteilung 2 min Lesedauer

Blockierte Seewege und geopolitische Spannungen bedrohen die Verfügbarkeit von Primärpolymeren. Da für Polymere im Gegensatz zu Öl oder Getreide keine staatlichen Reserven existieren, drohen bei Logistikstopps bereits nach zwei Monaten massive Versorgungsengpässe

Bei einer Ölkrise richtet sich der Blick schnell auf die Energiepreise – dabei steht ebenso die Versorgung mit zentralen Rohstoffen unter Druck.(Bild:  yes or no Media)
Bei einer Ölkrise richtet sich der Blick schnell auf die Energiepreise – dabei steht ebenso die Versorgung mit zentralen Rohstoffen unter Druck.
(Bild: yes or no Media)

Kunststoff ist kein Nischenprodukt, sondern bildet als fundamentale Infrastruktur die Grundsubstanz der modernen Industriegesellschaft. Ein Ausfall dieses Werkstoffs trifft die Industrie, die technische Infrastruktur sowie die Medizinversorgung und die Ernährungssicherheit gleichermaßen. Trotz dieser Systemrelevanz existiert bislang keine strategische Krisenreserve für Kunststoffe.

Geopolitische Abhängigkeit von den Nadelöhren

Die globale Kunststoffproduktion umfasst jährlich mehr als 400 Mio. Tonnen. Da über 90 % dieser Menge aus fossilen Rohstoffen wie Erdöl und Erdgas entstehen, ist die Versorgung untrennbar an globale Energie- und Transportstrukturen gekoppelt. Zentrale Vorprodukte stammen oft aus wenigen, geopolitisch sensiblen Regionen.

Besonders kritisch bewerten Experten die Straße von Hormus. Rund 20 % des weltweit gehandelten Rohöls und etwa 84 % des Polyethylen aus dem Nahen Osten passieren diese Meerenge. Störungen auf solchen Schlüsselrouten wirken sich unmittelbar auf industrielle Materialströme aus, da kurzfristig kaum alternative Transportwege mit ausreichender Kapazität zur Verfügung stehen.

Sechs Wochen bis zur Versorgungslücke

Ein Logistikstopp an den internationalen Knotenpunkten führt innerhalb kürzester Zeit zu einer Versorgungskrise. Marktexperten gehen davon aus, dass die europäische Kunststoffindustrie bereits nach sechs bis acht Wochen in eine signifikante Versorgungslücke gerät. Erste Anzeichen sind steigende Preise, gefolgt von spürbaren Materialengpässen für Unternehmen und Verbraucher.

Im weiteren Krisenverlauf gerät die medizinische Versorgung unter Druck, da Spritzen, Katheter und Infusionssysteme überwiegend auf polymeren Materialien basieren. Auch die Lebensmittelsicherheit ist gefährdet, weil Kunststoffverpackungen Hygiene und Haltbarkeit garantieren. In der Industrieproduktion kommen die Bänder in der Elektronik- und Automobilbranche sowie im Maschinenbau zum Stillstand, wenn essenzielle Kunststoffkomponenten fehlen.

Strategien für mehr Resilienz

Um die Abhängigkeit von globalen Lieferketten zu reduzieren, rückt der Stoffkreislauf in den Fokus. Bisher werden laut OECD jedoch nur rund 9 % der Kunststoffabfälle recycelt, was vor allem an mangelnder Infrastruktur und hohen Kosten liegt. Eine stärkere regionale Rohstoffgewinnung könnte die Lage entspannen: Deutschland verfügt über sichere und wahrscheinliche Erdgasreserven von 32,1 Mrd. m3 (Stand 2024). Zusätzliche Potenziale in Kohleflözen (450 Mrd. m3) und Schiefergestein (bis zu 2,3 Bio. m3) bleiben bislang unerschlossen.

Zusätzlich fordern Experten den Aufbau strategischer Reserven für Vorprodukte wie Naphtha, Ethylen und Propylen, um Krisenzeiträume über Monate zu überbrücken. Für Verarbeiter bedeutet dies eine Abkehr von reiner Just-in-Time-Produktion hin zu einer robusteren Lagerhaltung und der Diversifizierung von Lieferanten. Nur ein Zusammenspiel aus Kreislaufwirtschaft, heimischer Produktion und strategischen Reserven kann die Kunststoffversorgung langfristig widerstandsfähig gestalten.

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