Die Einreichungen zum Biopolymer Innovation Award 2025 waren so vielfältig wie zahlreich. Und so gab es für die Jurymitglieder reichlich Diskussionsbedarf bis die Platzierten feststanden. Am 16. Juni 2025, dem Vorabend des internationalen Kongresses „Biopolymer – Processing & Moulding“, werden die Preise in Halle (Saale) überreicht.
Am 16. Juni 2025 werden in Halle an der Saale die Biopolymer Innovation Awards 2025 verliehen.
(Bild: Redaktion)
Auch in 2025 gab es wieder ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Finalisten. Da nach der zweiten Abstimmung erneut Gleichstand nach Punkten für Platz drei herrschte, werden wiederum zwei dritte Plätze vergeben. „Die eingereichten Entwicklungen bedienen Produkte und Anwendungen, die man bioabbaubaren und biobasierten Polymeren vor einigen Jahren noch nicht zugetraut hätte“, berichtet Peter Putsch, Jurysprecher und Vorsitzender der gemeinnützigen Fördergemeinschaft Polykum. Diese hatte den Preis 2025 bereits zum sechsten Mal ausgeschrieben und ist mit der Anzahl der Einreichungen sehr zufrieden.
Die 3D-gedruckten Trophäen werden am 16. Juni an folgende Preisträger für ihre Entwicklungen im festlichen Rahmen übergeben; die Reihenfolge der nachfolgenden Nennung impliziert keine Platzierung.
CMC Consumer Medical Care aus Sontheim a.d. Brenz überzeugte die Jurymitglieder mit einem Peelingpad aus 100 % Baumwollfasern und einem vollständig biologisch abbaubaren Peelingmaterial. Handelsübliche Pads bestehen derzeit aus einer Fasermischung aus 85 % Baumwolle und 15 % Polyesterfasern, auf die feine Körner aus Polyester (Mikroplastik) auf der Padoberfläche verteilt wurden und angeschmolzen wurden. Eine 100 % Fixierung wurde jedoch nie vollständig erreicht, sodass während der Verwendung des Pads Mikroplastikpartikel in die Umwelt freigesetzt wurden. Bei den Peelingpads handelt es sich um ein Produkt, das eine hohe Marktdurchdringung besitzt und täglich tausendfach eingesetzt wird. Die Entwicklung ist daher ein guter Beitrag, um den Eintrag von Mikroplastik in die Umwelt zu reduzieren. Das Pad ist eine Drop-in-Lösung für ein am Markt etabliertes Produkt, wodurch ein schnelle Durchdringen des Marktes mit der bioabbaubaren Variante möglich sein sollte. „Wir würden uns wünschen, wenn das Produkt zukünftig vollständig auf Basis nachwachsender Rohstoffe bestehen würde, wenngleich seine Bioabbaubarkeit sehr gut ist“, gibt der Jurysprecher dem Nominierten mit auf den Weg.
Von den Deutsche Institute für Textil- und Faserforschung Denkendorf (DITF) war ein Kunstleder aus PBS eingereicht worden. Die Jury sieht den PBS-Werkstoff als potentiellen Ersatz für beispielsweise weichmacherhaltiges PVC oder von Polyurethan. Dabei besticht die Lösung neben des Biopolymereinsatzes in der Deckschicht auch durch den Ersatz des fossilbasierten Trägermaterials – eine Einstofflösung. Bei dem eingereichten Material sind das Trägersubstrat sowie das Kunstleder biobasiert und aufeinander abgestimmt. Bei diesem Produkt kann eine Multimateriallösung auf eine Lösung aus der Familie der Biopolyester umgestellt werden, wodurch auch eine biologische Abbaubarkeit oder Kompostierfähigkeit ermöglicht werden könnte. Die Juroren sehen ein sehr breites Anwendungsspektrum von Möbeln über Mode und Freizeitbereich bis hin zu Automotivanwendungen.
Lehmann & Voss hat eine Skitourenbindung zur Bewertung eingereicht, die aus biobasierten Kunststoffen besteht, die mit Recycling-Carbonfasern und Glasfasern verstärkt ist. Preiswürdig ist für die Jury, dass es sich bei dem Bauteil um eine systematische Umstellung von fossilbasierten auf biobasierte Polyamide mit sehr hohem ingenieurstechnischen Know-how handelt. Die Anwendung unterliegt neben beträchtlichen Sicherheitsanforderungen auch der Berücksichtigung von tiefen Gebrauchstemperaturen sowie extremen Kräften im Einsatz. Die Jurymitglieder erachten die Entwicklung daher als wegweisend für weitere Anwendungen im Sport- und Freizeitbereich aus technischen Biopolymeren.
Das Schweizer Unternehmen Model hat seine Paper-Clouds in das Rennen um den Biopolymer Innovation Award gesendet. Paper-Cloud stellt eine Alternative zu EPS (expandierbarem Polystyrol) dar. Der Werkstoff besteht hauptsächlich aus expandierbarer Stärke und Papierfasern und kann am Ende seines Gebrauchs dem Altpapier und somit dem Papierkreislauf zugeführt werden. Der vorliegende Verpackungswerkstoff ist sehr leicht und besitzt dennoch eine bemerkenswerte Festigkeit. Es handelt sich auch hier um eine Drop-in-Lösung, die mit weniger Energie gefertigt werden kann als die fossilbasierte Variante. Eine sehr gute Idee, sind sich die Juroren einig.
Preisverleihung vor Ort erleben
Erstmals werden die Biopolymer Innovation Awards am Vorabend des Kongresses im Rahmen eines Diner überreicht. Vor Bekanntgabe der Platzierungen stellen die vier Preisträger ihre Entwicklungen vor und stehen dem Publikum in der Georg-Friedrich-Händel-Halle in Halle (Saale) für Fragen zur Verfügung. Sie möchten dabei sein? Dann melden Sie sich hier an.
Stand: 16.12.2025
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