Kreislaufwirtschaft ist schon lange kein Nice-to-have mehr, sondern ein strategischer Erfolgsfaktor. Um regulatorische Vorgaben, Kundenerwartungen und Klimaziele zu erfüllen, muss die Kunststoffindustrie ihre gesamte Wertschöpfung neu denken – von der Produktentwicklung bis zur Sortierung und zum Recycling.
Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe: aktuelle Trends und Entwicklungen
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Die Kunststoffindustrie steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Kunststoff bleibt ein unverzichtbarer Werkstoff – etwa für Verpackungen, Fahrzeuge, Elektronik und Medizintechnik. Gleichzeitig wächst der Druck, fossile Rohstoffe einzusparen, CO₂-Emissionen zu reduzieren sowie Kunststoffabfälle konsequenter zu vermeiden und zu verwerten. Steigende regulatorische Anforderungen, volatile Rohstoffpreise und ein wachsendes Nachhaltigkeitsbewusstsein verändern dabei die Rahmenbedingungen für Hersteller, Verarbeiter und Marken gleichermaßen.
Kreislaufwirtschaft wird zum strategischen Bestandteil
Die lineare Wertschöpfungskette – herstellen, nutzen, entsorgen – stößt zunehmend an ihre Grenzen. Gefragt sind stattdessen Produkte und Prozesse, die Materialien möglichst lange im Kreislauf halten. Recyclingfähigkeit, der Einsatz von Rezyklaten, wiederverwendbare Verpackungslösungen sowie alternative Rohstoffquellen werden damit zu entscheidenden Faktoren für Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftssicherheit.
Kreislaufwirtschaft ist deshalb längst kein Nice-to-have mehr. Sie wird zum strategischen Bestandteil industrieller Entwicklung – und zunehmend auch zur Voraussetzung, um regulatorische Vorgaben, Kundenerwartungen und Klimaziele zu erfüllen. Die Branche muss dafür nicht nur ihre Materialien, sondern die gesamte Wertschöpfung neu denken.
In den Fokus rücken dabei folgende Themen: die Anforderungen der PPWR, Design for Recycling, chemisches Recycling, der digitale Produktpass sowie der Einsatz künstlicher Intelligenz. Welchen Einfluss haben sie auf die Kunststoffverarbeitung, wie werden sie die Branche verändern und welche Herausforderungen gehen damit einher? Das haben wir führende Köpfe der Industrie gefragt.
Wie verändert die PPWR den Maschinenbau?
Die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) verfolgt das Ziel, Verpackungen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg nachhaltiger zu gestalten. Im Kern geht es dabei darum, Verpackungsabfälle zu reduzieren, die Kreislaufwirtschaft zu fördern und die Recyclingfähigkeit von Verpackungen zu verbessern. Die Verordnung betrachtet erstmals den gesamten Lebenszyklus einer Verpackung – von der Materialauswahl über die Produktion und Nutzung bis hin zur Wiederverwertung.
Die neuen Anforderungen betreffen nicht nur Verpackungshersteller, sondern die gesamte Wertschöpfungskette. Neue Materialien wie Kunststoffrezyklate oder Biokunststoffe bringen oftmals andere Eigenschaften mit sich, etwa veränderte Materialstärken, neue Faserzusammensetzungen und verändertes Stanz- und Verarbeitungsverhalten. Das heißt, mitunter müssen Produktionsprozesse neu bewertet und angepasst werden.
Darüber hinaus soll die PPWR erstmals EU-weit Anforderungen an Verpackungen und Verpackungsabfälle harmonisieren und damit dem bisherigen Flickenteppich nationaler Regelungen ein Ende bereiten. Die entscheidende Änderung für den Maschinenbau: Die PPWR hebt die bisherige, klare Trennung zwischen B2B und B2C weitgehend auf. Nahezu alle Verpackungen fallen in den Geltungsbereich, was die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) auf ein neues Level hebt. Dies betrifft erstmals auch reine Industrie- und Transportverpackungen in vollem Umfang.
Expertenblick: André Koring (VDMA)
André Koring, Referent betrieblicher Umweltschutz und Ressourceneffizienz beim VDMA
(Bild: VDMA)
Die PPWR stellt neue Anforderungen an Verpackungen – welche Auswirkungen hat das konkret auf den Kunststoff- und Verpackungsmaschinenbau in Deutschland?
Für den Kunststoff- und Verpackungsmaschinenbau bedeutet dies einen erheblichen Entwicklungs- und Anpassungsaufwand. Gleichzeitig entstehen neue Geschäftsmöglichkeiten, sowohl durch die Nachrüstung bestehender Anlagen als auch durch die Entwicklung neuer Maschinengenerationen.
Wo sehen Sie den größten Innovationsdruck?
Innovationsdruck besteht entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Hochwertige Rezyklate erhält man nur mit moderner Recyclingtechnik. Sie garantiert Sortenreinheit, Entfernung von Schadstoffen und gleichbleibende Materialeigenschaften.
Die Verordnung soll die Kreislaufwirtschaft stärken. Wird sie aus Ihrer Sicht zum Innovationstreiber oder überwiegen derzeit die regulatorischen Herausforderungen?
Die PPWR hat das Potenzial, zu einem Innovationstreiber für den Maschinenbau zu werden. Die Ziele der Verordnung zu erreichen, erfordert neue Technologien und schafft damit Nachfrage nach innovativen Maschinen und Anlagen. Gerade in diesen Bereichen verfügt der Maschinenbau über eine hohe technologische Kompetenz.
Mit Blick auf das Jahr 2030: Welche technologischen Entwicklungen werden den Maschinenbau am stärksten prägen, damit die Ziele der PPWR erreicht werden können?
Digitalisierung ist zentral für die Umsetzung der PPWR. Digitale Technologien bieten neue Möglichkeiten, Produktionsprozesse zu gestalten, Daten zur Optimierung bestehender Prozesse zu generieren und diese anzupassen sowie Materialschwankungen in Echtzeit zu erkennen. Sie tragen maßgeblich dazu bei, den Einsatz von Ressourcen für mehr Nachhaltigkeit zu optimieren und die Maschinennutzung zu flexibilisieren.
Service: Ein ausführliches Interview mit André Koring lesen Sie hier (+). (verfügbar ab 5. August 2026).
Design for Recycling in der Automobilindustrie
Höhere Recyclingquoten für Kunststoffe erreichen man durch besser recycelbare Produkte. Die Grundlage dafür ist das sogenannte „Design for Recycling“. Das heißt, Produkte, Bauteile und Verpackungen werden von Beginn an so entwickelt, dass sie sich leicht sammeln, sortieren und hochwertig wiederverwenden lassen. Das Ziel ist ein geschlossener Kreislauf, der Ressourcen schont und Abfall vermeidet.
Insbesondere im Verpackungsbereich spielt das Konzept eine immer wichtigere Rolle. Es lässt sich jedoch auch auf andere Branchen anwenden, zum Beispiel im Automobilbereich. Denn wenn ein Fahrzeug das Ende seiner Lebensdauer erreicht, bleiben nicht nur Stahl, Aluminium oder Kupfer zurück. Auch Kunststoffe spielen eine wichtige Rolle: Pro Altfahrzeug fallen rund 200 Kilogramm Kunststoff an.
Die Herausforderung besteht darin, diese Materialien möglichst hochwertig zurückzugewinnen und erneut einzusetzen. Ob das gelingt, entscheidet sich schon ganz am Anfang in der Entwicklung: beim Design. Fahrzeuge müssen hohe Sicherheits- und Qualitätsanforderungen erfüllen und bleiben oft viele Jahre im Einsatz. Damit Materialien später im Kreislauf bleiben können, müssen Materialwahl, Bauteildesign und Demontagefähigkeit früh mitgedacht werden.
Stand: 16.12.2025
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Genau hier setzt auch die neue EU-Altfahrzeugverordnung an: Sie soll unter anderem höhere Rezyklatanteile, eine bessere Demontagefähigkeit und die Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe fördern.
Expertenblick: Annika Fuchs (Audi)
Annika Fuchs, Produktnachhaltigkeit
(Bild: Audi AG)
Design for Recycling gilt als Schlüssel für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft. Welche Rolle spielt dieses Prinzip heute bereits bei Audi?
Wir haben den gesamten Lebenszyklus unserer Fahrzeuge im Blick. Das beginnt beim Design und reicht über Einkauf, Herstellung und Vermarktung bis hin zur Wiederverwendung und dem Recycling der Autos. Unsere Produkte gestalten wir von Beginn an für den Kreislauf, gemäß dem Prinzip Design for Circularity. Eine logische Konsequenz daraus ist, dass wir versuchen, möglichst auf wiederaufbereitete, recycelte Materialien zu setzen und die Menge an Primärrohstoffen sukzessive zu reduzieren.
Können Sie das konkretisieren?
2023 haben wir das Programm MaterialLoop gestartet. Anhand verschiedener Materialkreisläufe zu Stahl, Aluminium und Kunststoffen haben wir Erfahrungen mit dem Einsatz von Bauteilen aus Post-Consumer-Rezyklat in mehreren Serienmodellen gesammelt. Seither gewinnen wir immer mehr Erkenntnisse dazu. Intern haben wir uns Rezyklat-Vorgaben gegeben und unter anderem einen Leitfaden für Lieferanten für Kunststoffe entwickelt.
Welche konstruktiven oder materialseitigen Entscheidungen haben den größten Einfluss darauf, ob Kunststoffbauteile am Ende ihres Lebenszyklus hochwertig recycelt werden können?
Materialauswahl und Verbindungstechnik sind die beiden wesentlichen Faktoren für die Gestaltung von Bauteilen. Am besten lassen sich Monomaterialien recyceln, also alles, was aus einem einzigen Werkstoff besteht. Wobei es auch hier Unterschiede gibt, denn manche Werkstoffe sind leichter zu recyceln als andere. Darauf folgen miteinander im Recycling kompatible Stoffe, also solche, fürs Recycling nicht eigens getrennt werden müssen. Die dritte Gruppe sind Materialien, die vielleicht nicht gut miteinander recycelt werden können, die sich dafür aber möglichst einfach wieder trennen lassen.
Wie verändert der steigende Einsatz von Rezyklaten die Anforderungen an Bauteildesign, Materialauswahl und Qualitätssicherung?
Unser Fokus liegt auf Premium-Qualität: in Optik, Haptik und Geruch. Und natürlich müssen hohe Sicherheitsstandards erfüllt werden. Alle verwendeten Materialien müssen darauf einzahlen.
Was muss sich aus Ihrer Sicht in den nächsten fünf Jahren ändern, damit Design for Recycling in der Automobilindustrie vom Best Practice zum Branchenstandard wird?
Um geschlossene Materialkreisläufe zu etablieren, müssen alle relevanten Parteien an einem Strang ziehen. Als Automobilhersteller stehen wir dazu im engen Austausch mit Recycling-Partnern und der Zulieferindustrie. Überdies haben wir klare Prozesse etabliert, nach denen wir Materialkreisläufe bei unseren Fahrzeugen (in Serie) umsetzen. Nicht zuletzt sind eine enge Zusammenarbeit und erreichbare gemeinsame Ziele von Politik, Recycling- und Automobilindustrie wünschenswert.
Chemisches Recycling: Marktdimension und Entwicklungspotenzial
Geht es um Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen, stößt man zwangsläufig auf ein Thema: chemisches Recycling. Es erlaubt die Aufbereitung bislang schwer verwertbarer Abfälle zu hochwertigen Rohstoffen.
Im Gegensatz zum mechanischen Recycling verändern diese Verfahren die chemische Struktur des Materials. Das heißt, die Polymerketten werden bis hin zu ihren Monomeren oder chemischen Grundbausteinen aufgespaltet. So entstandene Sekundärrohstoffe können von der chemischen Industrie für verschiedene Zwecke eingesetzt werden – zum Beispiel für die Produktion neuer Kunststoffe, die die gleiche Qualität wie Neuware aufweisen.
Derzeit spielt das chemische Recycling mengenmäßig noch eine untergeordnete Rolle. Die Industrie will das jedoch ändern. So wollen die Mitgliedsunternehmen von Plastics Europe etwa bis zum Jahr 2030 etwa 8 Milliarden Euro investieren. Mit den dann verfügbaren Anlagen sollen jährlich rund 3,4 Millionen Tonnen chemisch recycelter Kunststoff hergestellt werden können.
Expertenblick: Prof. Matthias Franke (Fraunhofer Umischt)
Prof. Matthias Franke, Leiter des Fraunhofer Umsicht Institutsteils in Sulzbach-Rosenberg
(Bild: Fraunhofer Umsicht)
Wo steht Deutschland beim chemischen Recycling?
Deutschland weist im Vergleich zu allen anderen EU-Ländern aktuell die größte Anzahl an Projektplanungen auf und führt auch bei der geplanten Gesamtkapazität mit etwa 720 kT. Dabei ist die Pyrolyse die dominierende Technologienbasis. Auf sie entfallen etwa 690 kT der Kapazitäten.
Wann macht chemisches Recycling Sinn?
Unter zwei Bedingungen: Erstens muss es sich um Kunststoffabfälle handeln, die werkstofflich nicht in der geforderten Qualität recycelbar sind. Zweitens erfordern ökonomische Randbedingungen Mengenströme von wenigstens mehreren 10.000 Jahrestonnen je Anlage. Sofern es sich um einzelne Werkstoffe oder Monofraktionen einzelner Polymertypen handelt, sind die werkstofflichen Recyclingverfahren zu favorisieren.
Was sind derzeit die größten Herausforderungen bei der Skalierung?
Investitionen in chemisches Recycling erfordern zunächst eine stabile Nachfrage und entsprechende Abnahmeverträge. Diese Nachfrage entsteht durch den regulatorischen Rahmen, der etwa im Bereich der Kunststoffverpackungen Rezyklateinsatzquoten vorgibt. Allerdings weist die Regulatorik immer noch Unsicherheiten auf.
Noch spielt das chemische Recycling in Deutschland mengenmäßig eine untergeordnete Rolle. Was ist zukünftig möglich?
Das chemische Recycling ist prädestiniert für die Gewinnung hochwertiger Rezyklate aus werkstofflich nicht recycelbaren Kunststoffen und Kunststoffmischfraktionen. Neben den Mischkunststoffen und Sortierresten aus dem Verpackungssektor kann es auch in vielen anderen Anwendungsbereichen wie Automotive, Medical, Electronics oder für das Recycling faserverstärkter Kunststoffe eingesetzt werden.
Service: Ein ausführliches Interview mit Prof. Matthias Franke lesen Sie hier (Archiv).
Warum ist der digitale Produktpass für das Kunststoffrecycling so wichtig?
Digitalisierung ist kein Hype-Thema, das für eine kurze Zeit in aller Munde ist und dann wieder verschwindet. Sie ist gekommen, um zu bleiben. Das ist mittlerweile auch in der Welt der industriellen Produktion Konsens. Die Möglichkeiten der Digitalisierung sind hier nicht zuletzt Initialzünder zahlreicher Entwicklungen.
Ein Beispiel dafür ist der digitale Produktpass (DDP). Sein Hauptziel besteht darin, vollständige, überprüfbare und zugängliche Informationen über die Zusammensetzung, Herkunft und den Lebenszyklus der in der EU vermarkteten Produkte bereitzustellen.
Er fungiert als digitaler Fußandruck, der jedes Produkt von der Herstellung bis zum Recycling oder der Wiederverwendung begleitet. Er enthält wesentliche Daten wie verwendete Materialien, Anteil an recyceltem Material, Reparatur- und Wartungshinweise, CO₂-Fußabdruck und Nachhaltigkeitsdaten sowie Informationen zur Recycelbarkeit und zum End-of-Life-Management.
Im Bereich des Kunststoffrecyclings ermöglicht der DDP den Nachweis der Herkunft und Authentizität des Materials. Die Rückverfolgbarkeit ist ein entscheidender Faktor, um Vertrauen in nachhaltige Produkte aufzubauen und Umweltangaben zu verifizieren – mit nur einem Klick.
Expertenblick: Dr. Benedikt Brenken (R-Cycle)
Dr. Benedikt Brenken, Direktor von R-Cycle
(Bild: R-Cycle)
Warum ist der digitale Produktpass gerade für das Kunststoffrecycling von so großer Bedeutung?
Kunststoff ist in seiner Leistungsfähigkeit und Vielseitigkeit ungeschlagen und aus modernen Lebensräumen nicht wegzudenken. Das Problem liegt jedoch im präzisen Recycling. Unser heutiger Haushaltsmüll ist ein hochkomplexer Abfallstrom. Ohne genaue Informationen über die exakte Kunststoffsorte, die Inhaltsstoffe oder die vorherige Verwendung lässt sich der Abfall nicht sortenrein trennen.
Inwieweit ändert der digitale DDP das?
Der digitale Produktpass liefert hier das fehlende Puzzleteil: die Information. Indem recyclingrelevante Eigenschaften wie Materialzusammensetzung und verwendete Additive während der Herstellung automatisch erfasst und der Verpackung mitgegeben werden, können moderne Sortieranlagen diese Informationen auswerten.
Welche Herausforderungen sehen Sie bei der Einführung?
Die größte Herausforderung liegt in der Abwesenheit einer interoperablen Infrastruktur für den standardisierten Datenaustausch über Unternehmensgrenzen hinweg. Da an der Herstellung einer Verpackung meist viele verschiedene Akteure beteiligt sind, führt die manuelle Datenbeschaffung zu enormen Aufwänden.
Wie lässt sich das ändern?
Unsere Antwort darauf basiert auf zwei Säulen: globale Standards und Communitiy-Ansatz.
Wie wird der DDP das Kunststoffrecycling verändern?
Grundlegend – allerdings nicht von heute auf morgen. Er wird sich schrittweise von einer innovativen Vorreiter-Technologie zum Industriestandard entwickeln und die Grundlage für datenbasierte Kreislaufwirtschaftsprozesse schaffen.
Service: Ein ausführliches Interview mit Dr. Benedikt Brenken lesen Sie hier (+).
Wie verbessert künstliche Intelligenz die Sortiertechnik?
Fest steht: Die Transformation der gesamten Wirtschaft zu einer umfassenden Kreislaufwirtschaft gewinnt an Fahrt – und nur sie kann Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Abfallreduktion garantieren. Doch dabei stößt sie auf technische Herausforderungen.
Künstliche Intelligenz (KI) spielt eine Schlüsselrolle bei der Überwindung dieser Hürden, indem sie beispielsweise die Abfallsortierung optimiert – Materialien können präziser erkannt und klassifiziert werden. Vor allem dann, wenn sie mit klassischen Sensortechnologien nicht zu unterscheiden sind. Dadurch lassen sich Sortierprozesse stabilisieren, Materialverluste reduzieren und die Qualität der erzeugten Rezyklate verbessern.
Expertenblick: Andreas Hanus (Sesotec)
Andreas Hanus, Head of Development AI bei Sesotec
(Bild: Sesotec)
KI hält zunehmend Einzug in die Sortiertechnik. Welche konkreten Vorteile bietet KI gegenüber klassischen Sortierverfahren?
Der entscheidende Vorteil ist, dass gut trainierte KI-Sortiersysteme heute Entscheidungen treffen, die bislang häufig nur in der manuellen Nachsortierung möglich waren – allerdings mit der Geschwindigkeit, Konsistenz und Reproduzierbarkeit einer Maschine.
Wo stößt die heutige Sortiertechnik bei Kunststoffabfällen noch an ihre Grenzen – und wie kann KI helfen, diese zu überwinden?
Ein aktuelles Beispiel ist die PPWR. Sie schreibt künftig für zahlreiche Kunststoffverpackungen verbindliche Mindestrezyklatanteile vor – auch für kontaktsensitive Lebensmittelverpackungen. Dafür sind besonders saubere und gezielt getrennte Materialströme erforderlich. Klassische Sortiertechnik stößt hier an Grenzen, denn bei gleichem Polymertyp und ähnlicher Farbe kann sie häufig nicht erkennen, ob ein Artikel ursprünglich aus dem Food- oder dem Non-Food-Bereich stammt.
Wie lassen sich diese Hürden mithilfe der KI überwinden?
Die KI-Objekterkennung eröffnet neue Möglichkeiten. Sie berücksichtigt zusätzliche Merkmale wie Form, Aufdrucke oder typische Gestaltungselemente und kann daraus Rückschlüsse auf die ursprüngliche Anwendung ziehen.
Mit Blick auf die kommenden Jahre: Welche Entwicklungen erwarten Sie bei der KI-gestützten Sortierung – und wie werden sie die Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe verändern?
Ein leistungsfähiger Algorithmus allein genügt nicht. Entscheidend ist, wie robust und zuverlässig KI-Anwendungen unter realen Betriebsbedingungen funktionieren – auch bei wechselnden Materialqualitäten und Umgebungsbedingungen.
Für die Kreislaufwirtschaft bedeutet das: Bislang schwer erschließbare Stoffströme werden besser nutzbar, bestehende Materialströme lassen sich gezielter reinigen und Anlagen flexibler an neue Verpackungskonzepte sowie regulatorische Anforderungen anpassen. KI wird die klassische Sortiertechnik nicht ersetzen, sondern sie intelligent erweitern – und Sortieranlagen leistungsfähiger, flexibler und nachhaltiger machen.
Service: Ein ausführliches Interview mit Andreas Hanus lesen Sie hier (+). (verfügbar ab 31. Juli 2026).
Fazit & Ausblick
Die Kunststoffindustrie steht vor der Aufgabe, ihre Wertschöpfung grundlegend zirkulär auszurichten. Dafür braucht es ein Zusammenspiel aus recyclinggerechtem Design, klaren regulatorischen Rahmenbedingungen, digitalen Lösungen und leistungsfähigen Recyclingtechnologien.
Kreislaufwirtschaft ist damit nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sondern auch ein zentraler Faktor für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Wer jetzt in zirkuläre Prozesse und Materialien investiert, schafft die Grundlage für eine widerstandsfähige Kunststoffindustrie von morgen.