Unternehmensberatung im Maschinenbau Chancen und Herausforderungen im Strukturwandel

Von Pascal Stumpf 5 min Lesedauer

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Der deutsche Maschinenbau steht 2026 an einem Wendepunkt. Nach einer Phase stabiler Auftragslage geraten viele Unternehmen zunehmend in Schieflage. Die Folge: Investitionen werden verschoben, Personal reduziert. Wie können Maschinenbauer in diesen herausfordernden Zeiten ihre Stabilität sichern? 

(Bild:  wir_sind_klein /  Pixabay)
(Bild: wir_sind_klein / Pixabay)

Im Markt für Kunststoff- und Gummimaschinenbau stehen die Zeichen auf vorsichtigen Optimismus: Die Nachfrage aus den USA und China nimmt wieder zu und Recycling-Regulatorien der EU eröffnen neue Handlungsfelder. Um diesen Schwung mitzunehmen, brauchen Betriebe eine Businessstrategie, die auf Veränderungen der Kundenwünsche reagieren kann, ohne in finanzielle Schieflage zu geraten. Dafür stehen einige Hebel zur Verfügung, die Maschinenbauer krisenfest aufstellen.

Wie kommen Maschinenbauer an frisches Kapital, wenn klassische Finanzierungen stocken? Ab wann ist es ratsam, externe Berater ins Unternehmen zu holen? Diese Fragen beleuchtet Pascal Stumpf, Gründer und Managing Director der Restrukturierungsberatung FinCo Partners.

Über den Autor

Das Bild zeigt Pascal Stumpf.
(Bild: FinCO)

Pascal Stumpf ist Gründer und Managing Director der Restrukturierungsberatung FinCo Partners in München. Er begleitet Unternehmen in herausfordernden Situationen mit Fokus auf operative Umsetzung und nachhaltige Wertsteigerung. Seit über zehn Jahren ist Stumpf in der Branche tätig. Nach seiner Ausbildung zum Mechatroniker absolviert er ein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens an der Hochschule Weserbergland. Seinen Master in Management (MiM) erwarb er an der WHU – Otto Beisheim School of Management.
 

Geschäftsmodelle überprüfen

Die Kunststoffbranche steht vor tiefgreifenden Umbrüchen: Abnehmer schwächeln, politische Richtlinien schmälern das Produktportfolio und Anbieter aus dem Ausland drücken die Preise. Der entscheidende Faktor für eine nachhaltige Strategie heißt Flexibilität. 

Verändern Hersteller ihr Teilespektrum oder fallen bestimmte Verpackungsarten durch neue Vorgaben weg, brauchen Maschinenbauer Spielräume, um ihr Angebot umzustellen. Anbieter, die Nachfragen aus der Medizintechnik, Elektronik oder dem Bausegment bedienen können, erschließen neue, rentable Geschäftsfelder. 

Eine regelmäßige Kundenbefragung hilft beim frühzeitigen Erkennen von Trends und ermöglicht eine zügige Kurskorrektur. Kunden fordern immer öfter Komplett-Lösungen: Gute Vernetzung schlägt Fertigungstiefe und hält Fixkosten variabel. Zusätzliche Kompetenzen stärken die Wirtschaftlichkeit, während Serviceleistungen auch über den Kauf hinaus Erträge sichern. 

Auf Trends reagieren

Auf dem globalen Markt schlägt ein klarer Mehrwert Bedenken gegenüber höheren Kosten. Ein starkes Argument stellen Lösungen aktueller Problematiken dar. Hersteller, die innovative Konzepte vorweisen, verargumentieren damit den Preisaufschlag zu internationalen Konkurrenten. 

Dazu gehört beispielsweise die schwankende Materialqualität bei der Verarbeitung von Kunststoffrezyklaten. Investitionen in die Entwicklung robuster Prozessregelungen und lauffähiger Assistenzsysteme befähigen Kunden zur Weiterverarbeitung der recycelten Materialien und liefern einen Wettbewerbsvorteil. 

Starke Netzwerke mit Partnern, die Peripherie und Komponenten zusteuern, eröffnen neue Handlungsmöglichkeiten. Statt früheren Spitzen hinterherzujagen, gehen Maschinenbauer mit dem Trend. Zusätzlich verleihen Nischenprodukte in Medizintechnik, Reinraum, Mehrkomponenten- und Leichtbauanwendungen dem Anbieter Preissetzungsmacht und reduzieren den Kampf gegen Billigware aus dem Ausland.

Sparsam durch die Krise?

Unsichere Zeiten laden dazu ein, Investitionen auf die lange Bank zu schieben. Die Hoffnung, mittels Sparmaßnahmen entspannt durch die Krise zu kommen, ist jedoch ein Trugschluss. Betriebe, die in angespannten Märkten an Altbewährtes festhalten, statt Geld für Modernisierung einzusetzen, verlieren den Anschluss. 

Ein Blick auf Digitalisierung lohnt egal bei welcher Auftragslage, denn vernetzte Maschinen, Fernwartung, Prozessdatenauswertung und Qualitätsüberwachung bilden die Basis für wiederkehrende Umsätze. Zeiten geringer Anfragen bieten Gelegenheiten, die eigene Produktivität zu optimieren und Verbesserungspotenziale zu ermitteln – begonnen bei Projekt- und Nachkalkulationen über Automatisierungen bis hin zur Erschließung der Modularisierung. Diese Hebel schaffen Handlungsräume in verschiedenen Dimensionen. Kalkulationen zeigen Lücken zwischen Kosten und Gewinnen auf, die Lieferantenwechsel oder Preisanpassungen schließen. 

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Automatisierung von Prozessen beschleunigt Arbeitsschritte und erweitert das zeitliche Budget, sodass Aufträge im größeren Maß abgeschlossen werden.  Modularisierung sowie Kompetenzerweiterungen diversifizieren das Portfolio und erlauben Reaktionen auf Marktveränderungen. Vorteile für Kunden, wie Anwendungsberatung in den Bereichen Rezyklate und Wertstoffe, verbessern das Standing zusätzlich.

Neues Kapital erschließen

Um einen solchen Ausbau zu stemmen, brauchen Unternehmer Investoren, die ihnen den Rücken stärken. Doch klassische Kredite sind zunehmend Mangelware. Für den Maschinenbau bieten sich verschiedene Arten der Finanzierung an, darunter Private Debt, Mezzanine-Kapital und Eigenkapitalpartner. 

  • Private Debt eignet sich für Unternehmen mit stabilem operativem Cashflow, die zügig und ohne langwierige Bankprozesse Mittel für Investitionen oder eine Refinanzierung benötigen. Die Zinsen liegen zwar über denen klassischer Kredite, dafür lassen sich Laufzeiten, Tilgung und Auflagen flexibler verhandeln. 
  • Mezzanine-Kapital schließt die Lücke zwischen Fremd- und Eigenkapital: Als nachrangiges Mittel stärkt es die wirtschaftliche Eigenkapitalquote und damit die Bonität, ohne dass Gesellschafter Anteile oder Mitspracherechte abgeben. Somit profitieren vor allem Wachstums- und Modernisierungsvorhaben, deren absehbare Ertragssteigerung die höhere Verzinsung trägt davon. 
  • Eigenkapitalpartner kommen infrage, wenn größere Transformationsschritte anstehen, die Verschuldung bereits hoch oder eine Nachfolge zu regeln ist. Sie erhalten Unternehmensanteile und bringen im Gegenzug neben Kapital Branchennetzwerke und Managementerfahrung ein. 
  • Für längerfristige Zahlungsziele eignet sich unter anderem das Factoring. Bei den entscheidenden Faktoren Anzahlungs- und Gewährleistungsbürgschaften bietet das Aval Management die beste Grundlage. Professionelle Verwalter in Form von Kreditgebern oder spezialisierten Aval Gebern schaffen Spielraum, indem sie die Steuerung und Überwachung der Bürgschaften übernehmen und ein zusätzliches Vertrauensbekenntnis für Kunden geben. 
  • Kurzfristigere Aufstockungen gelingen mithilfe von Asset Based Lending oder Sale and Lease Back. Ersteres beschreibt Ausschüttungen, bei denen Investoren Vorräte, Forderungen und Maschinenparks als Sicherheiten übertragen bekommen. Sale and Lease Back wiederum fungiert über die Veräußerung größerer Assets wie Immobilien oder Fertigungsanlagen, die auf Mietbasis in Benutzung des Unternehmens bleiben. So gewinnen Betriebe mit wenig Aufwand Kapital und schaffen zeitgleich mehr Flexibilität für die eigene Arbeitsweise. 

Nicht zu lange festhalten

Eine solide Finanzierung und ein breites Portfolio stabilisieren einen Betrieb nur bis zum gewissen Grat. Zukunftsfähigkeit erfordert den Mut, unrentable Geschäftsbereiche abzuwickeln. Wirft ein Produkt oder eine Baureihe keine ausreichenden Erträge ab, verfehlt ein Standort die kritische Größe oder gefährden notwendige Querfinanzierungen die Liquidität des Gesamtunternehmens, sind Veräußerung und Auflösung – so schwer das mintunter fallen mang – die einzig richtige Reaktion. 

Außerdem verlangt ein Eigentümerwechsel gründliche Überlegungen und Zeit. Im übernehmenden Betrieb bestehen Synergien wie ergänzende Technologien und höhere Auslastung? Dann gestaltet sich ein Zukauf als interessante Möglichkeit des Wachstums und die Karten liegen auf Seiten des Anbieters. Eine frühzeitig geplante Übergabe schafft zudem den nötigen zeitlichen und organisatorischen Spielraum für einen geordneten Carve-out. Die saubere Abgrenzung von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, personellen Ressourcen und IT-Strukturen sowie faire Übergangsvereinbarungen erfordern sorgfältige Planung und Abstimmung.

Hilfe von außen annehmen 

Ebenfalls mit Scham behaftet ist in vielen Kreisen der Schritt, sich Hilfe von außerhalb zu suchen. Doch genau wie eine Veräußerung schwächelnder Geschäftsbereiche zeigt sich hierin unternehmerische Weitsicht. 

Im eigenen Betrieb fällt es oftmals schwer, Schwachstellen objektiv als solche zu benennen. Bei den ersten Anzeichen dafür, dass interne Prozesse mutmaßlich am Unternehmensziel vorbeilaufen und Optimierungsversuche an den bestehenden Strukturen scheitern, holen Führungspersonen externe Berater mit Kenntnis der Maschinenbaubranche ins Boot. Ihr unvoreingenommener Blick erleichtert unpopuläre Entscheidungen. Ein Interims-Manager oder CRO mit entsprechenden Befähigungen erweckt neues Vertrauen bei Banken und Versicherungen.