Werkstoffe Kunststoff: Material für die sichere medizinische Versorgung

Ein Gastbeitrag von Claudia Wörner* 2 min Lesedauer

Von zehn medizinischen Produkten und Geräten, die in Klinik, Praxis oder Pflegealltag zum Einsatz kommen, bestehen fünf bis sechs aus Kunststoff. Spritzen, Kanülen, Schläuche, Implantate oder Verpackungen – ohne diesen Werkstoff wäre moderne Hygiene, Innovation und Effizienz in der Medizin kaum möglich.

Die Bedeutung von Kunststoffen in der Medizin hat in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen – sie werden bei einer Vielzahl von Anwendungen eingesetzt.(Bild: ©  Titolino - stock.adobe.com)
Die Bedeutung von Kunststoffen in der Medizin hat in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen – sie werden bei einer Vielzahl von Anwendungen eingesetzt.
(Bild: © Titolino - stock.adobe.com)

„Etwa 50 bis 60 Prozent aller Medizinprodukte bestehen aus Kunststoff“, bilanziert der Bundesverband Medizintechnologie (BV-Med). Diese Zahl zeigt, wie zentral Kunststoff im Gesundheitssektor verankert ist. „Die Bedeutung von Kunststoffen in der Medizin hat in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen. Sie werden bei einer Vielzahl von Anwendungen eingesetzt, darunter Einwegartikel, Implantate, Verpackungen oder medizinische Geräte“, sagt Manfred C. Beeres, Sprecher des BV-Med.

Die Wichtigkeit des Materials bestätigt auch die Marktanalyse von Grand View Research, einem Marktforschungsunternehmen mit Fokus auf Industrie- und Konsumgütermärkte: Laut deren Studie wird der globale Markt für medizinische Kunststoffe bis 2030 auf 87,58 Milliarden US-Dollar anwachsen – was knapp einem Viertel des Jahresumsatzes von Apple im Geschäftsjahr 2025 entspricht [1].

Medical Grade Plastics: Geprüfte Qualität

Kunststoffe im Gesundheitswesen müssen höchste Anforderungen erfüllen, Stichwort Medical Grade Plastics. „Unter Medical Grade Plastics versteht man Kunststoffe, die speziell für Medizinprodukte und medizinische Anwendungen ausgewählt und qualifiziert sind. Sie erfüllen definierte Anforderungen an Biokompatibilität, Rezepturkonstanz, Sterilisierbarkeit und Qualität“, erklärt Sarah Janczura, Sprecherin des VDI. „Diese Eigenschaften sind essenziell für eine sichere und zuverlässige Funktion im medizinischen Umfeld.“ Die VDI-Richtlinie 2017 zu Medical Grade Plastics legt verbindliche Kriterien fest und schafft eine verlässliche Basis für den sicheren Einsatz [2].

Funktionalisierte Kunststoffe: Mehr Materialintelligenz

Auf dieser Grundlage werden die Eigenschaften des Materials weiterentwickelt. „Funktionalisierte Kunststoffe machen aus einem Standard-Werkstoff ein Bauteil mit zusätzlichem Mehrwert: Sie können z. B. sterilisationstauglich, flexibel und hochfest sein, chemisch beständig, biokompatibel oder gezielt gleitfähig“, erläutert Benjamin Redlingshöfer, Institutsdirektor des Thüringischen Instituts für Textil- und Kunststoff-Forschung e.V. (TITK). Und fügt an: „Dadurch lassen sich Medizinprodukte sicherer, kleinerer, leichterer und oft kosteneffizienter herstellen.“

Funktionalisierte Kunststoffe erhöhen zudem die Sicherheit. „Antibakterielle, antivirale oder antimykotische Funktionen reduzieren die Keimlast auf Oberflächen und senken das Risiko von Biofilmen und daraus folgenden Infektionen – besonders bei längerer Verweildauer oder häufigem Kontakt“, so Redlingshöfer.

Kunststoffe eignen sich darüber hinaus zur Modellierung individueller Prothesen, Herzklappen oder Gelenke. Moderne Fertigungsverfahren wie Spritzguss erlauben präzise auf den therapeutischen Einsatz abgestimmte Anwendungen.

„Neue Entwicklungen, etwa im 3D-Druck, ermöglichen patientenspezifische Implantate und Komponenten, die passgenau gefertigt werden können“, sagt BV-Med-Sprecher Beeres. Kunststofflösungen leisten damit einen wichtigen Beitrag zur personalisierten Medizin.

Effizienz: Nachhaltige Konzepte

Kunststoffe sind zudem „erheblich leichter als Metall oder Glas, was die Handhabung erleichtert. In der Serienproduktion sinken die Stückkosten. Metall- und Glasbearbeitungen können teurer sein“, bestätigt Sarah Janczura vom VDI.

Langlebige Designs und eine hohe Recyclingfähigkeit fördern zusätzlich einen verantwortungsvollen und nachhaltigen Ressourceneinsatz. Fazit: Kunststoffe vereinen Sicherheit, Innovation und Effizienz. Damit sind sie elementar für eine leistungsfähige Medizintechnik.

Quellen:

[1] https://www.grandviewresearch.com/industry-analysis/medical-plastics-market

[2] https://www.vdi.de/mitgliedschaft/vdi-richtlinien/details/vdi-2017-medical-grade-plastics-mgp

Claudia Wörner
Claudia Wörner ist Geschäftsführerin der PR-Agentur yes or no Media.

Bildquelle:

Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf unserem Schwesterportal www.devicemed.de

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung