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PlastXnow erklärt – Multi Jet Fusion Speed und Präzision für die additive Serienfertigung

Von Melanie Ehrhardt (verantwortlich) 5 min Lesedauer

Lange Zeit galt die additive Fertigung nicht als serientauglich. Mit Multi Jet Fusion ändert sich das. Damit lassen sich Entwicklungen schneller umsetzen und Bauteile direkt in die Serienfertigung überführen.

Rotor Riot SkyLite FPV-Drohne ausgestattet mit MJF produzierten Teilen.(Bild:  Unusual Machines)
Rotor Riot SkyLite FPV-Drohne ausgestattet mit MJF produzierten Teilen.
(Bild: Unusual Machines)

Lange Zeit galt die additive Fertigung nicht als serientauglich. Mit der Entwicklung von Multi Jet Fusion (MJF) änderte sich das. Das Verfahren schlägt die Brücke zwischen Prototyping und Serienfertigung, weil sich damit sowohl einzelne Prototypen als auch kleine sowie mittlere Serien wirtschaftlich herstellen lassen. 

Zudem ermöglichen die hohe Druckgeschwindigkeit, die gleichbleibende Bauteilqualität und der Verzicht auf Werkzeuge eine flexible und kosteneffiziente Produktion. Dadurch können Unternehmen Entwicklungen schneller umsetzen und Bauteile ohne aufwendige Umrüstung direkt in die Serienfertigung überführen.

Was ist Multi Jet Fusion?

Multi Jet Fusion ist ein industrielles 3D-Druckverfahren für Kunststoffteile, das von HP entwickelt wurde. Es gehört zur Familie der Pulverbettverfahren und ist besonders für die schnelle Herstellung funktionaler Prototypen und Serien kleiner bis mittlerer Stückzahlen geeignet.

Unterschied zum Lasersintern

Multi Jet Fusion unterscheidet sich vom Lasersintern (SLS) dadurch, dass das Kunststoffpulver nicht mit einem Laser punktweise verschmolzen wird, sondern mithilfe von aufgetragenen Schmelz- und Detailierungsmitteln sowie Infrarotenergie. Dadurch ist der Druckprozess schneller und es werden oft eine Oberflächenqualität sowie gleichmäßigere Bauteileigenschaften erzielt werden.

Wie funktioniert der MJF-Prozess?

Der MJF-Druckprozess läuft in mehreren Schritten ab:

  • Eine dünne Schicht thermoplastischem Pulver – oft Nylon oder TPU – wird auf einer Bauplattform verteilt.
  • Anschließend können die Tintenstrahldruckköpfe mit dem Druck der ersten Schicht beginnen. Dazu applizieren sie selektiv ein Bindemittel auf das Pulver und zeichnen dabei schichtweise das Bauteil nach. Zeitgleich wird eine isolierende Flüssigkeit auf die Konturen des Objekts aufgetragen, um sie klarer abzugrenzen. 
  • Dann senkt sich die Bauplatte leicht ab, und es wird eine weitere Pulverschicht aufgetragen. Dieser Vorgang wird wiederholt, bis alle Schichten vollständig sind.

Nach dem Druck kühlt das Bauteil im Pulverbett ab, bevor das überschüssige Pulver entfernt und das fertige Bauteil entnommen wird. Auf einer Nachbearbeitungsstation erfolgt eine halbmanuelle Reinigung des Bauteils.

Im letzten Schritt werden die Bauteile glasperlengestrahlt. Dabei bläst ein Hochdruckstrahl feine Glasperlen auf die Bauteile, um die Oberfläche zu glätten und Pulverreste zu entfernen.

 Die Materialwelt von MJF

Eines der gängigsten MJF-Materialien in Polyamid 12 (PA12 bzw. Nylon). Der Hochleistungskunststoff verfügt über ausgewogenen mechanischen Eigenschaften und hoher Oberflächengüte. Überdies weist er eine gute Chemikalienbeständigkeit auf und kann wassergefärbt werden. Mit PA12 lassen sich wasserdichte MJF-Teile drucken.

Daneben gibt es noch weitere mögliche Werkstoffe, wie PA11 (besser für duktile Bauteile) sowie Polypropylen (PP).  

FAQ

Welche Vorteile bietet Multi Jet Fusion?

MJF ermöglicht eine hohe Druckgeschwindigkeit, gute Oberflächenqualität und belastbare Bauteile. Außerdem sind keine Stützstrukturen erforderlich, wodurch komplexe Geometrien einfach hergestellt werden können.

Welche Materialien können mit Multi Jet Fusion verarbeitet werden?

Am häufigsten werden Kunststoffe wie PA12 (Nylon 12) und PA11 (Nylon 11) verarbeitet. Diese Materialien zeichnen sich durch hohe Festigkeit und gute Beständigkeit aus.

Ist eine Nachbearbeitung der Bauteile notwendig?

Ja. Nach dem Druck werden die Bauteile zunächst vom überschüssigen Pulver befreit. Je nach Einsatzbereich können anschließend weitere Nachbearbeitungsschritte wie Färben, Schleifen oder Beschichten erfolgen.

Vergleich: MJF vs SLS

Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass MJF schneller ist, was tendenziell zu geringeren Fertigungskosten führt. Während der Kostenfaktor wichtig ist, sind auch noch andere Aspekte zu berücksichtigen, wie etwa die Auflösung, Oberflächenqualität, Material- und Farbauswahl sowie mechanische Eigenschaften:

  • Auflösung: Mit MJF lassen sich kleinere Merkmale bis zu 0,5 mm erzeugen.  Bei SLS hingegen sind je nach Material „nur“ Merkmale zwischen 0,75 mm und 1,0 mm möglich.  
  • Oberflächenqualität: Theoretisch ist hier MJF der Favorit, wobei beide Technologien Teile mit einer körnigen Textur erzeugen, die gegebenenfalls nachbearbeitet werden müssen.
  • Materialien: Bei beiden Verfahren wird vorwiegend Nylon verwendet. Mit SLS können jedoch auch andere Materialien wie karbon- oder glasgefülltes PA verarbeitet werden, das zusätzliche mechanische Eigenschaften bietet.  
  • Farbe:  Hier ist eindeutig SLS der Favorit, da sich damit Teile in nahezu jeder beliebigen Farbe herstellen lassen. Bei MJF gibt es diesbezüglich hingegen Einschränkungen. Daher haben mit MJF gefertigte Teile einen leichten Graustich, können aber vom Hersteller auf Wunsch schwarz gefärbt werden.
  • Mechanische Eigenschaften: Auch hier scheint MJF auf den ersten Blick die bevorzugte Technologie zu sein, da sich damit generell konsistentere mechanische Eigenschaften erzielen lassen. Für Teile mit wichtigen Merkmalen auf mehreren Oberflächen kann MJF die bessere Wahl sein.

AdditivX | 22. September 2026

Additive Fertigung als Werkzeug für Supply Chain, Produktion und Service

AdditivX – Additive Fertigung als Werkzeug für Supply Chain, Produktion und Service
(Bild: Vogel Communications Group / WIN-Verlag)

Die Tagung soll zeigen, wie Kunststoff- und auch Metall-3D-Druck als strategisches Werkzeug für Ersatzteile eingesetzt werden kann – unabhängig von der Branche. Im Mittelpunkt stehen Materialien, Prozesse, Wirtschaftlichkeit und Integration in bestehende Produktions- und Instandhaltungsstrukturen auch aus weiteren Bereichen der additiven Fertigung.

Schwerpunkte der Veranstaltung:

  • Additive Transformation @ Daimler Truck & Buses (Keynote)

  • Welche material- und prozesstechnischen Anforderungen muss ein Hochleistungswerkstoff in der additiven Fertigung erfüllen?

  • Digitales Ersatzteillager: Fiktion oder Realität?

  • Führung durch das SKZ Technikum

Wo wird MJF eingesetzt?

Multi Jet Fusion wird überall dort eingesetzt, wo Festigkeit und mittlere Temperaturbeständigkeit verlangt werden. Dazu gehören: Funktionsprototypen, Gehäuse und Abdeckungen, Halterungen und Montagehilfen, Ersatzteile, Kleinserien und individualisierte Produkte sowie medizinische und industrielle Komponenten.

Praxisbeispiel: FPV-Drohnen

Der US-amerikanische Drohnenhersteller Unusual Machines setzt  die HP Multi Jet Fusion für die Produktion seiner FPV-Drohnen ein. Das Unternehmen will damit die Herstellung von Komponenten wie Gehäusen, Verbindungsstücken und kleineren Bauteilen für seine SkyLite-Serie in die USA verlagern. Weiterlesen auf www.autocad-magazin.de

Zusammenfassung

Multi Jet Fusion ist ein schnelles und präzises industrielles 3D-Druckverfahren für Kunststoffe. Es eignet sich besonders für belastbare Funktionsteile und die wirtschaftliche Fertigung kleiner bis mittlerer Serien und bietet häufig eine bessere Kombination aus Geschwindigkeit, Oberflächenqualität und mechanischen Eigenschaften als viele andere Kunststoff-3D-Druckverfahren.

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