Bis 2030 wächst der Markt für biobasierte Polymere jährlich um 11 %, gestützt durch Kapazitätsausweiten in Europa und Nordamerika. Europäische Verarbeiter profitieren dabei von stabileren Lieferketten. Welche Werkstoffe die höchsten Zuwächse verzeichnen, zeigt eine neue Marktstudie des Nova-Instituts.
Laut Prognose den Nova-Instituts werden biobasierte Polymere ihren weltweiten Marktanteil von derzeit 1 % auf 2 % im Jahr 2030 verdoppeln.
(Bild: BASF)
Die globalen Produktionskapazitäten für biobasierte Polymere steigen laut dem aktuellen Marktbericht des Nova-Instituts bis zum Jahr 2030 signifikant an. Im Jahr 2025 verzeichnete die Industrie eine installierte Gesamtkapazität von 5,1 Mio. Tonnen bei einer tatsächlichen Produktionsmenge von 4,5 Mio. Tonnen.
Bis zum Jahr 2030 prognostizieren die Experten eine Ausweitung dieser globalen Kapazitäten auf insgesamt 8,5 Mio. Tonnen. Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 11 %, womit das biobasierte Segment das Wachstum fossiler Polymere von lediglich 2-3 % weit überholt. Infolgedessen verdoppelt sich der weltweite Marktanteil dieser nachhaltigen Werkstoffe von derzeit 1 % auf 2 % im Jahr 2030.
Werkstoffspezifische Wachstumstrends
Ein detaillierter Blick auf die einzelnen Polymerklassen offenbart deutliche Verschiebungen bei den zukünftigen Materialverfügbarkeiten. Den mit Abstand höchsten Zuwachs verzeichnet biobasiertes Polypropylen (PP) mit einer prognostizierten Wachstumsrate von 94 % bis zum Jahr 2030. Auch biobasiertes Polyethylen (PE) legt mit einem Zuwachs von 17 % substanziell zu und sichert damit die langfristige Versorgung im Bereich der Standard-Thermoplaste.
Entwicklung weltweiter Kapazitäten biobasierter Polymere (2026-2030 Prognose)
(Bild: Nova-Institut)
Im Segment der bioabbaubaren Strukturpolymere weisen Polyhydroxyalkanoate (PHA) mit einem Plus von 49 % die stärkste Dynamik auf, gefolgt von Polylactid (PLA) mit einer Steigerung von 16 %. Zusammen mit dem Polyethylen-Furanoat (PEF) verzeichnen PP und PHA ein kontinuierliches durchschnittliches Wachstum von 65 % über den gesamten Prognosezeitraum.
In der realen Produktionsstatistik des Jahres 2025 dominierten volumentechnisch noch etablierte, teil-biobasierte Polymersysteme den globalen Markt. Epoxidharze mit einem biobasierten Gewichtsanteil von 45 % machten zusammen mit Celluloseacetat (CA), das einen Bio-Anteil von 50 % besitzt, mehr als die Hälfte der weltweiten Gesamtproduktion aus. Konkret entfielen auf Epoxidharze 30 % und auf Celluloseacetat 25 % der erzeugten 4,5 Mio. Tonnen.
Biobasierte Polyurethane (PUR) sicherten sich einen Produktionsanteil von 30 %, während die zu 100 % biobasierte Polymilchsäure (PLA) einen Anteil von 9 % erreichte. Technische Kunststoffe wie Polyamide (PA) mit 60 % biobasiertem Anteil und Polytrimethylenterephthalat (PTT) mit 31 % biobasiertem Anteil steuerten 8 beziehungsweise 6 % zum Gesamtvolumen bei.
Anteile biobasierter Polymere 2025: Epoxidharze (biobasierter Anteil 45 %) und Celluloseacetat (biobasierter Anteil 50 %) stellen zusammen mehr als die Hälfte der weltweiten Gesamtproduktion.
(Bild: Nova-Institut)
Geringere Marktanteile von jeweils unter 5 % verzeichneten im Jahr 2025 Werkstoffe wie aliphatische Polycarbonate (APC), Massenkunststoffe wie biobasiertes Polyethylenterephthalat (PET) sowie stärkehaltige Polymer-Compounds (SCPC). Kaseinpolymere (CP), Ethylen-Propylen-Diol-Kautschuk (EPDM) sowie PEF lagen sogar bei einem Anteil von unter 1 % des globalen Aufkommens.
Trotz ihrer noch geringen Marktpräsenz gewinnen diese Spezialpolymere durch gezielte Kapazitätserweiterungen stark an Bedeutung für Nischenanwendungen. Compoundeure nutzen diese Compounds primär dort, wo exakt definierte Barriere-Eigenschaften oder mechanische Steifigkeiten gefordert sind. Die breite Verfügbarkeit von Synthesebausteinen wie L-Milchsäure, Bernsteinsäure und 1,5-Pentamethylendiamin treibt das Upscaling dieser Spezialitäten voran.
Differenzierung und verarbeitungstechnische Pfade
Verarbeiter müssen bei der Materialauswahl grundlegend zwischen biobasierten, nicht bioabbaubaren Polymeren und biobasierten, bioabbaubaren Varianten differenzieren. Die nicht bioabbaubaren Kunststoffe stellen mit 58 % den größeren Anteil der installierten Gesamtkapazitäten und erreichen eine hohe durchschnittliche Anlagenauslastung von 90 %. Bioabbaubare Typen machen hingegen 42 % der Kapazitäten aus, wobei ihre Auslastung im Mittel bei 81 % liegt.
Chemisch identische Drop-in-Polymere erlauben den direkten Austausch fossiler Typen auf bestehenden Spritzgieß- und Extrusionsanlagen ohne Werkzeugmodifikationen. Demgegenüber bieten dedizierte biobasierte Polymere völlig neuartige Eigenschaftsprofile und Funktionalitäten, die im petrochemischen Portfolio nicht existieren.
Eine technologische Sonderrolle nehmen die sogenannten Smart Drop-ins ein, zu denen unter anderem Epichlorhydrin gehört. Diese Moleküle nutzen effizientere Synthesewege wie die Umwandlung von Glycerin aus der Biodieselproduktion statt des fossilen Propylens. Die Rohstoffeffizienz variiert über den gesamten Markt jedoch stark, da von den eingesetzten 3,6 Mio. Tonnen Biomasse nur 2,4 Mio. Tonnen als biobasierte Komponenten im Endprodukt verbleiben. Der systembedingte Fehlbetrag von 1,2 Mio. Tonnen resultiert aus mehrstufigen Konversionsprozessen, verfahrenstechnischen Verlusten sowie der Entstehung von Nebenprodukten. Für Compoundeure bestimmt dieser verfahrenstechnische Aufwand maßgeblich die wirtschaftliche Kalkulation der Matrixharze.
Stand: 16.12.2025
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Regionale Verschiebungen stützten Lieferketten in Europa
Die geografische Verteilung der Produktionskapazitäten unterliegt bis 2030 einem strukturellen Wandel, der die Importabhängigkeit europäischer Verarbeiter verringern könnte. Im Jahr 2025 war Asien die unangefochten führende Herstellregion und vereinte 55 % der weltweiten Kapazitäten auf sich, insbesondere bei PHA, PLA und Polyamiden. Westeuropa und Nordamerika entwickeln sich nun zu den dynamischsten Regionen und weisen zwischen 2025 und 2030 eine jährliche Wachstumsrate von 20 % auf. Durch massive Neuinvestitionen in großtechnische Produktionsanlagen steigert Nordamerika seinen globalen Marktanteil um 3 % und Europa um 4 %. Zusammen werden diese beiden Regionen im Jahr 2030 rund 38 % des weltweiten Angebots an biobasierten Polymeren kontrollieren, was logistische Risiken reduziert.
Regulatorischer Druck könnte die Nachfrage stärken
Die Nachfragedynamik im europäischen Markt wird auch durch ein komplexes Geflecht regulatorischer Instrumente beeinflusst. Neben der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED) entfaltet vor allem die Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (PPWR) eine Transformationswirkung auf Verarbeiter. Während die PPWR über zukünftige Quoten die Nachfrage von biobasierten Verpackungen steuert, regelt die RED im Hintergrund die Verfügbarkeit der biogenen Vorprodukte. Beide Richtlinien bilden zusammen das regulatorische Klammerwerk für die Defossilisierung der Kunststoffindustrie.
Die novellierte EU-Bioökonomie-Strategie hat biobasierte Kunststoffe für Verpackungen und biobasierte Chemikalien explizit als strategische Leitmärkte definiert. Die anstehende Implementierung der PPWR sieht die Einführung konkreter Mindestquoten für biobasierte Inhalte vor, was Verarbeiter zu einer frühzeitigen Umstellung zwingt. Bislang fehlt der europäischen Industrie jedoch ein konsistenter, ganzheitlicher Rechtsrahmen, der die ökologischen Vorteile biobasierter Polymere gezielt subventioniert.
Die häufig geführte Diskussion um die Nutzung von Nahrungsmittelpflanzen zur industriellen Kunststofferzeugung wird durch harte Fakten relativiert. Für die Erzeugung sämtlicher biobasierter Polymere werden lediglich 0,026 % des globalen Biomassevolumens von 13,7 Milliarden Tonnen beansprucht. Daraus resultiert ein geringer Flächenbedarf von nur 0,016 % der weltweiten Agrarfläche, da hocheffiziente Nutzpflanzen wie Zuckerrohr und Mais als primäre Kohlenstoffquellen dienen. Zudem wird der Proteingehalt dieser Nutzpflanzen parallel für Tierfutter genutzt, während pflanzliche Öle und Koppelprodukte wie Glycerin die ressourcenschonende Kaskadennutzung vervollständigen.