Haidlmair auf der Fakuma 2026 Alles neu macht der Oktober 

Von Melanie Ehrhardt (verantwortlich) 4 min Lesedauer

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Im Mittelpunkt des Messeauftritts von Haidlmair standen hochproduktive Spritzgießwerkzeuge für unterschiedlichste Anwendungsbereiche. Der Werkzeugbauer hatte aber nicht nur neue Produkte im Gepäck. Er nutzte die Fakuma 2026 auch, um strategische Entscheidung zu verkünden.

Das „Aktive Werkzeug“ war eine der Innovationen, die Haidlmair auf der Fakuma präsentierte.(Bild:  Haidlmair)
Das „Aktive Werkzeug“ war eine der Innovationen, die Haidlmair auf der Fakuma präsentierte.
(Bild: Haidlmair)

Die beiden Heißkanalspezialisten FDU Hotrunner und Oerlikon HRSflow haben eine umfassende Produktionspartnerschaft vereinbart. Das gab der Mutterkonzern Haidlmair im Rahmen seines Auftritts auf der Fakuma 2026 bekannt. 

Im Rahmen der Zusammenarbeit bringt FDU Hotrunner sein langjähriges Know-how in den Bereichen Technologieentwicklung, Engineering und Systemauslegung ein. Als strategischer Partner ist Oerlikon HRSflow für die industrielle Umsetzung definierter Lösungen und Komponenten auf Basis der von FDU entwickelten Konzepte verantwortlich. Die Haidlmair-Tochter behält die Verantwortung für Steuerungs- und Regelsysteme sowie die übergeordnete technologische Verantwortung.

Strategische Fertigungspartnerschaft 

Von links: Michal Prochazka (CEO FDU Hotrunner), Andrea Peruch (CEO von Oerlikon HRSflow), Mario Haidlmair (CEO Haidlmair Group)(Bild:  Haidlmair)
Von links: Michal Prochazka (CEO FDU Hotrunner), Andrea Peruch (CEO von Oerlikon HRSflow), Mario Haidlmair (CEO Haidlmair Group)
(Bild: Haidlmair)

„Diese Partnerschaft vereint die Stärken zweier führender Unternehmen der Kunststoffindustrie. Gemeinsam legen wir den Grundstein für innovative Lösungen, die unseren Kunden weltweit noch mehr Produktivität, Qualität und Prozesssicherheit bieten“, erklärt Michal Prochazka, Geschäftsführer der FDU Hotrunner GmbH.

Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit stehen die Nutzung sich ergänzender Fachkompetenzen und die Beschleunigung von Innovationsprozessen. Durch eine enge technische Zusammenarbeit lassen sich bestehende Lösungen noch präziser auf die Anforderungen internationaler Kunststoffverarbeiter zuschneiden.

Die Zusammenarbeit ist ausdrücklich als operative Produktionspartnerschaft konzipiert. Im Mittelpunkt stehen Engineering, technische Lösungen, Standardisierung und eine höhere Prozesssicherheit für die Kunden von FDU.

Übernahme von 75 Prozent der Anteile von Euro Stampi

Es ist bereits die zweite Strategie-Neuigkeit aus dem Hause Haidlmair, die während der Messe in Friedrichshafen bekannt gegeben wurde. Das Unternehmen nutze den ersten Messe-Tag, um über die Übernahme der Mehrheitsanteile (75 Prozent) an Euro Stampi aufmerksam zu machen. PlastXnow berichtete bereits auf LinkedIn darüber.

Euro Stampi, ansässig in Jesi in der Nähe von Ancona, wurde 1982 gegründet und ist auf die Entwicklung und Herstellung mittelgroßer und großer Spritzgießwerkzeuge für die Verpackungs- und Umwelttechnik spezialisiert. Das Unternehmen ist in mehr als 40 Ländern aktiv, beschäftigt über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und verfügt über eine Produktionsfläche von rund 6.000 Quadratmetern.

Der Werkzeugbauer deckt den gesamten Entstehungsprozess ab. Dieser reicht von Produktdesign und Engineering über Werkzeugfertigung und Montage bis zur Musterung der fertigen Werkzeuge. Dadurch kann das Unternehmen Qualität, Effizienz und Zuverlässigkeit über sämtliche Projektphasen hinweg sicherstellen. Darüber hinaus kann Euro Stampi auch eine Fertigung der Werkzeuge mit seinen sechs Spritzgießmaschinen (mit einer Presskraft von 1000 T bis 4800 T) durchführen.

Neue Werkzeugtechnik senken Zykluszeiten und Ausschuss 

Um Technologie ging es in Friedrichshafen auch: Im Mittelpunkt des Messeauftritts standen die hochproduktiven Spritzgießwerkzeuge für unterschiedlichste Anwendungsbereiche. 

FDU Hotrunner präsentierte seine neue Einzelnadelverschlussdüse auf der Fakuma 2026.(Bild:  FDU Hotrunner)
FDU Hotrunner präsentierte seine neue Einzelnadelverschlussdüse auf der Fakuma 2026.
(Bild: FDU Hotrunner)

Besonderes Augenmerk richtete Haidlmair auf zukunftsweisende Entwicklungen in der Werkzeugtechnik, besonders durch neue Verfahren für Behälter. Mit dem „Aktiven Werkzeug“ präsentierte das Unternehmen neue Ansätze zur Steigerung von Prozesseffizienz und Produktivität. Die Technologien ermöglichen eine präzisere Prozessführung, reduzieren Ausschuss und verbessern die Reproduzierbarkeit in der Produktion. Damit tragen sie dazu bei höhere Ausbringungsmengen und eine nachhaltige Optimierung der Produktionskosten zu erreichen.

FDU Hotrunner stellte auf der Fakuma eine neue Generation seiner Nadelverschluss-Technologie vor. Die neue Einzelnadelverschlussdüse erweitert das verfahrenstechnische Produktionsfenster deutlich und ermöglicht eine sichere, stabile sowie qualitativ hochwertige Verarbeitung auch anspruchsvoller und kritischer Materialien. Darüber hinaus präsentierte FDU ein neues zylindrisches Gate, das speziell für anspruchsvolle Anschnittbereiche entwickelt wurde. Dieses ermöglicht den Einsatz technischer und gefüllter Kunststoffe und sorgt gleichzeitig für eine gute Anschnittqualität und Prozesssicherheit.

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Das Tochterunternehmen Digital Moulds zeigte seine Monitoring-Lösungen für die Spritzgießfertigung sowie das innovative Mould Lifecycle Management Tool. Die digitalen Anwendungen schaffen Transparenz über den gesamten Lebenszyklus eines Werkzeugs, unterstützen eine zustandsorientierte Wartung und liefern die Basis für datengetriebene Entscheidungen zur Steigerung von Verfügbarkeit, Produktivität und Werkzeuglebensdauer.

CEO Mario Haidlmair im Kurzinterview

Im Spritzguss entscheidet das Werkzeug über weit mehr als nur die Form eines Bauteils. Maßhaltigkeit, Oberflächenqualität, Ausschussquote und Zykluszeit entstehen im Zusammenspiel von Werkzeugtechnik, Schmelzeführung und Prozessdaten.

Haidlmair zeigt auf der Fakuma 2026, wie diese Ebenen enger zusammenwachsen. Kern der Active-Mould-Technologie ist ein formgebendes System, dessen Bauteile sich während der Kühlphase aktiv an die materialbedingte Schwindung anpassen. Das Ziel: höhere Maßhaltigkeit und weniger Ausschuss – insbesondere bei anspruchsvollen Verpackungsanwendungen.

Im Messe-Speed-Date mit Mario Haidlmair (Kasten) ging es außerdem um die Rolle des Heißkanals als Qualitätsfaktor und um die Frage, wie digitale Werkzeuge aus Produktionsdaten konkrete Ansatzpunkte für einen stabileren Prozess liefern.

FAKUMA 2026: MESSE-SPEED-DATE

CEO Mario Haidlmair (rechts) im Gespräch mit PlastXnow-Redakteurin Melanie Ehrhardt
CEO Mario Haidlmair (rechts) im Gespräch mit PlastXnow-Redakteurin Melanie Ehrhardt
(Bild: PXN)

Haidlmair zeigt auf der Fakuma das „Aktive Werkzeug“, das die Prozessführung präziser machen und dadurch Ausschuss reduzieren soll. Was macht ein Werkzeug heute „aktiv“ – und welchen konkreten Mehrwert bringt das im Produktionsalltag?

Beim aktiven Werkzeug geht es darum, dass wir ein System entwickelt haben, wo wir während des Spritzgießprozesses Teile im Werkzeug bewegen und mit der Schwindung mitgehen. Das heißt, das Werkzeug beschäftigt sich mit dem Kunststoff und stellt sich entsprechend ein. Das führt zu geringeren Zykluszeiten und besseren Bauteilqualitäten. 

Mit FDU Hotrunner und einer neuen Einzelnadelverschlussdüse geht es auch um die Stabilisierung anspruchsvoller Verarbeitungsprozesse. Wie viel Einfluss hat die Heißkanaltechnik letztlich auf Qualität und Prozesssicherheit eines Spritzgießprozesses?

Wenn es anspruchsvolle Bauteile geht, spielt jedes Bauteil eine große Rolle. Wenn es darum geht, was im Werkzeug passiert, hat der Heißkanal meiner Meinung nach den größten Effekt. FDU Hotrunner hat ein System entwickelt, das keinen Anspritzpunkt, sondern einen Anspritzschlitz hat. Dieser führt dazu, dass wir weniger Druck benötigen, um das Bauteil zu füllen. Das hat auch wieder positive Effekte: weniger Schärungen, Einsatz günstigere Kunststoffe sowie geringere Zykluszeiten.

Das ist eine Zusammenfassung des Interviews mit Mario Haidlmair. Das vollständige Video finden Sie auf unserem LinkedIn-Kanal.