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Tecpart-Branchentreff in Erfurt Wie Verarbeiter ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern

Quelle: Pressemitteilung 3 min Lesedauer

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Unter dem Motto „Richtung geben, Zukunft gestalten“ berieten auf der Tecpart-Jahrestagung in Erfurt knapp 150 Akteure aus der Kunststoffbranche über Auswege aus der Krise. Neue Techniksessions und prägnante Impulse boten Orientierung zwischen Standortpolitik, Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft.

Eröffnung der Tecpart Jahrestagung in Erfurt mit Felix Loose (l.) und Michael Weigelt.(Bild:  Tecpart)
Eröffnung der Tecpart Jahrestagung in Erfurt mit Felix Loose (l.) und Michael Weigelt.
(Bild: Tecpart)

Die wirtschaftliche Lage für die deutsche Kunststoffverarbeitung präsentiert sich derzeit bekanntlich kritisch. Hohe Energie- und Standortkosten, eine schwache Konjunktur sowie wachsende bürokratische Auflagen setzen Verarbeiter, Recycler und Zulieferer unter Druck. Seit dem Jahr 2020 hat die Branche bereits rund 10 % ihrer Beschäftigten verloren, was dem Abbau von etwa 30.000 Arbeitsplätzen entspricht.

Auf der Jahrestagung des Verbandes Technische Kunststoff-Produkte (Tecpart) am 9. und 10. September 2026 in Erfurt berieten die Teilnehmer deshalb intensiv über konkrete Wege aus der Krise. „Neue Regulierung zu Rezyklatquoten – ob im Auto oder künftig in Elektroprodukten –, Berichtspflichten, Verpackungsanforderungen und der digitale Produktpass schaffen erheblichen zusätzlichen Handlungsdruck und unproduktiven, kostenintensiven Aufwand“, kritisiert Felix Loose, Vorstandsvorsitzender bei Tecpart und Geschäftsführer der Roga KG. Gleichzeitig fehle es an praxistauglichen Umsetzungspfaden, wie aktuell bei der Verpackungsverordnung sichtbar werde. Diese Schieflage gefährde nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, sondern untergrabe auch die gewünschte Transformation hin zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. „Bürokratische Hürden müssen schnellstmöglich abgebaut werden, Anforderungen müssen technisch, wirtschaftlich und administrativ leistbar sein“, fordert Felix Loose mit Blick auf den Erhalt der Kunststoffverarbeitung in Deutschland.

Techniksessions bieten Antworten auf Praxisfragen

Um den Austausch zu vertiefen, setzte der Verband am ersten Veranstaltungstag erstmals auf ein neu konzipiertes Format. In drei parallelen Techniksessions diskutierten Fachleute gezielt spezifische Herausforderungen der Spritzgießer, Thermoformer sowie der Compoundierer und Recycler. „Die thematische Auffächerung unseres Formats wurde sehr gut von den Teilnehmenden aufgenommen und soll nun ein fester Bestandteil unserer Jahrestagung werden“, erklärt Tecpart-Geschäftsführer Michael Weigelt. Das Auditorium nutzte die Gelegenheit, um Prozessoptimierungen, Materialfragen und praxistaugliche Kreislaufansätze direkt mit Experten zu erörtern.

Voller Saal auf der Tecpart Jahrestagung 2026 in Erfurt.(Bild:  Tecpart)
Voller Saal auf der Tecpart Jahrestagung 2026 in Erfurt.
(Bild: Tecpart)

Dass etablierte Verarbeitungsverfahren keineswegs an ihren technologischen Grenzen angekommen sind, verdeutlichte Prof. Dr. Florian Puch von der TU Ilmenau. Er zeigte in seinem Beitrag, dass Spritzgießen, Extrusion und Thermoformen gerade an den Schnittstellen zu Digitalisierung, Materialentwicklung und neuen Produktionsparadigmen erhebliche Effizienzpotenziale bergen. Wie sich geschlossene Werkstoffkreisläufe in der Automobilindustrie konkret umsetzen lassen, veranschaulichte Carina Barbara Antonin von Hirschmann Automotive. Nach ihren Erfahrungen beginnt Kreislaufwirtschaft nicht erst beim Rezyklat, sondern erfordert ein durchdachtes Produktdesign, klare Datenstrukturen und eine verlässliche Kooperation entlang der gesamten Lieferkette.

Strukturwandel in der Verwaltung gefordert

Der zweite Veranstaltungstag führte im Plenum zu den drängenden wirtschaftspolitischen Themen der Branche. Im Zentrum des Austauschs standen die Analysen von Prof. Dr. Joachim Ragnitz, stellv. Leiter des Ifo Instituts Dresden, und Mario Suckert, Staatssekretär im Thüringer Wirtschaftsministerium. Ragnitz hob hervor, dass der Strukturwandel für die Betriebe längst Realität sei. Entscheidend bleibe nun, ob Deutschland Dekarbonisierung, globalen Wettbewerbsdruck und politische Rahmenbedingungen so verbinde, dass daraus neue industrielle Stärke erwachse. 

Podiumsdiskussion mit Mario Suckert (2.v.l., Staatssekretär in Thüringen) und Prof. Joachim Ragnitz (3.v.l., Ifo-Institut).(Bild:  Tecpart)
Podiumsdiskussion mit Mario Suckert (2.v.l., Staatssekretär in Thüringen) und Prof. Joachim Ragnitz (3.v.l., Ifo-Institut).
(Bild: Tecpart)

Mario Suckert verwies auf den aktuellen Mittelstandsbericht der Landesregierung, der die Belastungen der Unternehmen offen darlegt. Er forderte, die Produktivität gezielt zu stärken und die Förderpolitik zu überprüfen, wobei die Wiederaufnahme des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) eine wichtige Rolle spiele. Zudem mahnte der Staatssekretär einen Kulturwandel in den Behörden an. Verwaltungsorgane müssten Berichtspflichten abbauen, langwierige Genehmigungen verkürzen und künftig mutiger aus der Perspektive der Unternehmen entscheiden.

Operative Resilienz und Profitabilität

Zudem standen Handlungsfähigkeit und Risikovorsorge auf der Agenda. Dominik Bredel, Director bei PricewaterhouseCoopers (PwC), ordnete die operative Resilienz als strategischen Wettbewerbsfaktor ein. Angesichts von Cyberrisiken, volatilen Lieferketten und wachsender Regulierung müssten Unternehmen ihre kritischen Prozesse exakt kennen und Notfallpläne regelmäßig in der Praxis testen. Holger Perrey, Leiter Firmenkunden einer regionalen Sparkasse, erläuterte dazu, wie eine vorausschauende Liquiditätssteuerung und systematische Risikoanalysen den unternehmerischen Handlungsspielraum sichern. 

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Wie Verarbeiter ihre Fertigung mit moderner Technologie optimieren, zeigten praxisnahe Fachbeiträge. Dr. Stephan Dörfler, Geschäftsführer bei Auguris, veranschaulichte den gewinnbringenden Einsatz Künstlicher Intelligenz für eine robustere Produktionsplanung. Dr. Axel Tome, CEO der Concept AG, rückte unter dem Leitmotiv „Produce to Profit“ die konsequente Verbesserung von Kostenstrukturen in den Mittelpunkt. Ein reales Praxisbeispiel belegte eindrucksvoll, dass Kunststoffverarbeiter auch im derzeitigen Marktumfeld profitabel produzieren können. 

„Die Innovationsreise der Kunststofftechnik ist in vollem Fluss. Wettbewerbsfähigkeit kann aber nur dort entstehen, wo technologische Stärke, unternehmerische Anpassungsfähigkeit und politische Rahmenbedingungen industrielle Wertschöpfung ermöglichen und attraktiv machen“, betonte Michael Weigelt. Weil Deutschland hier deutlichen Nachholbedarf aufweise, werde sich Tecpart auf Bundes- und EU-Ebene weiterhin nachdrücklich für verlässliche Regeln und eine praxisnah ausgerichtete Politik einsetzen. 

Die nächste Tecpart-Jahrestagung findet am 16. und 17. September 2027 in Nürnberg statt.