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Zweiter Platz beim Biopolymer Innovation Award 2026 Biokunststoff zum Erdölpreis

Von Alex Braun, Snow Polymers 6 min Lesedauer

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Biokunststoff ohne Aufpreis: Snow Polymers bringt abfallbasierte, biologisch abbaubare Polymere auf das Kostenniveau von Polyethylen und Polypropylen. Das Material kann direkt auf vorhandenen Anlagen verarbeitet werden. Das Start-up-Unternehmen hat hierfür den zweiten Preis beim Biopolymer-Award erhalten.

Die Gründer von Snow Polymers (v.l.): Alex Braun, Dr. Shai Garty, Sharon Raymond. Das Start-up entwickelt biologisch abbaubare Kunststoffe aus organischen Abfällen.(Bild:  Snow Polymers)
Die Gründer von Snow Polymers (v.l.): Alex Braun, Dr. Shai Garty, Sharon Raymond. Das Start-up entwickelt biologisch abbaubare Kunststoffe aus organischen Abfällen.
(Bild: Snow Polymers)

Das israelische Start-up Snow Polymers entwickelt eine biologisch abbaubare thermoplastische Polymerplattform, die den Einsatz konventioneller erdölbasierter Kunststoffe – insbesondere Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) – in großvolumigen Kunststoffanwendungen reduzieren oder ersetzen soll. Der Ansatz des Unternehmens basiert auf industriellen organischen Abfällen als Rohstoff, der Nutzung bestehender Kunststoffproduktionsanlagen und einer wettbewerbsfähigen Kostenstruktur. Dabei wird eine Materialplattform entwickelt, die zwei industriellen Pfaden dient: als Additiv oder biologisch abbaubare Komponente mit hohem Anteil für bestehende Kunststoffsysteme sowie als Basis für vollständig biologisch abbaubare Produkttypen.

Alex Braun, Mitgründer von Snow Polymers, erhält den zweiten Preis des Biopolymer Innovation Award. (Bild:  PlastXnow/Stefan Lenz)
Alex Braun, Mitgründer von Snow Polymers, erhält den zweiten Preis des Biopolymer Innovation Award.
(Bild: PlastXnow/Stefan Lenz)

Für diese Innovation wurde Snow Polymers beim Biopolymer Innovation Award 2026 mit dem zweiten Preis ausgezeichnet. Das Unternehmen wurde von der Jury zunächst unter die fünf Finalisten gewählt und präsentierte seine Technologie auf dem Biopolymer-Kongress in Halle. Diese Anerkennung spiegelt eine Herausforderung: Der Kunststoffmarkt benötigt nachhaltige Alternativen, doch die meisten Optionen sind noch nicht wettbewerbsfähig, in ihrer Leistung eingeschränkt oder in bestehende Fertigungssysteme nur schwer zu integrieren.

Nachhaltigkeit braucht industrielle Akzeptanz

Die globale Kunststoffindustrie steht unter dem Druck von Regulierungen, Kunden und Endverbrauchern, die Umweltbelastung ihrer Produkte zu reduzieren und sich auf strengere Anforderungen der Kreislaufwirtschaft vorzubereiten. Gleichzeitig haben sich die wirtschaftlichen Grundlagen nicht geändert: Materialien müssen erschwinglich, verfügbar, verarbeitbar und technisch zuverlässig sein. 

Da viele biologisch abbaubare oder biobasierte Materialien preislich deutlich über konventionellen Polymeren liegen oder neue Anlagen und veränderte Verarbeitungsbedingungen erfordern, bleibt der Übergang für großvolumige Verarbeiter oft blockiert. Es besteht eine Kluft zwischen Nachhaltigkeitszielen und industrieller Realität. Snow Polymers wurde gegründet, um diese Lücke zu schließen, indem nachhaltige Kunststoffe drei Bedingungen gleichzeitig erfüllen: wettbewerbsfähige Kosten, Kompatibilität mit bestehenden Verarbeitungsanlagen und ein klarer Vorteil am Ende des Lebenszyklus. 

Die Innovation: abfallbasierte, bio-abbaubare Thermoplaste

Die Innovation beginnt mit der Umwandlung von industriellen organischen Abfallströmen, wie beispielsweise polysaccharidreichen industriellen Nebenströmen, in biologisch abbaubare thermoplastische Polymermaterialien. Die technologische Herausforderung besteht darin, diese minderwertigen organischen Nebenströme in Polymermaterialien umzuwandeln, die eine präzise Kontrolle über Schmelzfluss, thermisches Verhalten, mechanische Eigenschaften, Verarbeitungsstabilität und Kompatibilität mit den Herstellungsverfahren erlauben. 

Snow Polymers entwickelt biologisch abbaubare Thermoplaste, die für das Compoundieren, Pelletieren und Verarbeiten auf bestehenden Kunststoffanlagen ausgelegt sind. Die Technologie ist darauf ausgerichtet, mit etablierten industriellen Verfahren wie Extrusion, Blasfolienextrusion, Gießfolienextrusion, Schmelzspinnen und Formgebung zu funktionieren. Das Ziel der Plattform ist es, Materialien bereitzustellen, die direkt in reale industrielle Wertschöpfungsketten einfließen können. 

Zwei Wege zum Markt

Der Markteintritt von Snow Polymers basiert auf zwei zentralen Pfaden:

  • Der erste Weg ist der Einsatz als Additiv oder als biologisch abbaubare Komponente mit hohem Anteil innerhalb konventioneller Kunststoffsysteme. Dies ist für Hersteller relevant, die den nachhaltigen oder erneuerbaren Anteil ihrer Produkte auf bestehenden Produktionsanlagen erhöhen müssen. Ein kostengünstiges, biologisch abbaubares Additiv fungiert hier als praktische Brücke zu zukünftigen Materialanforderungen. 
  • Der zweite Weg umfasst die Entwicklung spezieller Typen für vollständig biologisch abbaubare Produkte. Hier dienen die Materialien als Hauptbasis für Produkte, bei denen die Anforderung an das Lebensende und die biologische Abbaubarkeit zentral sind. 

Diese beiden Wege widersprechen sich nicht, sondern spiegeln die Realität des Marktes wider, der sich sowohl in schrittweisen Hybridsystemen als auch in direkt vollständig biologisch abbaubaren Produktformaten bewegt.

PE- und PP-Anwendungen im Visier

Polyethylen und Polypropylen dominieren den globalen Kunststoffmarkt aufgrund ihrer Kosten, Verarbeitbarkeit und Leistung. Ein Ersatz oder eine Reduzierung von PE und PP erfordern daher eine wirtschaftlich und industriell realistische Alternative. Das Potenzial von Snow Polymers beschränkt sich deshalb nicht nur auf landwirtschaftliche Mulchfolien. Die größere Chance liegt in großvolumigen Anwendungen, die derzeit von konventionellen Kunststoffen bedient werden. Zu den potenziellen Anwendungsbereichen gehören Agrarfolien, flexible Verpackungen, ausgewählte Einweganwendungen, Vliesstoffe und Textilprodukte sowie spezielle Industrietypen für Hersteller, die ihre Produktionsinfrastruktur nicht umbauen möchten. 

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Agrarfolie als erster Validierungsfall

Agrarfolien müssen dünn, verarbeitbar, mechanisch funktionell und wirtschaftlich tragfähig sein. Da konventionelle Polyethylenfolien nach dem Gebrauch oft stark mit Boden- und Pflanzenresten verunreinigt und schwer zurückzugewinnen sind, bietet die biologische Abbaubarkeit hier einen direkten operativen und ökologischen Wert. 

Snow Polymers hat für diesen Markt das biologisch abbaubare Compound SNP 100 entwickelt. Das zugehörige Technische Datenblatt definiert relevante Material- und Folieneigenschaften für die Folienextrusion, darunter Schmelzfluss, Dichte, Schmelzverhalten und typische mechanische Eigenschaften von Blasfolien. SNP 100 markiert den erfolgreichen Schritt von einem allgemeinen Materialkonzept hin zu einer definierten industriellen Produktrichtung. 

Vom Labormaterial zur industriellen Verarbeitung

Dr. Naftali Kanovsky, Chefchemiker bei Snow Polymers, testet an einer Pilot-Blasfolienanlage die Verarbeitung des biologisch abbaubaren Compounds SNP 100 zu Agrarfolien.
(Bild: Snow Polymers)

Der Übergang von der Laborentwicklung zur industriellen Verarbeitung ist kritisch, da Einzugsverhalten, Schmelzestabilität, Blasenbildung und Folienkontinuität erst im realen Maßstab entscheidend werden. Snow Polymers hat einen erfolgreichen Produktionsschritt auf der Pilot-Blasfolienanlage eines internationalen Agrarfolienherstellers abgeschlossen.

Dieser Meilenstein zeigt den Fortschritt von der Laborphase hin zu praxisrelevanten Verarbeitungsbedingungen, sodass industrielle Partner nun damit beginnen können, die Verarbeitung, Leistung und Typenanpassung konkret zu bewerten. 

Biologische Abbaubarkeit ohne Aufpreis

Konventionelle erdölbasierte Polymere profitieren von globalen Skaleneffekten und ausgereiften Lieferketten, weshalb viele biologisch abbaubare Alternativen auf teure Premium-Anwendungen beschränkt bleiben. Snow Polymers adressiert diese Barriere durch die Nutzung industrieller organischer Abfälle als kostengünstige Rohstoffbasis, um biologisch abbaubare Materialien nahe an das Preisniveau konventioneller Kunststoffe zu bringen. 

Nutzung organischer Abfallströme als Rohstoff. Links: Dr. Shai Garty, Co-Gründer und CTO bei Snow Polymers.
(Bild: Snow Polymers)

Erreicht ein Material annähernde Preisparität und läuft auf bestehenden Anlagen, wird es für ein weitaus breiteres Spektrum von Herstellern relevant. Auch hier bieten Additive einen schnellen und wirtschaftlichen Ansatz, um Nachhaltigkeits- und Regulierungsanforderungen ohne vollständigen Austausch des Materialsystems zu erfüllen. 

Die doppelte Kreislaufwirtschaft

Der Ansatz von Snow Polymers basiert auf einer doppelten Kreislaufeigenschaft:

  • Upstream-Kreislauf: die Nutzung industrieller organischer Abfallströme als Rohstoff, anstatt mit Nahrungsmittelressourcen zu konkurrieren oder rein native biobasierte Inputs zu nutzen. 
  • Downstream-Kreislauf: die gezielte biologische Abbaubarkeit der endgültigen Polymermaterialien am Ende ihres Lebenszyklus. 

Dieses Modell begünstigt zudem regionale Produktionsstrukturen, da lokaler Abfall, lokales Compoundieren und regionale Fertigungspartner effizient miteinander verknüpft werden können. 

Schutz der Technologie bei gleichzeitigem Dialog

Da sich die Kerntechnologie von Snow Polymers weiterhin in der Entwicklung befindet, bleiben vertrauliche Parameter zur Formulierung, Verarbeitung und molekularen Architektur geschützt. Für den industriellen Dialog ist die Botschaft dennoch klar definiert: Es werden biologisch abbaubare thermoplastische Materialien aus industriellen organischen Abfällen für den Einsatz auf bestehenden Kunststoffanlagen entwickelt, die sowohl für Additivanwendungen als auch für vollständig abbaubare Produkttypen geeignet sind. Dies erlaubt Verarbeitern, Compoundeuren und Investoren eine Potenzialbewertung ohne Preisgabe von Know-how.

Das Unternehmen fokussiert sich auf die Zusammenarbeit mit drei strategischen Gruppen: Erstens Verarbeiter, die einen kosteneffizienten Weg suchen, um den nachhaltigen oder biologisch abbaubaren Anteil in bestehenden Produkten via Additiv- oder Hybridkomponenten zu erhöhen; zweitens Unternehmen, die maßgeschneiderte, vollständig biologisch abbaubare Typen für spezifische Produktanwendungen und regulatorische Anforderungen benötigen; und drittens industrielle Abfallproduzenten, deren organische Nebenströme als Rohstoffbasis dienen können. 

Zukunftspotenzial

Das Zukunftspotenzial liegt in der gezielten Verknüpfung von Kosten, Kompatibilität und biologischer Abbaubarkeit. Die Vision des Unternehmens ist es, den Übergang von erdölbasierten Kunststoffen zu nachhaltigen Materialsystemen zu unterstützen, indem Hersteller ihre bestehende Infrastruktur nutzen können. 

Der zweite Preis beim Biopolymer Innovation Award 2026 unterstreicht diese praxisorientierte Ausrichtung. Biologisch abbaubare Kunststoffe sollen keine Premium-Ausnahme bleiben, sondern zu einer wirtschaftlichen, industriellen Alternative werden. Die nächsten Schritte umfassen die kontinuierliche Entwicklung anwendungsspezifischer Typen, deren umfassende Implementierung in die Kunststoffverarbeitung sowie die regulatorische Validierung der biologischen Abbaubarkeit im Rahmen internationaler Kooperationen. 

Snow Polymers

Das Startup-Unternehmen Snow Polymers hat seinen Hauptsitz in Israel und wird vom Deep-Tech-Inkubator InNegev im Süden des Landes unterstützt, was die Skalierung, industrielle Validierung und internationale Expansion sichert. Das Unternehmen entwickelt biologisch abbaubare Kunststoffe aus organischen Abfällen und plant zukünftige Produktionsstätten in Europa und Asien.

Snow Polymers wurde von Sharon Raymond, Dr. Shai Garty und Alex Braun gegründet. Die Technologieentwicklung leitet Dr. Shai Garty (Co-Gründer und CTO) gemeinsam mit dem Chefchemiker Dr. Naftali Kanovsky.

Kontakt: alex@snow-polymers.com; www.snow-polymers.com