Weltweit landen jährlich Milliarden Windeln im Müll, doch ihr Recycling bleibt bislang eine große Herausforderung. Der Windelhersteller Woosh beweist, dass es trotzdem geht – gemeinsam mit Borouge und BlueAlp.
Woosh übernimmt seit 2025 nicht nur die Herstellung, sondern auch die Recyclingprozesse der Windeln direkt an seinem Standort in Brügge.
(Bild: Woosh)
Einweg-Babywindeln sind eines der deutlichsten Beispiele für die lineare Wirtschaft: Sie werden in der Regel einmal verwendet und anschließend verbrannt oder deponiert, obwohl sie wertvolle Vliesstoffe und Folien auf Polyolefinbasis enthalten. Auf der Grundlage von Verbrauchsdaten schätzten Cabrera und Garcia (2019), dass im Jahr 2017 in der EU-28 rund 6,73 Millionen Tonnen Einweg-Babywindeln als Abfall anfielen, was das Ausmaß dieses weitgehend ungenutzten Abfallstroms in ganz Europa verdeutlicht.
Als Reaktion darauf haben sich Woosh, eine in Belgien ansässige Marke für Kreislaufwindeln, Borouge International, ein weltweit führender Anbieter von Polyolefin-Lösungen, und BlueAlp, ein führendes Unternehmen im Bereich des chemischen Recyclings mit einer kommerziell betriebenen Anlage in Oostende, Belgien, zusammengeschlossen. Gemeinsam haben sie gezeigt, dass Kunststoffe aus gebrauchten Babywindeln zurückgewonnen und chemisch zu Rohstoff für neue Polymere recycelt werden können.
Premiere im industriellen Maßstab
Es ist das erste Mal, dass dieser Kreislauf in Europa im industriellen Maßstab demonstriert wurde. Die Basis dafür bildet das geschlossene Kreislauf-Ökosystem von Woosh. Im Mittelpunkt steht die „Woosh Give-Back“-Windel, die für das Recycling optimiert ist. Das Unternehmen liefert an Kindertagesstätten sowie Haushalte und sammelt sie nach Gebrauch wieder ein. Das Resultat ist ein separater, rückverfolgbarer Strom gebrauchter Windeln für das Recycling entsteht.
Beim chemischen Recycler BlueAlp wird Kunststoff aus Woosh-Babywindeln in einen zirkulären Rohstoff für neue Polymere umgewandelt.
(Bild: BlueAlp)
Dieser spezielle Abfallstrom bildet die Grundlage für die weitere Verarbeitung. Borouge International und BlueAlp arbeiteten mit den Ingenieuren von Woosh zusammen, um die Qualitätsanforderungen zu definieren, die der zurückgewonnene Kunststoff erfüllen muss, um als Input für die chemische Recyclingtechnologie von BlueAlp verwendet werden zu können. Woosh optimierte daraufhin sein firmeneigenes mechanisches Trennverfahren, um Kunststofffraktionen herzustellen, die diese Anforderungen erfüllen.
ISCC PLUS-zertifiziertes Pyrolyseöl
Die ersten Recyclingläufe im industriellen Maßstab wurden im Werk von BlueAlp in Oostende durchgeführt. Die zurückgewonnenen Kunststofffraktionen wurden mit dessen Pyrolysetechnologie verarbeitet. Das gewonnene Pyrolyseöl ist ISCC PLUS-zertifiziert und erfüllt die erforderlichen Qualitätsspezifikationen für die Weiterverarbeitung zu neuen Polymeren.
Dazu gehören auch solche, die für die Herstellung neuer Windeln geeignet sind. „Das chemische Recycling des Kunststoffs aus gebrauchten Windeln ist alles andere als einfach“, so Peter Voortmans, Vice President Marketing Consumer Products bei Borealis. Es erfordere eine sorgfältige Vorbehandlung, um die Anforderungen des Pyrolyseprozesses zu erfüllen.
Woosh baut Modell bereits aus
Woosh liefert und sammelt derzeit Windeln in ganz Belgien, wobei täglich über 30.000 Kinder das Windelrückgabesystem nutzen. Seine 2025 in Betrieb genommene Windelrecyclinganlage verarbeitet jährlich Tausende Tonnen gebrauchter Windeln. In naher Zukunft soll der Betrieb auf Frankreich und die Niederlande ausgeweitet werden, wodurch das Volumen des für das Recycling verfügbaren zurückgewonnenen Kunststoffs steigt.
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„Wir haben Jahre damit verbracht, das Sammelnetzwerk und die Technologie aufzubauen, um dies zu ermöglichen“, sagt Jeff Stubbe, CEO von Woosh. „Zu sehen, dass der Kunststoff, den wir aus gebrauchten Windeln zurückgewinnen, als Rohstoff für die Produktion neuer Polymere und möglicherweise für zukünftige Windeln anerkannt wird, ist genau das, was wir erreichen wollte.“
Proof of Concept für Kreislaufwirtschaft
„Dies ist ein grundlegendes Beispiel dafür, was wir mit BlueAlp in großem Maßstab erreichen wollen“, sagt Valentijn de Neve, CEO von BlueAlp. Die übergeordnete Bedeutung ist klar. In ganz Europa folgen große Mengen an saugfähigen Hygieneartikeln nach wie vor einem linearen Weg in die Verbrennung oder auf die Deponie.
Stand: 16.12.2025
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Diese Zusammenarbeit ist ein aussagekräftiger Proof of Concept für Kreislaufwirtschaft in der Branche. Es zeigt, dass selbst die schwierigsten Abfallströme wiederverwertet werden können, wenn das gesamte System sorgfältig aufeinander abgestimmt ist.