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Unternehmen im Fokus BASF: Chemiegigant vor großen Herausforderungen

Von Melanie Ehrhardt (verantwortlich) 6 min Lesedauer

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Als der weltgrößte Chemiekonzerne der Welt ist BASF ein wichtiger Partner der Kunststoffindustrie. Das Unternehmen entwickelt und produziert innovative Kunststoffe und Additive, die in zahlreichen industriellen Anwendungen zum Einsatz kommen.

Stadt in der Stadt: Mit 10 Quadratkilometern Werksgelände ist der BASF-Verbundstandort Ludwigshafen das größte zusammenhängende Chemieareal der Welt.(Bild:  BASF SE)
Stadt in der Stadt: Mit 10 Quadratkilometern Werksgelände ist der BASF-Verbundstandort Ludwigshafen das größte zusammenhängende Chemieareal der Welt.
(Bild: BASF SE)

Die BASF SE, mit Sitz in Ludwigshafen am Rhein, gilt noch immer der größte Chemiekonzern der Welt (Bild 1). Seit der Gründung der „Badischen Anilin- und Sodafabrik“ im Jahr 1865 steht BASF synonym für die enorme wirtschaftliche Relevanz und Innovationsfähigkeit der deutschen Chemieindustrie. Doch die Krisen der letzten Jahre haben Spuren beim Chemiegiganten hinterlassen.

Vom Chemiekonzern zum Innovationspartner der Kunststoffindustrie

Während der Fokus des Unternehmens nach seiner Gründung zunächst in der Produktion synthetischer Farbstoffe lag, weitete er sich im Zuge einer rasanten Expansion auf die Herstellung synthetischer Kraft- und Kunststoffe aus. 

Wichtige historische Innovationen wie die Ammoniaksynthese nach dem Haber-Bosch-Verfahren oder die Herstellung von Styropor sind Ergebnisse der immensen Forschungsaufwendungen des Konzerns. Heute gliedert sich die Struktur von BASF in insgesamt sechs Segmente: Chemicals, Materials, Industrial Solutions, Nutrition & Care, Surface Technologies und Agricultural Solutions.

(Bild: Statista 2026)

Bild 1. Anzahl der Mitarbeiter der größten Chemiekonzerne weltweit im Jahr 2024

Die Statistik zeigt die weltweite Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der größten Chemiekonzerne im Jahr 2024. BASF beschäftigte in diesem Jahr über 111.822 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Quellen: Bayer; BASF; Linde plc; Air Liquide; Dow Chemical; DuPont; Saudi Basic Industries Corporation; Henkel; PPG Industries; Ecolab; LyondellBasell

Der folgende Beitrag gibt eine Übersicht über die „Kunststoff-Sparte“ der BASF, aktuelle Werkstoff-Innovationen, neue Recycling-Ansätze sowie die Bedeutung des Konzerns für die Kunststoffverarbeitung. Gleichzeitig wirft er einen Blick auf die Unternehmensstrategie, die zuletzt von Sparmaßnahmen in Deutschland und Expansionen in China geprägt waren.

Das Kunststoff-Portfolio der BASF

BASF stellt eine große Bandbreite an Kunststoffen, Werkstoffen und Vorprodukten her. Diese lassen sich in mehrere Gruppen einteilen. 

Hochleistungskunststoffe

Hochleistungskunststoffe sind Kunststoffe mit besonders hoher Temperatur-, Chemikalien- und Verschleißbeständigkeit sowie sehr guten mechanischen Eigenschaften. Sie werden in anspruchsvollen Bereichen wie der Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik, Elektronik und Automobilindustrie eingesetzt, wo herkömmliche Kunststoffe an ihre Grenzen stoßen. 

Bekannte BASF-Hochleistungskunststoffe sind:

  • Ultramid: Polyamid (PA)
  • Ultradur: Polybutylenterephthalat (PBT)
  • Ultraform: Polyoxymethylen (POM)
  • Ultrason: Auf Basis von PSU, PPSU und PESU

Polyurethane

Polyurethane (PU bzw. PUR) sind vielseitige Kunststoffe, die durch die Reaktion von Polyolen mit Isocyanaten hergestellt werden. Je nach Zusammensetzung können sie weich und elastisch oder hart und formstabil sein. Sie werden unter anderem für Schaumstoffe, Lacke, Klebstoffe, Dichtungen und technische Bauteile verwendet.

Unter der Marke Cellasto, Elastollan und weiteren Systemen produziert BASF Polyurethane für Dämmstoffe, Matratzen, Fahrzeugsitze, Kühlschränke, Sportschuhe sowie Bauteile für Fahrzeuge.

Styrol-Kunststoffe

Styrol-Kunststoffe sind Kunststoffe, die auf dem Monomer Styrol basieren und sich durch gute Formbarkeit sowie eine glatte Oberfläche auszeichnen. Zu den bekanntesten Vertretern gehören Polystyrol (PS), schlagzähes Polystyrol (HIPS) und Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS). Sie werden häufig für Verpackungen, Haushaltsgeräte, Gehäuse und technische Bauteile eingesetzt.

Expandiertes Polystyrol (EPS) genannt, ist ein Dämmstoff, der in vielen Bereichen des Bauwesens eingesetzt wird. Es wird durch Aufschäumen von treibmittelhaltigen Polystyrolgranulat mit Wasserdampf hergestellt. BASF vertreibt EPS und den Marken Neopor und Styropor.

Extrudiertes Polystyrol (XPS) ist ein Schaumstoff, der als Dämmstoff in verschiedenen Bereichen des Bauwesens eingesetzt wird. XPS wird durch Extrusion hergestellt, wobei Polystyrol unter hohem Druck und Wärme verarbeitet wird. Seit 1964 wird er bei der BASF unter dem Markennamen Styrodur hergestellt.  

Weitere Kunststoffe

Zum BASF-Portfolio gehören zudem biobasierte und kompostierbare Kunststoffe. Der Biokunststoff Ecovio beispielsweise besteht aus bioabbaubaren Kunststoff Ecoflex und Polylactid (PLA), welche aus nachwachsenden Rohstoffen auf Zuckerbasis gewonnen wird.

Darüber hinaus bietet der Chemiekonzern Additive an. Dabei handelt es sich um Zusatzstoffe, die Kunststoffen beigemischt werden, um ihre Eigenschaften gezielt zu verbessern oder zu verändern. Sie können beispielsweise die Haltbarkeit, UV-Beständigkeit, Farbe, Flammschutz oder Verarbeitbarkeit eines Kunststoffs optimieren.

Anwenderbranchen: Wo finde ich BASF-Kunststoffe?

BASF produziert Standardkunststoffe, technische Kunststoffe, Hochleistungskunststoffe, Polyurethane, Schaumstoffe, Biokunststoffe und Spezialwerkstoffe. Diese Materialien werden in nahezu allen wichtigen Industriezweigen eingesetzt.

Typische Anwendungen sind:

Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft bei BASF-Kunststoffen

BASF unterstützt die Kunststoffverarbeitung vor allem mit Materialien, Additiven und Verfahren für eine Kreislaufwirtschaft:

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  • Mechanisches Recycling: BASF entwickelt Kunststofftypen und Additivlösungen, die den Einsatz von Rezyklaten erleichtern. Die Additivmarke Valeras, darunter IrgaCycle, soll die Qualität schwankender Rezyklate stabilisieren, die Verarbeitung verbessern und höhere Rezyklatanteile ermöglichen.
  • Längere Produktlebensdauer: Stabilisatoren wie Irgastab sowie Lichtschutz- und Prozessschutzadditive helfen, Kunststoffe während der Verarbeitung und Nutzung vor Alterung und Qualitätsverlust zu schützen. Eine längere Lebensdauer reduziert den Ressourcenverbrauch.
  • Rohstoffalternativen: Über die Biomass-Balance bietet BASF außerdem Produkte an, bei denen fossile Rohstoffe teilweise durch zertifizierte nachwachsende oder biobasierte Rohstoffe ersetzt werden.
  • Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette: BASF arbeitet mit Recyclingunternehmen, Maschinenbauern, Verarbeitern und Markenherstellern an Lösungen für Sortierung, Aufbereitung, chemisches Recycling und recyclinggerechtes Produktdesign.

So trägt ChemCycling zur Kreislaufwirtschaft bei

Als Ergänzung zum mechanischen Recycling spielt chemisches Recycling eine wichtige Rolle für die Kreislaufwirtschaft. Es kann Kunststoffabfälle, die aus technologischen, wirtschaftlichen oder ökologischen Gründen nicht mechanisch recycelt werden können, in Rohstoffe für die chemische Produktion umwandeln.

Seine Bemühungen und Erfahrung bündelt die BASF im Projekt ChemCycling. Dabei werden gemischte oder verunreinigte Kunststoffabfälle beispielsweise durch Pyrolyse in Pyrolyseöl umgewandelt. BASF setzt dieses Öl als Ersatz für fossile Rohstoffe in der chemischen Produktion ein und stellt daraus neue Kunststoffe her.

Was mit einem kleinen Pilotprojekt im Jahr 2021 begann, ist heute auf ein Portfolio von mehr als 200 massenbilanzierten Ccycled-Produkten angewachsen, die nach REDcert oder ISCC Plus zertifiziert sind. Bei der Massenbilanz werden die recycelten Rohstoffe bilanziell zugeordnet – sie sind nicht zwingend physisch in jedem einzelnen Produkt enthalten.

Aus der Praxis

Altreifen-Recycling: BASF unterstützt Industriekooperation

Alte Reifen werden bislang kaum zu neuen recycelt. BASF, Pirelli, Pyrum und Synthos wollen das ändern. Mit dem gemeinsamen Projekt „Tyre-toTyre“ wollen sie beweisen, dass sich Altreifen innerhalb eines strukturierten und rückverfolgbaren industriellen Kreislaufs zu einer wertvollen Ressource umwandeln lassen. Weiterlesen

Wertvolles aus Windelabfällen

In einem gemeinsamen Pilotprojekt haben Essity, BASF und die Technische Universität Wien Lösungen für das Recycling von gebrauchten Windeln untersucht. Das Mittel der Wahl: die Gasifizierung. Erste Ergebnisse sind vielversprechend. Weiterlesen

Herausforderungen & Zukunftsaussichten

Insbesondere in Europa, Heimatregion und größter Absatzmarkt des Konzerns, erhöhten stetig steigende Energie- und Rohstoffpreise zuletzt die Betriebskosten der Produktionsstätten. Gleichzeitig sank infolge der hohen Inflationsrate seit dem Jahr 2022 die Kaufkraft der dortigen Abnehmerindustrien und damit auch der Absatz von Basis- und Spezialchemikalien. 

Verglichen mit anderen globalen Chemieindustrie-Standorten wie China oder den USA stellen hohe bürokratische Hürden und regulatorischer Druck bezüglich Nachhaltigkeitsstandards eher Wettbewerbsnachteile dar, insbesondere in Deutschland. Dies resultierte im Geschäftsjahr 2025 mit einem Umsatzrückgang von 61,4 Milliarden auf 59,7 Milliarden Euro (Bild 2). Das Betriebsergebnis lag bei 6,6 Milliarden Euro.

Umsatz der BASF SE in den Jahren 1999 bis 2025 (in Millionen Euro)
(Bild: Statista 2026)

Bild 2. Umsatz der BASF SE in den Jahren 1999 bis 2025 (in Millionen Euro)

Nach dem Rekordergebnis 2022 ging der Umsatz von BASF zum zweiten Mal in Folge zurück - auf insgesamt rund 59,7 Milliarden Euro im Jahr 2025. Als Hauptgrund für den Rückgang gab der Chemiekonzern wettbewerbsbedingt niedrigere Preise für chemische Erzeugnisse in allen Segmenten an. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Ebitda gesunken.

Quelle: BASF

BASF hat sich daher mehrere Sparprogramme auferlegt, die auch personelle Einschnitte bedeuten. Von Januar 2024 bis Ende Juni 2026 hat der Chemiekonzern die Zahl der Mitarbeitenden weltweit um rund 7.000 reduziert. Zudem senkte das Unternehmen im Mai 2026 die Zahl der Vollzeitstellen am Stammwerk in Ludwigshafen erstmals seit dem Jahr 1954 auf unter 30.000.

Gleichzeitig investiert BASF weiterhin in für sie vielversprechendere Märkte wie China, wofür der Konzern zuletzt von heimischen industriellen und gewerkschaftlichen Interessenverbänden kritisiert wurde. Dazu gehört auch der neue Verbundstandort in Zhanjiang. Er wurde im März 2026 offiziell eingeweiht, erstreckt sich über rund vier Quadratkilometer und kostete rund 8,7 Milliarden Euro. 

Transparenz

Dieser Text verwendet Informationen von Statista und BASF. Darüber hinaus wurde er auch mithilfe von KI erstellt.