Evonik richtet seine Innovationsaktivitäten neu aus und schärft den Fokus auf marktorientierte Entwicklung und schnellere Umsetzung. Dazu gehört auch das chemische Recycling. Der Spezialchemiekonzern hilft, die Qualität von Pyrolyseöl für den Einsatz in Steamcrackern zu verbessern.
Evonik-Fahnen vor Headquarter (Symbolbild)
(Bild: Evonik)
Evonik richtet seine Innovationsaktivitäten neu aus und schärft den Fokus auf marktorientierte Entwicklung und schnellere Umsetzung. Mit der Neuausrichtung adressiert das Unternehmen laut eigener Aussage veränderte Rahmenbedingungen in Industrie und Märkten.
„In der heutigen Zeit gewinnt Resilienz zunehmend an Bedeutung. Unternehmen müssen neu darüber nachdenken, wie sie arbeiten, innovieren, wachsen und erfolgreich bleiben“, sagt Lauren Kjeldsen, im Vorstand von Evonik für Innovation verantwortlich. Derzeit prägen volatile Rohstoffmärkte, technologische Umbrüche und geopolitische Risiken die Märkte.
Innovation Factory untermauert Wachstumspfad
Eine zentrale Rolle übernimmt die Evonik Innovation Factory, die aus der bisherigen Creavis hervorgegangen ist. Sie bündelt und beschleunigt strategisch wichtige Entwicklungsprogramme. „Unser Ziel ist es, Projekte innerhalb von durchschnittlich fünf Jahren zur Marktreife zu führen“, erläutert Christian Eilbracht, Chief Innovation Officer von Evonik.
Die fünf bis sieben Programme konzentrieren sich auf die drei Innovationswachstumskerne von Evonik: biobasierte Lösungen, Energiewende und Kreislaufwirtschaft. Für diese Bereich erwartet Evonik bis 2032 einen zusätzlichen Umsatz von insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro. Die Innovation Factory soll davon bis zu 300 Millionen Euro beitragen.
Evonik vereinfacht chemisches Recycling
Im Pyrolyseverfahren (chemisches Recycling) werden Kunststoffabfälle unter Luftabschluss bei hohen Temperaturen in ihre chemischen Bausteine zerlegt. Das Hauptprodukt dieses Prozesses ist Pyrolyseöl. Es kann fossile Rohstoffe wie Naphtha aus Erdöl ergänzen und in Steamcrackern weiterverarbeitet werden. Dort entstehen die Grundbausteine neuer Kunststoffe, wie Ethylen und Propylen.
Allerdings enthält Pyrolyseöl Verunreinigungen wie Chlor, Stickstoff oder Silizium, die die Effizienz und Prozesssicherheit von Steamcrackern beeinträchtigen können. „Cracker-Betreiber setzen strenge Qualitätsstandards für die eingesetzten Rohstoffe“, sagt Hendrik Rasch, der im Next Markets Program von Evonik den Bereich Circular Packaging and Plastics Recycling verantwortet. Die Produkte setzen genau hier an. „Sie helfen, die Qualität des Pyrolyseöls entscheidend zu verbessern“, so Rasch weiter.
Evonik hat bereits vor Jahren begonnen, Technologien für die Reinigung von Pyrolyseöl zu entwickeln. Dabei konnte das Unternehmen auf seine langjährige Expertise in der Petrochemie und der Aufbereitung von Rohstoffen zurückgreifen.
Nahtlose Integration in bestehende Anlagen
Mit der Produktlinie Purocel bietet Evonik nun Adsorbentien, die gezielt bestimmte Verunreinigungen aus Pyrolyseöl entfernen. Besonders hervorzuheben sei Purocel 505, das zwei Prozesse kombiniert. Zunächst trennen sich die Chlorverbindungen in einer Katalysereaktion ab, dann werden die entstandenen Chloride gebunden. Diese Technologie entferne bis zu dreimal mehr Chloride aus Pyrolyseöl als herkömmliche Lösungen.
Für Anwendungen mit höheren Anforderungen unterstützt Evonik die Adsorption durch Hydrotreating. Dabei reagiert der Wasserstoff mit den verbleibenden Verunreinigungen und wandelt diese in flüchtige Verbindungen um. Hier kommen die Metallkatalysatoren der Reihe Purocel H zum Einsatz, die recycelbar sind und damit Ressourcen schonen.
Neben den chemischen Lösungen bietet Evonik auch modulare Systeme für die einfache Integration in bestehende Anlagen. Mit der Rocket-Technologie liefert der Chemiekonzern vorkonfigurierte Kolonnenmodule, die Adsorbentien wie Purocel 510 enthalten. Diese Einheiten können flexibel sowohl an Pyrolyseanlagen als auch an Steamcracker angeschlossen werden und ermöglichen eine effiziente Reinigung ohne große Investitionen oder lange Stillstände.
SErvice
Günstigerer grüner Wasserstoff
Die Informationen gab Evonik im Rahmen seiner Innovationspressekonferenz am 10. Juni 2026 bekannt. Was der Konzern im Bereich Wasserstoff entwickelt hat, erfahren Sie auf unserem Schwesternportal www.r-energy.eu
„Zentraler Baustein für die nachhaltige Kunststoffwirtschaft“
Die Wiederverwertung von verschmutzten und nicht sortenreinen Kunststoffen ist bisher eine Herausforderung. Mechanisches Recycling ist bei sortenreinen Kunststoffabfällen, wie beispielsweise PET-Flaschen, eine bewährte Methode. Ein großer Teil der Kunststoffabfälle besteht jedoch aus gemischten und verunreinigten Materialien, die sich mechanisch nicht gut recyceln lassen. Hier setzt das chemische Recycling an.
Die Nachfrage nach chemischem Recycling wächst weltweit, da politische Rahmenbedingungen den Einsatz von recycelten Kunststoffen fördern. Evonik sieht sich dabei als Systempartner für die Industrie und bietet Lösungen für unterschiedliche Anforderungen – von kleinen Pyrolyseanlagen bis hin zu großen petrochemischen Komplexen. „Wir sind überzeugt, dass chemisches Recycling ein zentraler Baustein für die nachhaltige Kunststoffwirtschaft ist“, so Rasch abschließend.
Stand: 16.12.2025
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