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Kreislaufwirtschaft: Prof. Manfred Renner im Interview „Komplexe Aufgabenstellungen haben keine einfachen Antworten“

Das Gespräch führte Melanie Ehrhardt 4 min Lesedauer

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Prof. Dr.-Ing. Manfred Renner, Institutsleiter des Fraunhofer UMSICHT, spricht über die Schlüsselrolle der Kreislaufwirtschaft für eine nachhaltige Kunststoffindustrie. Dabei macht er deutlich: Es kommt nicht auf schnelle Einzellösungen an.

Prof. Dr.-Ing. Manfred Renner: „Um technologische Zukunft zu gestalten, ist es elementar, Technologien verstehbar zu machen“.(Bild:  geralt /  Pixabay)
Prof. Dr.-Ing. Manfred Renner: „Um technologische Zukunft zu gestalten, ist es elementar, Technologien verstehbar zu machen“.
(Bild: geralt / Pixabay)

Wenn wir von Kreislaufwirtschaft reden, geht es schnell um das Recycling von Kunststoffabfällen. Dabei verbirgt sich hinter dem Begriff viel mehr. Denn Kreislaufwirtschaft ist vor allem eins: ein Wirtschaftsmodell.  Dieses basiert auf der Idee, Ressourcen wieder und wieder zu nutzen. Statt Rohstoffe abzubauen, Produkte herzustellen und sie nach Gebrauch zu entsorgen. 

Die Kreislaufwirtschaft ist also weit mehr als eine Lösung im Kampf gegen Abfälle. Sie liefert Antworten auf Fragen der Ressourcenknappheit, steigender Umweltbelastungen und globaler Lieferkettenkrisen.

Kleiner Schönheitsfehler: In vielen Fällen handelt es sich dabei um eine schöne Theorie. Wie lässt sich das ändern? Darüber haben wir mit Prof. Dr.-Ing. Manfred Renner gesprochen.

Zur Person

Prof. Dr.-Ing. Manfred Renner ist promovierter Maschinenbauingenieur. Spezialisiert ist er auf Materialentwicklung und Verfahrenstechnik, die für die Entwicklung und Umsetzung einer Circular Economy erforderlich sind. Mit seinen vielfach ausgezeichneten Forschungsarbeiten zur Nutzung verdichteten Kohlendioxids hat er international Maßstäbe gesetzt. Seit 2022 ist Renner Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen. 

Hintergrund für das Gespräch: Renner gehörte zu den Sprechern der diesjährigen Innovationspressekonferenz von Plastics Europe Deutschland, die am 11. September in Berlin stattfand. Ziel der Veranstaltung war es unter anderem, einen neuen Blick auf das Thema Kunststoffe eröffnen: weg von der oft dominierenden Abfallperspektive, hin zu ihrer Rolle als Enabler für die Energiewende, KI, Medizintechnik, Mobilität und weitere Anwendungen der Zukunft.

PlastXnow: Die Kreislaufwirtschaft gilt als Schlüssel für eine nachhaltige Kunststoffindustrie. Was muss passieren, damit aus diesem Konzept im großen Maßstab gelebte Realität wird?

Prof. Dr.-Ing. Manfred Renner: Es gibt verschiedene große Hebel. Ein Hebel bezieht sich auf den Konsum von Produkten. Wenn wir die Logik in großem Umfang von „kaufen, nutzen und wegwerfen“ ändern zu „kaufen, lange nutzen und weiter nutzen“ oder „benutzen statt besitzen“ über neue Geschäftsmodelle, bei denen das Produkt im Besitz des Herstellers bleibt, ist der Effekt immens. 

Was wäre ein weiterer Hebel?

Wenn die Produkte, gerade die Kunststoffkomponenten von Produkten, das Ende ihres Lebenszyklus erreichen, müssen sie zu hochwertigen Rezyklaten recycelt werden. Hierfür braucht es bei derzeitigen Rohölpreisen signifikante wirtschaftliche Anreize, ob Malus- oder Bonusregelungen, für Unternehmen, damit die enorm hohen Kosten für den Aufbau der Infrastruktur getätigt werden. 

Hört sich erst einmal machbar an.

Das sind nur zwei Hebel. Denn eins gilt gerade auch für die Kreislaufwirtschaft: Extrem komplexe Aufgabenstellungen haben keine einfachen Antworten!  

Sie beschäftigen sich mit neuen Materialien und Recyclingverfahren. Welche Entwicklung stimmt Sie aktuell besonders optimistisch, dass Kunststoffe künftig deutlich häufiger im Kreislauf geführt werden können?

Hoffnungsvoll stimmen mich vielfältige Entwicklungen in Wissenschaft und Industrie; oft auch in einer Skalierung bis in den Technikums- und Pilotmaßstab. Wir haben nach meiner vollen Überzeugung kein technologisches Problem. Wir müssen uns aber auf ein System beziehungsweise Zielgrößen verbindlich verständigen und darauf, wie wir ein solches System in Europa flächendeckend umsetzen. 

Produktdesign, vor allem auch bei kurzlebigen Einweg-Verpackungen mit extrem hoher Tonnage, ist der erste Baustein. Die Art der Sammlung, Sortierung, Materialaufbereitung und der verwendeten Recyclingverfahren etc. und die Nutzung von Digitalisierung und KI über die gesamten Prozesse sind ebenfalls elementare Bausteine.

Gibt es noch weitere „Hoffnungsträger“?

Ebenfalls stimmt mich hoffnungsvoll, dass es für hochwertige und zirkuläre Lösungen Kunden gibt. Das gilt insbesondere für B2B-Geschäftsmodelle, vor allem Product-Service-Systems, aber auch für B2C-Produkte, für die Kunden bereit sind, mehr zu bezahlen, weil es für sie Kunden einen Wert darstellt. 

Diese Werte, beispielsweise verknüpft mit Design, Langlebigkeit, Hochwertigkeit, Branding, Lifestyle, zu kommunizieren und den Stolz auf das Kaufen oder Nutzen dieser Produkte zu lenken ist die Aufgabe von Kommunikation und Marketing auf vielen Ebenen. Das geschieht bisher seitens der EU, der Staaten und der Unternehmen in einem viel zu geringen Umfang für eine wirklich große Veränderung. Wiederum ein weiterer Baustein, keine monolithische Lösung.

Viele Menschen wünschen sich nachhaltigere Produkte, gleichzeitig müssen sie bezahlbar und leistungsfähig bleiben. Wie kann die Forschung dazu beitragen, diesen Spagat zu schaffen?

Innovationen und deren Skalierung in World-Scale sind ein elementarer Schlüssel zur Kostenreduktion gegenüber einer Kleinserie. Eine der wichtigen Aufgaben der Fraunhofer-Gesellschaft ist es, Innovationen vom Labormaßstab in die Skalierung zu bringen. Hierfür ist die intensive und vielseitige Kommunikation zwischen Unternehmen, Politik, Gesellschaft und Fraunhofer-Gesellschaft wichtig. 

Das heißt?

Um technologische Zukunft zu gestalten, ist es elementar, Technologien verstehbar zu machen und gleichzeitig zu verstehen, wohin die Entwicklung gehen soll und was wirklich gewollt ist. Ein nicht endender Kreislauf – allerdings nicht der Materialien, sondern der kontinuierlichen Kommunikation, um Ziele zu definieren und sie dann auch gemeinsam zu erreichen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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