Interview mit Albis-CEO Horst Klink Dreifach-Kompetenz mit globaler Ausrichtung

Das Gespräch führte Matthias Gutbrod 4 min Lesedauer

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Die Kunststoffdistribution steht vor einem Umbruch. Sie umfasst heute drei Dimensionen, die ein Distributor simultan abdecken muss, um die Anforderungen der Kunden bestmöglich zu erfüllen. Albis-CEO Horst Klink erklärt, welche das sind und wie der Hamburger Distributor global neue Märkte erschließt.

Albis-CEO Horst Klink auf der Fakuma 2026 in Friedrichshafen: Ein Werkstoff muss heute nicht nur technisch überzeugen, sondern gleichzeitig die wirtschaftlichen und künftigen regulatorischen Anforderungsprofile der Anwendung erfüllen.(Bild:  PlastXnow / Matthias Gutbrod)
Albis-CEO Horst Klink auf der Fakuma 2026 in Friedrichshafen: Ein Werkstoff muss heute nicht nur technisch überzeugen, sondern gleichzeitig die wirtschaftlichen und künftigen regulatorischen Anforderungsprofile der Anwendung erfüllen.
(Bild: PlastXnow / Matthias Gutbrod)

Veränderte Lieferketten, abgewanderte Produktion, regulatorische Hürden und ein schwächelnder Automobilsektor in Europa: Der Hamburger Distributor Albis reagiert darauf mit dem gezielten Ausbau des Medizintechnik-Portfolios sowie einer konsequenten internationalen Expansion. PlastXnow sprach auf der Fakuma 2026 in Friedrichshafen mit Albis-CEO Horst Klink über sich ändernde Kundenbedürfnisse, verlässliche Partnerschaften und warum er internationale Expansion von Albis vorantreibt.

Herr Klink, worauf achten Ihre Kunden heute beim Einkauf des passenden Werkstoffs primär?

Horst Klink: Für unsere Kunden geht es längst nicht mehr nur darum, welcher Kunststoff technisch am besten funktioniert. Entscheidend ist, welche Lösung die Anforderungen einer konkreten Anwendung insgesamt erfüllt – technisch, regulatorisch und wirtschaftlich. Dafür braucht es einen ganzheitlichen Blick auf die Anwendung, das Material und die jeweiligen Rahmenbedingungen.

Die technische Kompetenz ist nicht mehr ausschlaggebend?

Klink: Erstens: Unsere technische Kompetenz bleibt das Fundament. Hinzukommen zweitens regulatorische und drittens logistische Kompetenzen, die für unsere Kunden an Bedeutung zunehmen. Angesichts steigender gesetzlicher Vorgaben bietet Albis eine strukturierte Prüfung der Konformität bereits im Entstehungsprozess eines Produktes an. Für stark regulierte Märkte wie die Medizintechnik stellen wir zertifizierte Materiallinien mit langfristiger Rezepturkonstanz bereit und informieren Kunden frühzeitig, bevor Rezepturen oder Herstellungsprozesse angepasst werden. Und im Bereich der Logistik können wir durch ein herstellerübergreifendes Portfolio für unsere Kunden Marktschwankungen abfedern, Preis-Leistungs-Alternativen aufzeigen und Lieferketten in volatilen Phasen absichern.

Für unsere Kunden geht es längst nicht mehr nur darum, welcher Kunststoff technisch funktioniert. Entscheidend ist, welche Lösung die Anforderungen insgesamt am besten erfüllt – technisch, regulatorisch und wirtschaftlich.

Horst Klink, CEO Albis

Die Industrielandschaft verändert sich. Wie reagieren Sie als Distributor darauf, dass ihre Kunden zunehmend im Ausland produzieren?

Klink: Die Weiterentwicklung unserer Internationalisierung ist unumgänglich, da auch unsere Kunden immer globaler agieren. Wir bauen unsere internationalen Standorte konsequent aus, um genau dort präsent zu sein, wo die Bedarfe entstehen. Ein zentraler Meilenstein ist der Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung am brasilianischen Distributor Tecnomatiz. Mit Tecnomatiz schaffen wir die besten Voraussetzungen, um im dynamischen lateinamerikanischen Markt Fuß zu fassen und die Marktpotenziale dieser führenden Wirtschaftsnation zu erschließen.

Welche weiteren Regionen stehen bei Ihrer globalen Wachstumsstrategie im Fokus?

Klink: Neben dem Ausbau unserer Präsenz in der Maghreb Region, Ägypten und Lateinamerika setzen wir vor allem auf Asien und den Nahen Osten. Anfang des Jahres haben wir mit der Sukhesh Group in Mumbai das Joint Venture Albis Sukhesh India gegründet. Indien entwickelt sich derzeit rasch zum globalen Produktionsstandort mit steigender Nachfrage nach technischen Kunststoffen – etwa in der Mobilität, der Elektrotechnik und im Bauwesen. Die landesweite Logistikinfrastruktur unseres Partners bietet ein hervorragendes Fundament. Auch in Vietnam haben wir unser Angebot um ausgewählte technische Kunststoffe erweitert. Zudem haben wir mit einer neuen Tochtergesellschaft in Tel Aviv ein breites Portfolio unserer renommierten Partner in Israel eingeführt. Unser Ziel ist klar definiert: Wir wollen das Potenzial dieser neuen internationalen Standorte im nächsten Jahr voll zur Entfaltung bringen.

Warum ist auch Israel für Albis interessant?

Klink: Die Gründung unsere Tochtergesellschaft in Tel Aviv ist ein wichtiger Baustein unserer globalen Strategie, um Märkte außerhalb der stagnierenden europäischen Kernregionen zu erschließen. Israel bietet ein robustes und dynamisches Wirtschaftsumfeld mit einem starken Industriesektor in den Bereichen Medizintechnik, E&E sowie optische Komponenten. Hier werden spezialisierte technische Kunststoffe und TPE benötigt, was exakt unserem Portfolio und unserer Beratungsstärke entspricht. Wir nutzen den Standort Tel Aviv somit, um das Portfolio langjähriger sowie neuer Partner gezielt in der Region anzubieten. Zudem verfügt Israel über eine hohe Dichte an Start-ups, R&D-Zentren und innovativen Verarbeitern. Albis zielt darauf ab, diese entwicklungsintensiven Unternehmen von der ersten Designphase bis zur Serienfertigung technisch zu begleiten.

Blicken wir auf einzelne Branchen: In welchen Anwendungsfeldern sehen Sie derzeit das größte Potenzial?

Klink: Fakt ist, dass der Automobilsektor in Europa aktuell nicht wächst. Wir richten den Fokus daher gezielt auf Wachstumsfelder wie die Medizintechnik und E&E und bauen dafür unser Portfolio und die Partnerschaften mit Erzeugern – wie etwa Arkema – kontinuierlich aus. Gleiches gilt für spezialisierte Werkstoffe, beispielsweise durch die Kooperation mit Röhm für Plexiglas und Pleximid.

Ein guter Partner zu sein, ist einfach, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Entscheidend ist jedoch, wie eine Zusammenarbeit funktioniert, wenn sich Märkte und Kundenanforderungen verändern.

Horst Klink, CEO Albis

Albis erweitert laufend sein Portfolio mit neuen Partnerschaften. Doch auf der Fakuma 2026 feiern Sie 60 Jahre Partnerschaft mit Covestro. Welche Rolle spielen solche langjährigen Bündnisse heute noch?

Klink: Ein guter Partner zu sein, ist einfach, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Entscheidend ist jedoch, wie eine Zusammenarbeit funktioniert, wenn sich Märkte und Kundenanforderungen verändern. Die Kooperation zwischen Albis und Covestro begann 1966 mit dem Vertrieb von Bayer-Kunststoffen. Über sechs Jahrzehnte hinweg haben wir gemeinsam viele Marktveränderungen gemeistert. Diese vertrauensvolle Basis hilft heute mehr denn je, kritisches Anwendungswissen zu sichern, eine verlässliche Versorgung zu gewährleisten und die Entwicklung neuer Lösungen rasch voranzutreiben – auch über Europa hinaus in Regionen wie China, ASEAN, Lateinamerika, Indien oder Nordafrika.

Info-Box: Horst Klink

Horst Klink ist CEO der Albis Distribution GmbH mit Hauptsitz in Hamburg. Albis gehört zu den weltweit führenden Distributeuren für thermoplastische Kunststoffe. Unter Klinks Leitung verfolgt das Unternehmen eine globale Expansionsstrategie, um internationale Erzeuger und Verarbeiter in Schlüsselindustrien wie Automobil, Medizintechnik, Elektro & Elektronik sowie Bauwesen lokal und technisch fundiert zu unterstützen.

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