Drei deutsche Tochtergesellschaften des Chemieunternehmens Domo Chemicals haben Insolvenz angemeldet. Hintergrund ist offenbar eine Überschuldung des belgischen Mutterkonzerns.
Standort in Leuna: Domo stellt in Sachsen-Anhalt unter anderem hitzebeständige Kunststoffe her.
(Bild: Domo)
Es war ein Meilenstein in der inzwischen über 100-jährigen Geschichte von Leuna. Am 25. Mai 1994 griff Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) auf einem Feld in Spergau zur Schippe: symbolischer Baustart für die damals fünf Milliarden D-Mark teure Raffinerie. Das deutsch-französische Mega-Projekt galt als das größte der Nachkriegszeit.
Die Historie des Riesenwerks im Süden von Sachsen-Anhalt ist von Höhen und Tiefen, Licht und Schatten geprägt. Noch vor zehn Jahren sah die Branche Leuna als einen Vorzeigestandort für den Wandel. Mehr als 100 Firmen – darunter international tätige Großunternehmen wie der französische Mineralölkonzern Total oder der belgische Chemiekonzern Domo – hatten sich auf dem 1300 Hektar großen Areal angesiedelt.
Domo-Tochterfirmen beantragen Insolvenz
Und heute? Da muss sich auch der größte Chemiestandort in DDR eingestehen: Die goldenen Zeiten sind womöglich vorbei – zumindest für die deutsche Chemieindustrie.
So hatten bereits gegen Ende letzten Jahres, Domo Chemicals GmbH, die Domo Caproleuna GmbH und Domo Engineering Plastics GmbH Insolvenzantrag gestellt. Betroffen sind damit drei deutsche Tochtergesellschaften der belgischen Domo-Chemicals-Gruppe.
Das zuständige Amtsgericht Halle (Saale) bestellte Prof. Dr. Lucas F. Flöther, Namenspartner der Kanzlei Flöther & Wissing, zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Ziel des Verfahrens ist die Prüfung von Sanierungsoptionen bei gleichzeitiger Fortführung der operativen Geschäftstätigkeit.
Produktion läuft weiter
Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters wird der Geschäftsbetrieb an allen Standorten uneingeschränkt fortgesetzt. Produktion und Kundenbelieferung laufen weiter. Flöther und sein Team haben die rund 585 Beschäftigten über die Situation informiert. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeitenden sind für einen Zeitraum von drei Monaten über das Insolvenzgeld abgesichert.
In den nächsten Wochen will sich Flöther in Abstimmung mit den Gläubigern und der Geschäftsführung ein genaues Bild der wirtschaftlichen Situation machen und die Sanierungsoptionen prüfen. Denkbar seien etwa eine Investorenlösung oder eine Einigung mit den Gläubigern. Welcher Weg erfolgversprechend ist, wird sich in den kommenden Monaten herauskristallisieren.
UPDATES
17. Juni 2026: Ermittlungen gegen ehemalige Domo-Geschäftsführer
Die Insolvenz des Leunaer Kunststoffherstellers Domo Chemicals hat nun auch juristische Folgen. Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung gegen drei ehemalige Geschäftsführer der Domo Caproleuna GmbH. Weiterlesen auf www.mdr.de
01. April 2026: Domo-Chemiewerk gerettet
Die drohende Stilllegung des Chemiewerks Domo Caproleuna ist abgewendet. Eine neu gegründete Auffanggesellschaft der Unternehmen Infra Leuna und Leuna-Harze übernahm den Standort Leuna zum 1. April 2026. Damit bleibt die Versorgung der Kunststoffindustrie mit Polyamid 6 sowie wichtigen Vorprodukten wie Caprolactam stabil. Weiterlesen
Rohstoffpreise belasten das Geschäft
„Die deutschen Unternehmen der Domo-Gruppe gehören zu den Technologieführern ihrer Branche, hinzu kommen eine sehr leistungsfähige Belegschaft und ein hochkarätiger Kundenstamm“, so Flöther. Das seien grundsätzlich keine schlechten Voraussetzungen – „auch wenn der Markt für Chemieunternehmen natürlich schwierig ist.“
Nach Angaben des Mutterkonzerns leiden die drei Unternehmen unter der seit Jahren schwachen Nachfrage in der europäischen Chemieindustrie. Hinzu kommen hohe Energiepreise und stark gestiegene Importe von Polyamid-Harz aus Nicht-EU-staaten, vor allem aus China.
Das Management hat bereits 2024 reagiert und eine Restrukturierung eingeleitet. Nachdem zuletzt Gespräche über die weitere Finanzierung kurzfristig gescheitert waren, mussten die drei deutschen Unternehmen Insolvenzantrag stellen.
Leuna-Standorte: Land Sachsen-Anhalt will helfen
Die Insolvenzanträge betreffen ausschließlich die drei deutschen Unternehmen der Domo-Gruppe. Das heißt, die Domo Chemicals GmbH (Leuna, rd. 35 Beschäftigte), die Domo Caproleuna GmbH (Leuna, rd. 480 Beschäftigte) und die Domo Engineering Plastics GmbH (rd. 70 Beschäftigte, Premnitz).
Das Land Sachsen-Anhalt hatte nach Bekanntwerden der Schwierigkeiten bereits Unterstützung signalisiert. Wirtschaftsminister Sven Schulze (CDU) sagte der „Mitteldeutschen Zeitung“ (€), man arbeite an einer Lösung.
Die Ursache der Insolvenz liege nicht am Standort Leuna, heißt es weiter. Dem MDR sagte Schulze: „Wo wir unterstützen können, werden wir das auch machen.“
Stand: 16.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die WIN-Verlag GmbH & Co. KG, Chiemgaustraße 148, 81549 München einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://kontakt.vogel.de/de/win abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.