Fakuma 2026: Interview „Die größte Veränderung ist der Wandel selbst“

Von Stefan Lenz 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Die Kunststoffindustrie steht unter hohem Kosten-, Investitions- und Veränderungsdruck. Bettina Schall, Geschäftsführerin der P. E. Schall GmbH & Co. KG, spricht über die Rolle der Fakuma, Digitalisierung und Automatisierung, Kreislaufwirtschaft und die Frage, wie die Branche ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern kann.

Bettina Schall, Geschäftsführerin der P. E. Schall GmbH & Co. KG.(Bild:  Schall)
Bettina Schall, Geschäftsführerin der P. E. Schall GmbH & Co. KG.
(Bild: Schall)

45 Jahre Entwicklung, 30 Ausgaben und eine Kunststoffindustrie im tiefgreifenden Wandel: Die Fakuma hat sich von einer Handels- und Vertriebsplattform zu einem zentralen Treffpunkt für Wissenstransfer, Business und technische Lösungen entwickelt. Gleichzeitig steht die Branche vor erheblichen Herausforderungen: Hohe Energie-, Rohstoff- und Arbeitskosten, geopolitische Unsicherheiten und Lieferkettenprobleme erhöhen den Druck auf die Unternehmen. Digitalisierung und Automatisierung werden damit zu entscheidenden Hebeln für mehr Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit.

Im exklusiven Interview mit PlastXnow erläutert Bettina Schall, welche Erwartungen Fachbesucher heute an eine Messe haben, warum persönliche Fachgespräche und der direkte Technologietransfer weiterhin entscheidend sind und welche Entwicklungen die Kunststoffindustrie in den kommenden Jahren prägen werden.

PlastXnow: Die Fakuma feiert 2026 ihre 30. Ausgabe und blickt auf 45 Jahre Entwicklung zurück. Wie hat sich aus Ihrer Sicht das Selbstverständnis der Messe gemeinsam mit der Kunststoffindustrie verändert – und welche Themen bestimmen heute die Gespräche in Friedrichshafen, die vor einigen Jahren noch eine deutlich geringere Rolle gespielt haben?

Bettina Schall: Stark gewandelt haben sich im Verlauf der 45 Jahre natürlich die Technologien der Kunststoffverarbeitung. Von der einst klar linearen Wertschöpfung der Anfangsjahre dominiert heute das Ziel einer konsequenten Kreislaufwirtschaft. Die gegenwärtige Agenda der Unternehmen wird bestimmt von den Themen Energieeffizienz, Digitalisierung, Automatisierung, Recycling, Nachhaltigkeit. Auch das Image des Kunststoffs hat sich gewandelt – hin zum Wertstoff-Selbstverständnis. Nicht zuletzt steht auch der Fachkräftemangel heute ganz oben bei den bestimmenden Themen. Vor 45 Jahren dominierte der Charakter einer Handels- und Vertriebsplattform die Messe, heute ist sie zum Zentrum für Wissenstransfer und Businessnetworking avanciert. Sie ist technologischer Marktplatz und Impulsgeber für eine nachhaltige, energieeffiziente und digital vernetzte Kunststoffindustrie zugleich. Schon immer war die DNA der Fakuma Praxisrelevanz und Lösungsorientiertheit! Diese Grundwerte sind bis heute erhalten geblieben.

Nach wie vor spielt eine Messe eine große Rolle bei Investitionsentscheidungen. Auch die Fakuma ist Plattform für Produkteshow, Businessaustausch und Wissenstransfer zugleich.

PlastXnow: Sie sprachen im Vorfeld, dass die Fakuma die gesamte Welt der Kunststoffverarbeitung abbilden will – von Spritzgießen und Extrusion über Werkstoffe bis zu Recycling und Digitalisierung. Gleichzeitig stehen viele Unternehmen unter erheblichem Kosten- und Investitionsdruck. Welche Rolle spielt eine Fachmesse wie die Fakuma heute noch bei Investitionsentscheidungen, und was erwarten die Besucher konkret von einem Messeauftritt?

Bettina Schall: Nach wie vor spielt eine Messe eine große Rolle bei Investitionsentscheidungen. Auch die Fakuma ist Plattform für Produkteshow, Businessaustausch und Wissenstransfer zugleich. Unverzichtbar sind die persönlichen Fachgespräche und die direkten Vergleichsmöglichkeiten vor Ort. Erst recht in schwierigen Zeiten gibt eine Messepräsenz neuen Schub für beide Seiten – Anbieter und Anwender gleichermaßen. Fachbesucher erwarten von einem Messebesuch eine klare Themenstruktur und maximalen Informationsinput für ihre jeweiligen Fragen. Aufgrund der Themenaufstellung der Fakuma und ihrer prinzipiellen Struktur – praxisrelevante Lösungen, ganzheitliche Ansätze und systemische Herangehensweise – verspricht die Fakuma einen hohen Nutzen für die Besucher.

PlastXnow: Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und digitale Vernetzung sind inzwischen zentrale Themen der Kunststoffverarbeitung. Auf der Fakuma werden dazu zahlreiche technische Lösungen präsentiert. Wo sehen Sie derzeit die größten Veränderungen in der Branche – und bei welchen Themen besteht aus Ihrer Sicht noch eine deutliche Lücke zwischen den politischen und gesellschaftlichen Erwartungen und der industriellen Realität?

Bettina Schall: Die hohen Kosten in den Bereichen Energie, Rohstoffe und Arbeit sind eine existenzielle Belastung für produzierende Unternehmen – nicht nur in der Kunststoffverarbeitung. Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten und Lieferkettenprobleme. All diese Faktoren wirken enorm bremsend und hemmend. So ist die Branche darauf angewiesen, auf allen Ebenen die Effizienz zu erhöhen, um wirtschaftlich arbeiten und am Markt weiter bestehen zu können. Die größte Veränderung ist der Wandel selbst, sowohl bei Produkten und Systemen als auch bei Betriebsstrukturen und Prozessabläufen. Die weitere Digitalisierung und Automatisierung gehören daher zu den wichtigsten Aufgaben der Unternehmen.

PlastXnow: Neben Technologie und Investitionen rückt zunehmend die Frage in den Mittelpunkt, wie die Kunststoffindustrie ihre Zukunft personell und wirtschaftlich gestalten kann. Die Fakuma setzt deshalb unter anderem mit dem Karriere-Freitag und der Start-up-Area Akzente. Was muss die Branche aus Ihrer Sicht tun, um junge Menschen für Kunststoff zu gewinnen und gleichzeitig ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern?

Bettina Schall: Wie schon erwähnt: Die weitere Digitalisierung und Automatisierung sind wesentlich für die Verbesserung von Produkten und Systemen sowie Strukturen und Abläufen. Sowohl die Karriere-Kampagne als auch die Start-up-Initiativen der Fakuma tragen dazu bei, dass junge Fachkräfte mit neuen Ideen in die Branche einsteigen und die Modernisierung voranbringen.

PlastXnow: Wenn Sie auf die 30. Fakuma und zugleich auf die nächsten fünf bis zehn Jahre der Kunststoffindustrie blicken: Welche Entwicklungen werden Ihrer Einschätzung nach die Branche und damit auch die Fakuma besonders stark verändern?

Bettina Schall: Maßgebend für einen positiven und zukunftsweisenden Weg ist die weitere Digitalisierung und Automatisierung. Denn sie sind Basis für noch mehr Effizienz in allen Bereichen. Mit Energieeinsparungen, weniger Rohstoffverbrauch, Wiederverwendung von recycelten Materialien und optimierten Prozessen geht es weiter in Richtung Kreislaufwirtschaft und zukunftsfähiger Produktion.  

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung