Wie gelingen hochwertige Rezyklate? Und was braucht der Markt, um zu funktionieren? Beim 7. Praxisforum Kunststoffrezyklate in Darmstadt wurden Wege aufgezeigt – praxisnah, technisch fundiert und mit starkem Austausch unter den Teilnehmern.
Zukunftstrends, aktuelle Forschungsergebnisse und praktische, innovative Lösungen im Bereich des mechanischen Recyclings von Kunststoffen waren Inhalt des 7. Praxisforum Kunststoffrezyklate.
(Bild: Redaktion)
Rund 70 Teilnehmer nahmen an der Veranstaltung im Welcome Hotel Darmstadt teil.
(Bild: Red)
Mit rund 70 Teilnehmern aus Industrie, Forschung und Verbänden war das 7. Praxisforum Kunststoffrezyklate des Fraunhofer LBF am 26. März 2025 Treffpunkt für alle, die sich professionell mit dem Thema Kunststoffrecycling beschäftigen – und vor allem: es voranbringen wollen. Im Welcome Hotel Darmstadt diskutierten Branchenexperten an zwei Tagen aktuelle Herausforderungen, zeigten Lösungswege auf und knüpften neue Verbindungen. Moderiert von Dr. Elke Metsch-Zilligen, Bereichsleitung Kunststoffe am Fraunhofer LBF und Dr. Christian Beinert, Abteilungsleitung Kunststoffverarbeitung und Bauteilauslegung am Fraunhofer LBF, führte die Veranstaltung über den Tag hinweg durch verschiedene Themenblöcke – stets mit ausreichend Raum für persönliche Gespräche, Diskussionen und fachlichen Austausch. Besonders das Networking Dinner am Abend des ersten Veranstaltungstages bot Gelegenheit, neue Impulse abseits der Vorträge weiterzudenken und Kontakte zu vertiefen. Die folgenden Vorträge und Themen bilden lediglich einen Querschnitt der Eindrücke der Veranstaltung – sie stehen exemplarisch für den inhaltlichen Fokus und die Bandbreite des Praxisforums.
Märkte, Standards und eine wachsende Rezyklatlücke
Ein zentrales Thema: die Marktsituation und der politische sowie wirtschaftliche Rahmen für Rezyklate. Eines wurde schnell klar – es besteht Handlungsdruck. Bis 2030 fehlen in Europa rund 3 Mio. t an Rezyklaten, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Gleichzeitig geraten Recyclingbetriebe unter Druck, weil Abnahmesignale fehlen und die wirtschaftliche Lage angespannt ist. Ein Blick auf das aktuelle Stoffstrombild zeigt zwar ein großes Rohstoffpotenzial – aber zu wenig davon wird in hochwertige Rezyklate überführt.In diesem Zusammenhang wurde deutlich: Standards und verlässliche Marktbedingungen sind entscheidend. Nur so können Investitionen getätigt und Recyclingquoten tatsächlich gesteigert werden. Der Appell: Die Branche muss gemeinsam Verantwortung übernehmen – vom Hersteller bis zur Entsorgungswirtschaft.
Wie beeinflussen Produktdesign und KI die Rezyklatqualität?
Personen aus den verschiedensten Unternehmen der Wertschöpfungskette der kunststoffverarbeitenden Industrie referierten zu Themen im Umfeld des Recyclings. Hier im Bild: Kathrin Lehmann, Technical Senior Expert Polymers, BL Interface&Performance bei Evonik Operations.
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Neben der Marktperspektive wurde auch die technische Seite beleuchtet – mit einem klaren Fokus auf Qualitätsverbesserung. Wie lassen sich Rezyklate herstellen, die mit Neuware konkurrieren können? Ein zentraler Hebel: Design for Recycling. Dr. Madina, Bereichsleiterin Kunststofftechnik und -recycling, Kunststoffanalytik vom IKK – Institut für Kunststoff- und Kreislauftechnik der Leibniz Universität Hannover, betonte, dass Recyclingfähigkeit bereits beim Produktdesign mitgedacht werden muss. Je besser das Ausgangsprodukt, desto höher die Qualität des späteren Rezyklats. Ihr Vortrag zeigte auf, welches Potenzial im mechanischen Recycling steckt – wenn Prozesse und Materialien optimal zusammenspielen.Einen spannenden Praxisblick lieferte Kathrin Lehmann, Technical Senior Expert Polymers, BL Interface&Performance bei Evonik Operations, unter anderem mit dem Projekt „KI Optipak“. Hier wird an der Materialoptimierung von Rezyklaten gearbeitet – etwa durch gezielte Waschprozesse und De-Inking. Selbst hartnäckige Beschichtungen lassen sich wasserbasiert entfernen. Besonders relevant: Anwendungen im Automobilbereich, in denen nicht nur mechanische Eigenschaften, sondern auch Optik und Geruch entscheidend sind. Gemeinsam mit BMW wird an einem echten Kreislauf gearbeitet – aus einem alten Stoßfänger wird ein neuer.
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Wie gelingt der erfolgreiche Einsatz von Rezyklaten in der Industrie?
Wie konkret Rezyklate bereits heute eingesetzt werden können, zeigten weitere Beiträge aus der Industrie. Dr. Kylie König, Business Development Manager Compounding bei Südpack Verpackungen,stellte den Anwesenden innovative Mehrschichtfolien vor, die einen Rezyklatanteil von über 40 % erreichen – und beispielsweise in Produkten von Vorwerk eingesetzt werden. Auch hier unterstützt das Projekt KI Optipak die Entwicklung: KI-basierte Ansätze sollen helfen, Verpackungen intelligent und ressourcenschonend zu gestalten.Auch Coralie Rambaud, Leitung Rezyklate Gruppe, bei der Sulo Group, zeigte praxisnah, wie Rezyklate erfolgreich zum Einsatz kommen – nämlich in den eigenen Produkten. In den Mülltonnen des Unternehmens steckt bereits heute über 70 % Recyclingkunststoff. Ein klarer Beleg dafür, dass funktionierende Kreisläufe möglich sind – wenn die Rahmenbedingungen stimmen und Unternehmen Verantwortung übernehmen.Ein weiterer Beitrag kam aus dem Bereich der Analytik. Der Gründer und Geschäftsführer von Polysecure, Jochen Moesslein, präsentierte mit „Track by Stars“ eine Technologie, die Kunststoffabfälle präzise sortierbar macht. Durch spezielle Markerpartikel, die dem Material zugesetzt werden, lassen sich Produkte zuverlässig und kosteneffizient identifizieren – unabhängig vom Verwertungsverfahren. Die Technologie ermöglicht eine neue Dimension der Sortiertiefe und schafft so die Voraussetzung für hochwertige Rezyklate.Wie konsequent umgesetzte Kreislaufwirtschaft heute schon aussehen kann, das veranschaulichte dann Timothy Glaz, Head of Corporate Affairs bei der bekannten Unternehmensgruppe Werner & Mertz. Die Verpackungen der Marke Frosch bestehen zu 100 % aus recyceltem Kunststoff – und zwar aus der haushaltsnahen Sammlung.Das 7. Praxisforum Kunststoffrezyklate hat einmal mehr gezeigt: Die Herausforderungen im Kunststoffrecycling sind komplex – aber die Lösungsansätze sind da. Hochwertige Rezyklate brauchen technologische Neuerungen, wirtschaftliche Stabilität und vor allem: Zusammenarbeit. Das Forum bot dafür nicht nur fachlichen Input, sondern auch einen Ort für Austausch und Vernetzung. Die Gespräche in den Pausen, das abendliche Networking Dinner und der persönliche Dialog waren mindestens genauso wertvoll wie die Vorträge selbst. Oder, wie es ein Teilnehmer formulierte: „Endlich mal nicht nur reden, sondern gemeinsam weiterkommen.“
Stand: 16.12.2025
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