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585 Mitarbeiter betroffen Insolvenz bei Domo Chemicals in Deutschland

Aktualisiert am 02.07.2026 Quelle: Pressemitteilung 3 min Lesedauer

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Drei deutsche Tochtergesellschaften des Chemieunternehmens Domo Chemicals haben Insolvenz angemeldet. Hintergrund ist offenbar eine Überschuldung des belgischen Mutterkonzerns. 

Standort in Leuna: Domo stellt in Sachsen-Anhalt unter anderem hitzebeständige Kunststoffe her.(Bild:  Domo)
Standort in Leuna: Domo stellt in Sachsen-Anhalt unter anderem hitzebeständige Kunststoffe her.
(Bild: Domo)

Es war ein Meilenstein in der inzwischen über 100-jährigen Geschichte von Leuna. Am 25. Mai 1994 griff Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) auf einem Feld in Spergau zur Schippe: symbolischer Baustart für die damals fünf Milliarden D-Mark teure Raffinerie. Das deutsch-französische Mega-Projekt galt als das größte der Nachkriegszeit.

Die Historie des Riesenwerks im Süden von Sachsen-Anhalt ist von Höhen und Tiefen, Licht und Schatten geprägt. Noch vor zehn Jahren sah die Branche Leuna als einen Vorzeigestandort für den Wandel. Mehr als 100 Firmen – darunter international tätige Großunternehmen wie der französische Mineralölkonzern Total oder der belgische Chemiekonzern Domo – hatten sich auf dem 1300 Hektar großen Areal angesiedelt.

Domo-Tochterfirmen beantragen Insolvenz 

Und heute? Da muss sich auch der größte Chemiestandort in DDR eingestehen: Die goldenen Zeiten sind womöglich vorbei – zumindest für die deutsche Chemieindustrie. 

So hatten bereits gegen Ende letzten Jahres, Domo Chemicals GmbH, die Domo Caproleuna GmbH und Domo Engineering Plastics GmbH Insolvenzantrag gestellt. Betroffen sind damit drei deutsche Tochtergesellschaften der belgischen Domo-Chemicals-Gruppe.

Das zuständige Amtsgericht Halle (Saale) bestellte Prof. Dr. Lucas F. Flöther, Namenspartner der Kanzlei Flöther & Wissing, zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Ziel des Verfahrens ist die Prüfung von Sanierungsoptionen bei gleichzeitiger Fortführung der operativen Geschäftstätigkeit.

Produktion läuft weiter

Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters wird der Geschäftsbetrieb an allen Standorten uneingeschränkt fortgesetzt. Produktion und Kundenbelieferung laufen weiter. Flöther und sein Team haben die rund 585 Beschäftigten über die Situation informiert. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeitenden sind für einen Zeitraum von drei Monaten über das Insolvenzgeld abgesichert. 

In den nächsten Wochen will sich Flöther in Abstimmung mit den Gläubigern und der Geschäftsführung ein genaues Bild der wirtschaftlichen Situation machen und die Sanierungsoptionen prüfen. Denkbar seien etwa eine Investorenlösung oder eine Einigung mit den Gläubigern. Welcher Weg erfolgversprechend ist, wird sich in den kommenden Monaten herauskristallisieren. 

UPDATES

17. Juni 2026: Ermittlungen gegen ehemalige Domo-Geschäftsführer

Die Insolvenz des Leunaer Kunststoffherstellers Domo Chemicals hat nun auch juristische Folgen. Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung gegen drei ehemalige Geschäftsführer der Domo Caproleuna GmbH. Weiterlesen auf www.mdr.de

01. April 2026: Domo-Chemiewerk gerettet

Die drohende Stilllegung des Chemiewerks Domo Caproleuna ist abgewendet. Eine neu gegründete Auffanggesellschaft der Unternehmen Infra Leuna und Leuna-Harze übernahm den Standort Leuna zum 1. April 2026. Damit bleibt die Versorgung der Kunststoffindustrie mit Polyamid 6 sowie wichtigen Vorprodukten wie Caprolactam stabil. Weiterlesen 

Rohstoffpreise belasten das Geschäft

„Die deutschen Unternehmen der Domo-Gruppe gehören zu den Technologieführern ihrer Branche, hinzu kommen eine sehr leistungsfähige Belegschaft und ein hochkarätiger Kundenstamm“, so Flöther. Das seien grundsätzlich keine schlechten Voraussetzungen – „auch wenn der Markt für Chemieunternehmen natürlich schwierig ist.“

Nach Angaben des Mutterkonzerns leiden die drei Unternehmen unter der seit Jahren schwachen Nachfrage in der europäischen Chemieindustrie. Hinzu kommen hohe Energiepreise und stark gestiegene Importe von Polyamid-Harz aus Nicht-EU-staaten, vor allem aus China. 

Das Management hat bereits 2024 reagiert und eine Restrukturierung eingeleitet. Nachdem zuletzt Gespräche über die weitere Finanzierung kurzfristig gescheitert waren, mussten die drei deutschen Unternehmen Insolvenzantrag stellen. 

Leuna-Standorte: Land Sachsen-Anhalt will helfen

Die Insolvenzanträge betreffen ausschließlich die drei deutschen Unternehmen der Domo-Gruppe. Das heißt, die Domo Chemicals GmbH (Leuna, rd. 35 Beschäftigte), die Domo Caproleuna GmbH (Leuna, rd. 480 Beschäftigte) und die Domo Engineering Plastics GmbH (rd. 70 Beschäftigte, Premnitz).

Das Land Sachsen-Anhalt hatte nach Bekanntwerden der Schwierigkeiten bereits Unterstützung signalisiert. Wirtschaftsminister Sven Schulze (CDU) sagte der „Mitteldeutschen Zeitung“ (€), man arbeite an einer Lösung. 

Die Ursache der Insolvenz liege nicht am Standort Leuna, heißt es weiter. Dem MDR sagte Schulze: „Wo wir unterstützen können, werden wir das auch machen.“

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