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Chemisches Recycling von Polyurethan-Hartschaum Covestro und Fraunhofer skalieren Smart-Pyrolyse

Quelle: Pressemitteilung 2 min Lesedauer

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Covestro und das Fraunhofer-Institut UMSICHT haben den Aufbau einer Pilotanlage für das chemische Recycling von PU-Hartschaumabfällen vereinbart. Mit einer Jahreskapazität von 2.000 Tonnen soll die Anlage ab 2028 hochwertiges Anilin für die MDI-Produktion liefern und den CO2-Fußabdruck des Werkstoffs um bis zu 40 % senken.

Covestro und Fraunhofer UMSICHT starten Zusammenarbeit für Polyurethan-Hartschaum-Recycling.(Bild:  Fraunhofer UMSICHT, Sabrina Bauer)
Covestro und Fraunhofer UMSICHT starten Zusammenarbeit für Polyurethan-Hartschaum-Recycling.
(Bild: Fraunhofer UMSICHT, Sabrina Bauer)

Die Kooperation zielt auf die Kommerzialisierung der von Covestro entwickelten Smart-Pyrolyse-Technologie ab. Das Verfahren ermöglicht es, Dämmstoffabfälle aus der Bauindustrie (PUR/PIR) sowie aus alten Kühlgeräten in hochreines, recyceltes Anilin umzuwandeln. Dieses Zwischenprodukt erreicht einen Reinheitsgrad von etwa 99 % und dient als Basis für die Herstellung von Methylendiphenyldiisocyanat (MDI), das dieselben Qualitätsstandards wie konventionelle, fossil-basierte Ware erfüllt.

Stoffkreislaufs bei MDI schließen

Durch die Rückgewinnung wertvoller Moleküle aus Abfallströmen soll die Kreislaufwirtschaft in der Kunststofferzeugung gestärkt werden. Das auf diesem Weg produzierte MDI weist laut Berechnungen einen um bis zu 40 % geringeren CO2-Fußabdruck auf als herkömmliche Varianten.

Dr. Markus Dugal, Head of Process Technology bei Covestro, ordnet den Fortschritt ein: „Dieser Vertrag ist ein entscheidender Schritt hin zur Industrialisierung unserer Smart-Pyrolyse-Technologie. Wir machen Kreislaufwirtschaft zur Realität und reduzieren gleichzeitig den CO2-Fußabdruck unserer Produkte.“

Skalierung auf Industriemaßstab

Die Pilotanlage mit einer Kapazität von 2 kt pro Jahr markiert den Übergang von der Labor- und Mini-Pilot-Phase zur industriellen Anwendung. Fraunhofer UMSICHT bringt hierfür seine Expertise in der Pyrolyseforschung und die entsprechende technische Infrastruktur ein. In der Anlage sollen Prozessparameter optimiert werden, um ausreichend Material für die weitere Produktentwicklung und Verarbeitungstests bereitzustellen.

Die geplante Menge an recyceltem Anilin würde rechnerisch ausreichen, um Dämmstoffe für etwa 200.000 Kühlschränke zu produzieren. Prof. Dr.-Ing. Manfred Renner, Institutsleiter Fraunhofer UMSICHT, betont: „Wir zeigen nicht nur die technische Machbarkeit, sondern begleiten aktiv die industrielle Umsetzung“. Die technologische Basis wurde zuvor im Rahmen des EU-Leitprojekts Circular Foam unter der Koordination von Covestro erforscht.

Marktwachstum und regulatorischer Druck

Der Bedarf an effizienten Recyclinglösungen für Hartschaum steigt stetig, da dieser aufgrund seiner vernetzten Molekülstruktur bislang als schwer rezyklierbar galt. Gleichzeitig wächst der europäische Markt für MDI-Hartschaum – getrieben durch die Nachfrage nach energieeffizienter Gebäudedämmung – voraussichtlich von 1.400 kt im Jahr 2025 auf 1.900 kt im Jahr 2035.

Verschärfte EU-Vorschriften und Marktanforderungen verlangen zunehmend nach skalierbaren End-of-Life-Lösungen für PUR/PIR-Materialien. Die neue chemische Recyclingtechnologie bietet hier einen Lösungsansatz, um Molekülbindungen gezielt aufzubrechen und Rohstoffe zurückzugewinnen, die andernfalls thermisch verwertet würden. Damit reagieren die Partner auf die Herausforderungen der Branche hinsichtlich Nachhaltigkeit und zukünftiger Recyclingquoten.

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